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Lackieren Spülsystem reduziert VOC-Emissionen beim Farbwechsel von 2K-Lacken

| Redakteur: Stéphane Itasse

Ein umweltschonendes Spülsystem für die 2K-Lackapplikation hat Dürr entwickelt: Die Ecobell Purgebox ermöglicht es erstmals, die lösemittelhaltigen 2K-Lacke und Spülmedien beim Farbwechsel fast vollständig aufzufangen, wie der Hersteller mitteilt.

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Das Spülsystem Ecobell Purgebox reduziert VOC-Emissionen, die während des Farbwechsels von 2K-Lacken entstehen.
Das Spülsystem Ecobell Purgebox reduziert VOC-Emissionen, die während des Farbwechsels von 2K-Lacken entstehen.
(Bild: Dürr)

Zur Anwendung kommt das System bei 2K-Klarlacken und -Basislacken. Die VOC-Belastung durch Farbwechsel in der Kabine kann dadurch um bis zu 60 % verringert werden. Das neue System kommt ohne die bislang üblichen Spültrichter aus. Das senkt den Energieverbrauch sowie den Wartungsaufwand und bietet zudem Sicherheit gegen Hochspannungsüberschläge.

Anlagenbetreiber müssen immer strengere VOC-Grenzwerte einhalten

Weltweit verpflichten gesetzliche Regelungen Anlagenbetreiber dazu, zunehmend strengere Grenzwerte für flüchtige organische Verbindungen (VOC, kurz für „volatile organic compound“) einzuhalten, wie Dürr weiter mitteilt. In der industriellen Lackierung entweichen VOCs unter anderem beim Wechsel der Farbe und dem damit verbundenen Spülen der Zerstäuber.

Um eine andere Farbe zu lackieren, müssen die Kanäle im Inneren des Zerstäubers zunächst gespült werden, bevor die neue Farbe angedrückt wird. Zudem ist eine regelmäßige Außenreinigung des Zerstäubergehäuses nötig, damit kein am Zerstäuber befindlicher Overspray auf das Substrat abfallen kann. Hier konnte die VOC-Emission durch die Entwicklung des Ecobell Cleaner D2 mit integriertem Tropfenabscheider um bis zu 94 % im Vergleich zum Vorgängermodell gesenkt werden, zum einen durch den verringerten Reinigungsmittelverbrauch durch den Wegfall eines Reinigungsdurchgangs und zum anderen dadurch, dass die ausgebrachten Medien aufgefangen werden.

Bei Materialien mit nur einer Komponente (1K), wie sie typischerweise für Füller- und Basislack verwendet werden, lässt sich beim Farbwechsel die Farbe in den Zerstäuberkanälen über eine Rückführung in die Sammelleitung abgeben und auffangen. Dadurch müssen nur sehr wenige Medien nach vorne aus dem Zerstäuber gespült werden. Dieses Spülen findet im Ecobell Cleaner D2 parallel zur Zerstäuberreinigung in Taktzeit statt.

2K-Lacke stellen besondere Anforderungen an das Spülen

„Für 2K-Lacke war eine derart saubere Lösung bislang am Markt nicht verfügbar, da diese Materialien besondere Herausforderungen an den Spülprozess stellen“, berichtet Sandra Schlichenmaier, R&D-Ingenieurin bei Dürr. Da 2K-Lack nach kurzer Zeit aushärtet, muss er komplett nach vorne aus dem Zerstäuber heraus geleitet werden. Bisher wird der Lack dabei entweder direkt in die Kabine oder in einen regelmäßig gespülten Trichter abgegeben. Bei dem Spülvorgang auf dem Trichter entwickelt sich eine dynamische Sprühwolke, aus der viel VOC entweicht. Zudem muss der Trichter regelmäßig mit Schmutzverdünner gespült werden, damit das 2K-Material dort nicht verklebt – auch hier werden zusätzlich VOCs in die Kabine eingebracht.

Die neuentwickelte Ecobell Purgebox ist ein System, das den Trichter völlig ersetzt und die VOC-Belastung in der Kabine deutlich reduziert. Stattdessen fährt der Zerstäuber in die Box ein. Spezielle Filtermatten darin fangen den größten Teil des Lacks auf, die Luft entweicht zur Seite, das nahezu reine Spülmedium fließt nach unten ab und lässt sich über eine Sammelrohrleitung entsorgen, ohne dass diese zusätzlich gespült wird. Die Filter werden nach ihrer Standzeit im Restmüll entsorgt. „In 2K-Zonen lässt sich zukünftig der Eintrag von VOCs durch Spül- und Reinigungsprozesse in der Lackierkabine deutlich reduzieren, wenn ein Ecobell Cleaner D2 statt mit einem Trichter mit einer Ecobell Purgebox kombiniert wird“, sagt Schlichenmaier.

Hinzu kommt die hohe Sicherheit, die die Ecobell Purgebox und auch der Ecobell Cleaner D2 in Kombination mit der Dürr-Steuerungstechnik Eco-RPC bieten. Eine virtuelle Schutzzone sorgt dafür, dass sich der Zerstäuber, solange er unter Hochspannung steht, keinen geerdeten Bauteilen nähern kann. Ein Überschlag auf brennbare Lacke wird so verhindert, da die Software bei Verletzung der Schutzzone die Anlage abschaltet.

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