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So heterogen das Kundenspektrum im Werkzeug- und Formenbau und damit deren Vielfalt an Aktivitäten ist, so unterschiedlich ist die Auftragslage der Betriebe. Während sich Branchen wie die Pharma- oder die Lebensmittelindustrie ziemlich unbeeindruckt von der gegenwärtigen Krise zeigen, steht die Autobranche mehr oder weniger mit dem Rücken zur Wand. Eine Position, aus der nur die herauskommen werden, die es schaffen, mit frischen Produktideen die Kunden wieder in Kauflaune zu versetzen.
Die Folge ist ein gewaltiger Technologie- und Innovationsdruck, der auf der Branche lastet und von dem zur Zeit viele Betriebe des Werkzeug-, Modell- und Prototypenbaus profitieren, ebenso die Entwicklungsdienstleister. Ein Beispiel ist der schwäbische Engineering-Spezialist Bertrandt, der trotz Autokrise im ersten Quartal 2008/2009 gegenüber dem Vorjahreszeitraum bei Umsatz und Ergebnis noch einmal ordentlich zulegen konnte.
Verzögerungstaktik der Automobilindustrie
Doch auch im automobilnahen Projektgeschäft werden die Auswirkungen der Krise immer spürbarer. Während die einen noch von einer kaum veränderten Nachfrage nach Werkzeugen sprechen, machen andere gegenteilige Erfahrungen. Die Frage, wo die Branche derzeit der Schuh drückt, beantwortet Schülken spontan: „Probleme bereitet klar die Verzögerungstaktik der Automobilindustrie. Es werden Projekte gestoppt und keiner weiß so richtig, wann es weitergeht.”
Dass sich inzwischen eine gewisse Perspektivlosigkeit breit macht, beobachtet auch Willi Schmid, Geschäftsführer vom Verband Deutscher Werkzeug- und Formenbauer (VDWF) und selbst Inhaber eines mittelständischen Werkzeugbaubetriebs. Laut Schmid klagt etwa die Hälfte der Verbandsmitglieder über rückläufige Aufträge – und auch im eigenen Betrieb sei die Auftragslage „von Tag zu Tag schlechter”.
Werkzeug- und Formenbauer konkurrieren heftig um Aufträge
Hinzu komme ein immer heftiger werdender Wettbewerb bei der Jagd nach den rar gewordenen Aufträgen: „Wo vor fünf Monaten fünf Anbieter waren, sind es heute 15.” Während die heimischen Mitbewerber für den VDWF-Geschäftsführer sozusagen alle in einem Boot sitzen, gebe es global gesehen starke Differenzen, was Preisgestaltung und abgelieferte Qualität angeht.
„Nimmt man den nackten Preis für einen Auftrag, sind ausländische Anbieter immer billiger“, meint Schmid. „Jedoch ist in der Summe der Dinge ein Werkzeug aus Deutschland mindestens preisgleich, wenn man Aspekte wie Service, Qualität, Geschwindigkeit oder Wartung mit einbezieht.” Argumente, die in den meisten Einkaufsabteilungen leider auf taube Ohren stoßen würden.
Etwas differenzierter sieht man dies bei Köbelin Formenbau, wo selbst Werkzeuge aus Low-Cost-Ländern bezogen werden. Typisch sei dies bei Automobilteilen, dort bestehe eine Baugruppe beispielsweise aus einem anspruchsvollen Mehrkomponententeil und drei relativ einfachen Anbauteilen.
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