Temperaturmessung Temperatur überwachen: Mit Thermistor, Thermolelemente oder IR-Technik?

Autor / Redakteur: Mark Patrick / Dipl.-Ing. (FH) Hendrik Härter

Obwohl es sich bei der Temperatur nur um einen einfachen Parameter handelt, ist sie eine wichtige Größe in vielen Industriebranchen. Thermistor, Thermolelemente und die IR-Temperaturmessung sind drei Messmethoden, um die Temperatur zu überwachen.

Temperaturen messen: Mit einem Thermoelement lässt sich ein Temperaturbereich von -200 bis 2.500 °C abdecken.
Temperaturen messen: Mit einem Thermoelement lässt sich ein Temperaturbereich von -200 bis 2.500 °C abdecken.
(Bild: Iván Tamás / Pixabay )

Mit der zunehmenden Automatisierung unserer Welt gewinnt die Sensorik immer mehr an Bedeutung. Die genaue Bestimmung von Temperaturwerten gehört nach wie vor eine der wichtigsten Funktionen im Elektronikdesign. Die genaue Temperatur spielt nicht nur im privaten Umfeld eine wichtige Rolle. In der Industrie ist es entscheidend, wenn Sensoren Maschinen und Computertechnik überwachen.

Das ist beispielsweise wichtig, wenn frühzeitigen Fehler erkannt werden oder einfach eine optimale Temperatur aufrechterhalten. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Temperatur zu messen. Sie alle haben unterschiedliche Vorteile und sind für bestimmte Anwendungsszenarien geeignet. Im folgenden Beitrag geht es um die drei gängigsten Temperaturmessverfahren: Thermistoren, Thermoelemente und der Infrarot-(IR-)Technik.

Thermistoren sind einfach, präzise und robust

Bei einem Thermistor handelt es sich um einen elektrischen Widerstand, dessen Widerstandswert sich in Abhängigkeit von der Temperatur ändert. Dabei erfasst der Thermistor entweder seine Umgebungsluft oder eine Oberfläche, mit der er in Kontakt steht oder in die er eingebettet ist. Hergestellt ist ein Thermistor aus Metalloxiden, die in eine geeignete Perlenform, Scheibe oder einen Zylinder gepresst werden. Eingekapselt wird dieser dann in Epoxid oder Glas.

Je nach gewähltem Material kann der Widerstand entweder mit der Temperatur ansteigen. Dann handelt es sich um einen positiven Wärmekoeffizienten (PTC). Der Widerstand nimmt ab, wenn es sich um einen negativen Temperaturkoeffizienten (NTC) handelt. NTC-Typen sind im Allgemeinen die beliebteren Komponenten für thermische Messungen, wohingegen PTC-Typen häufig als thermische Sicherungen verwendet werden.

Beispiel einer NTC-Thermistorkurve, die den Zusammenhang zwischen Widerstand und Temperatur zeigt.
Beispiel einer NTC-Thermistorkurve, die den Zusammenhang zwischen Widerstand und Temperatur zeigt.
(Bild: Mouser)

Thermistoren sind einfach in der Handhabe, preiswert in der Anschaffung und robust. Sie reagieren vorhersehbar auf Temperaturänderungen. Eine Änderung des Widerstandswertes ist zwar nichtlinear, folgt aber einer Kurve, die für ein bestimmtes Thermistormodell definiert ist. Thermistoren sind außerdem empfindlich, präzise und sehr stabil. Sie eignen sich jedoch nicht für die Messung großer Temperaturschwankungen und arbeiten in der Regel nur in einem engen Bereich um eine bestimmte Temperatur. Dieser Umstand sowie ihre langsame Ansprechzeit schränken ihre Anwendungsmöglichkeiten ein.

Auf Oberflächen oder eingebettet

Thermistoren sind vielseitig einsetzbar und können sowohl die Umgebungstemperatur messen als auch auf eine Oberfläche geklebt oder im Inneren eines Objekts untergebracht werden. So lässt sich ein Thermistor in einen Kühlkörper integrieren, um dort die Temperatur zu messen. Sind Thermistoren auf Oberflächen geklebt oder eingebettet, spricht man von einer berührungslosen Form der Messung. Damit haben sie direkt Einfluss auf die gemessene Temperatur. In der Praxis sind Thermistoren sehr klein und haben eine minimale thermische Masse. Das ist in den meisten Anwendungsfällen kaum ein Problem.

Thermistoren gibt es mit Anschlussdrähten oder können oberflächenmontiert sein (SMD). Der NCU15XH103D60RC von Murata ist ein NTC-Bauelement mit einer Grundfläche von 1,0 mm x 0,5 mm. Dieser Thermistor hat einen Nennwiderstand von 10 kOhm und arbeitet bei Temperaturen zwischen -40 und 125 °C. Er eignet sich für ein breites Anwendungsspektrum, insbesondere aber für die Temperaturkompensation in elektrischen/elektronischen Schaltungen und temperaturempfindlichen Komponenten. Im Zuge des immer breiteren Einsatzes von Batterietechniken überwachen Thermistoren die Temperatur von wiederaufladbaren Batteriepacks. Und das während des Einsatzes und beim Aufladen..

Thermoelemente messen differenziell

Thermoelemente sind zwei Drähte aus unterschiedlichen Metallen, die an einem Ende miteinander verbunden und am anderen Ende offen sind. Temperaturänderungen am verbundenen Ende induzieren (heiße Verbindungsstelle) eine kleine Spannung am offenen Ende (kalte Verbindungsstelle), die proportional zum Temperaturunterschied zwischen den beiden Verbindungsstellen ist.

Ein Thermoelement misst differenziell. Daher muss die Temperatur der offenen Verbindungsstelle bekannt sein, um die Temperatur am verbundenen Verbindungsstelle zu berechnen. In der Industrie werden die Begriffe heiß und kalt verwendet. In der Realität kann die Temperatur der heißen Verbindungsstelle leicht niedriger sein als die der kalten Verbindungsstelle. Damit es nicht zu Verwechselungen kommt, werden die Verbindungsstellen inzwischen häufig auch als Messstelle und Referenzstelle bezeichnet.

Die Eigenschaften von Thermoelementen werden durch die verwendeten Drähte und durch die Materialien bestimmt, aus denen die Drähte hergestellt sind. Jedem Thermoelement ist ein Buchstabe zugeordnet, wobei J, K und T die gängigsten sind. Der Typ K wird aus zwei Nickellegierungen (Chromel und Alumel) hergestellt, die Chrom, Aluminium, Mangan und Silizium enthalten. Die Beziehung zwischen der Temperatur (Differenz) und der Spannung an der Kaltstelle wird durch den Seebeck-Koeffizienten definiert, der in V/C gemessen wird. Die Typen R und S haben niedrige Seebeck-Koeffizienten (<10), während die gängigeren Typen (J, K, T und E) höhere haben (>40).

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