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„In so einem Fall gibt der Tier-1-Zulieferer oder der Automobilhersteller selbst die Vorgabe, dass die für die einfachen Teile benötigten Werkzeuge aus Low-Cost-Ländern stammen müssen“, erklärt Köbelin. Grundsätzlich sei an der Qualität von solchen Werkzeugen nichts auszusetzen.
Werkzeuge aus Billiglohnländern müssen oft nachgearbeitet werden
Doch wie so oft, steckt der Teufel im Detail. Beispielsweise, weil nicht exakt nach Zeichnung gearbeitet wurde und die mit dem Werkzeug produzierten Teile nicht zueinander passen. Dann muss aufwändig nachgearbeitet werden, was den normalen Kunststoffverarbeiter völlig überfordert.
Die Gesamtverantwortung des Projekts und damit das Management dieser Prozesse, einschließlich der Optimierung, wird von Köbelin übernommen. Das klappt laut Köbelin inzwischen recht ordentlich, weil man in Indien zwei sehr zuverlässige Werkzeugbauer gewonnen habe. Die arbeiten beispielsweise mit dem gleichen CAD-System, was den Abstimmungsaufwand reduziert und wodurch schon im Vorfeld manche Probleme gar nicht erst entstehen.
Diese Leistungen fließen in die Kalkulation ein, was von den Kunden aber klar akzeptiert wird, wie Köbelin betont. Am Ende bleibt allerdings kein nennenswerter Kostenvorteil. „Die Werkzeuge sind dann, wenn wir sie verkaufen, vielleicht noch 20% günstiger als unsere.”
Werkzeug- und Formenbauer stochern im Nebel
Die aktuelle Situation ist für den Werkzeugbau äußerst unübersichtlich, besonders im automobilnahen Bereich. „Es sieht ganz danach aus, dass viele in ein paar Wochen und bis in den Frühsommer hinein erhebliche Probleme haben werden, was den Nachschub an Arbeit betrifft“, so Dr. Wolfgang Leonhardt, geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Graveurbetriebs in Hochdorf.
Und natürlich hoffen immer noch alle, dass das Konjunkturloch nicht zu tief ausfallen wird. Kleinere Umsatzrückgänge dürften die meisten Werkzeugbauer nach einigen exzellenten Jahren gut verkraften, ohne Mitarbeiter zu entlassen. Doch niemand weiß wirklich, was kommt.
Werkzeugbauer sehen sich gut aufgestellt
Vergleiche mit der Zeit von vor etwa fünf Jahren, als die Zahl der Werkzeugbaubetriebe in Deutschland und Mitteleuropa rapide zurückging, sollten hingegen nicht gezogen werden. Denn damals ging es nicht nur um die Konkurrenz aus China, sondern ganz klar auch um die Bereinigung von Überkapazitäten, die in den 1990er Jahren entstanden waren. Die Werkzeugbauer, die damals überlebten, haben ihre Hausaufgaben gemacht und sind heute gut aufgestellt.
Sollten die Aufträge krisenbedingt wegbleiben, gelte es vor allem durchzuhalten – und nicht den Fehler zu begehen, vor lauter Panik die eigene Position zu verwässern, raten Fachleute. Denn Dumpingangebote und Aufträge um jeden Preis sind auf Dauer tödlich, nicht nur im Werkzeugbau.
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