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ZVEI Stimmung in der Elektroindustrie ist deutlich schlechter als die Zahlen

| Redakteur: Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Die Stimmung in der deutschen Elektroindustrie hat sich nach Aussage des Verbandes ZVEI deutlich verschlechtert. Dabei sind die Zahlen noch positiv.

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Das Geschäftsklima in der deutschen Elektroindustrie hat sich schlagartig verschlechtert.
Das Geschäftsklima in der deutschen Elektroindustrie hat sich schlagartig verschlechtert.
(Bild: ZVEI)

Dass die Zahlen für den Februar noch positiv sind, liegt nach Aussage des Verbandes aber hauptsächlich daran, dass die Corona-Krise sich darin noch nicht abzeichnet. Das Geschäftsklima sei jedoch im März erheblich gesunken und die Produktionspläne stark abwärts revidiert.

Im Februar dieses Jahres lagen die Auftragseingänge in der deutschen Elektroindustrie noch 2,7 % über ihrem Vorjahreswert. Produktion und Umsatz jedoch schafften es allenfalls auf Vorjahresniveau. „Allerdings sind diese Zahlen noch so gut wie unberührt von der Corona-Pandemie“, sagte ZVEI-Chefvolkswirt Dr. Andreas Gontermann. „Frühestens mit den Daten zum Berichtsmonat März, mitunter auch erst in den Werten für April, werden sich die Auswirkungen der Krise auch in den harten Fakten zeigen.“

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Dagegen zeigt sich die rapide nachlassende Stimmung in der Branche schon jetzt in mehreren Klima-Indikatoren, welche bereits für die ersten März-Wochen vorliegen. Hier wurden die Produktionspläne stark abwärts revidiert: Der Saldo aus Firmen, die in den nächsten drei Monaten mehr respektive weniger herstellen wollten, fiel von neun auf minus zwölf Prozentpunkte.

Die Beschäftigungspläne wurden ebenfalls nach unten korrigiert. So überstieg der Anteil derjenigen Firmen, die Beschäftigung abbauen wollen, den Anteil der Unternehmen, die noch einen Aufbau planen, um mehr als elf Prozentpunkte. 28 % der Elektrofirmen planten schon in der ersten März-Hälfte mit Kurzarbeit. Die Zahl der angezeigten Kurzarbeiter ist bereits von unter 5000 im Februar auf knapp 18.000 Anfang März hochgeschnellt. „In nächster Zeit dürfte sich der Anstieg entschieden weiter beschleunigen“, so Gontermann. „Zur Erinnerung: In der Finanzkrise waren zeitweise mehr als 170.000 Branchenbeschäftigte in Kurzarbeit.“

Auch das Geschäftsklima in der deutschen Elektroindustrie sei bis Mitte März deutlich gesunken. Dabei verschlechterte sich sowohl die Beurteilung der aktuellen Lage als auch die allgemeinen Geschäftserwartungen. „Vor allem letztere brachen stark ein. Bereits 43 % der Firmen gingen von rückläufigen Geschäften in den nächsten sechs Monaten aus“, sagte Gontermann. Der Saldo aus positiven und negativen Exporterwartungen sei in den ersten März-Wochen um 23 Zähler zurückgegangen und läge jetzt bei – 14 Prozentpunkten – nach plus neun im Februar.

Elektrokonjunktur im Februar 2020 im Einzelnen

Im Februar 2020 hatten die Auftragseingänge noch um 2,7 % im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Dabei entwickelten sich die Inlandsbestellungen mit einem Plus von 4,8 % besser als die aus dem Ausland (+ 1,1%). Während Kunden aus dem Euroraum 4,5 % weniger orderten als im gleichen Vorjahresmonat, gab es bei den Aufträgen aus Drittländern einen Anstieg um 4,9 %. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres lagen die Bestellungen insgesamt 3,4 % unter Vorjahr. Hier gaben die Inlandsaufträge (– 6,7 %) stärker nach als die Auslandsorders (– 0,7 %). Aus der Eurozone gingen von Januar bis Februar 3,1 % weniger neue Bestellungen ein als vor einem Jahr, aus Drittländern dagegen 0,8 % mehr.

Die um Preiseffekte bereinigte Produktion lag im Februar 2020 auf Vorjahresniveau (+ 0,1 %). Auch von Januar bis Februar kam sie nicht darüber hinaus (± 0,0 %).

Mit 14,8 Mrd. Euro traten die Erlöse der heimischen Elektrobranche im Februar 2020 mehr oder weniger auf der Stelle (– 0,2 % gegenüber Vorjahr). Allerdings standen sich hier ein Rückgang des Inlandsumsatzes um 3,1 % auf 6,9 Mrd. Euro und ein Anstieg des Auslandsumsatzes um 2,5 % auf 7,9 Mrd. Euro gegenüber. Die Erlöse aus Geschäften mit dem Euroraum kamen im Februar auf 2,9 Mrd. Euro (+ 1,2 %) und die mit Partnern aus Drittländern auf 5,0 Mrd. Euro (+ 3,2%).

Kumuliert von Januar bis Februar dieses Jahres belief sich der aggregierte Umsatz auf 29,4 Mrd. Euro, womit er um 1,8 % niedriger lag als vor einem Jahr. Die Inlandserlöse gaben um 3,6 % auf 13,9 Mrd. Euro nach, die Auslandserlöse stagnierten bei 15,5 Mrd. Euro (– 0,1 %). Der Umsatz aus Geschäften mit der Eurozone war dabei 5,8 Mrd. Euro hoch (– 0,5 %). Die Erlöse mit Drittländern verharrten bei 9,7 Mrd. Euro (+/- 0,0 %).

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