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125 Jahre MM Maschinenmarkt

Von der biegsamen Welle bis zur Smart Factory

| Autor: M. A. Benedikt Hofmann

Heute ist Trumpf Weltmarktführer bei Werkzeugmaschinen und Lasern und wohl jedem Experten im industriellen Bereich bekannt. Diesen Status hat sich das Unternehmen, das als kleine Werkstatt begonnen hat, durch zahlreiche Innovationen erarbeitet.

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1985 wurde ertsmals ein echter Trumpf-Laser gezündet.
1985 wurde ertsmals ein echter Trumpf-Laser gezündet.
(Bild: Trumpf)

Betrachtet man Unternehmen, die sich über viele Jahrzehnte erfolgreich am Markt behaupten und konstant wachsen konnten, erkennt man schnell, dass es zwei Dinge gibt, auf die es besonders ankommt: Wandlungsfähigkeit und Innovation. Ein gutes Beispiel für diese These ist das Hochtechnologieunternehmen Trumpf mit Sitz in Ditzingen, das sich von einer Werkstätte für biegsame Wellen zu einem Weltmarktführer im Bereich der Werkzeugmaschinen und Laser entwickelt hat.

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Die frühen Jahre

Begonnen hat diese Erfolgsgeschichte im Jahr 1923 mit dem Erwerb der mechanischen Werkstätte Julius Geiger GmbH in Stuttgart durch den Kaufmann Christian Trumpf und zwei Geschäftspartner. In dieser Zeit fertigte das Unternehmen biegsame Wellen, die zunächst bei Zahnärzten zum Einsatz kamen. Durch die Entwicklung des motorischen Antriebs erschlossen sich aber bald neue, industrielle Anwendungsgebiete für das Produkt und die Wellen kamen fortan auch bei der Bearbeitung von Holz und Metall zum Einsatz. Aufgrund des erweiterten Einsatzes der Produkte wuchs das Unternehmen bis 1927 auf 70 Mitarbeiter an und zog 1933 in den Stuttgarter Vorort Weilimdorf um.

Die biegsame Welle stand am Anfang der Unternehmensgeschichte. Durch motorisierte Lösungen (das Bild zeigt die „Trumpf Universalmaschine, TUM 1100“) wurden für dieses Produkt völlig neue Märkte erschlossen.
Die biegsame Welle stand am Anfang der Unternehmensgeschichte. Durch motorisierte Lösungen (das Bild zeigt die „Trumpf Universalmaschine, TUM 1100“) wurden für dieses Produkt völlig neue Märkte erschlossen.
(Bild: Trumpf)

Seinen Erfindergeist stellte das Unternehmen 1934 unter Beweis und präsentierte die erste motorbetriebene Handschere für Blech. Aus der HSP 201, so der Name der ersten Handschere, entstand eine ganze Reihe an Handwerkzeugen. Durch diese Verlagerung des Produktschwerpunkts war es folgerichtig, das Unternehmen umzubenennen und fortan als „TRUMPF & Co. vormals Julius Geiger GmbH“ zu firmieren.

Vorläufer der Stanzmaschine

1947 traf Christian Trumpf eine Entscheidung, die für die Geschichte seines Unternehmens wegweisend werden sollte: Er fasste den Entschluss zum Bau einer stationären Aushauschere, einem Vorläufer der Stanzmaschine. Um diese innovative Anlage Kunden adäquat präsentieren zu können, begab sich Trumpf auch im Marketing auf innovative Pfade. So wurde beispielsweise für die „TRUMPF Aushauschere TAS“ ein mobiles Vorführsystem in Form eines Lieferwagens mit eingebauter Aushauschere entwickelt, mit der die Vertreter direkt beim Kunden vorfuhren. In den folgenden Jahren zeigte sich, dass die Entscheidung, stationäre Maschinen zu bauen, goldrichtig war. Bis 1950 steigerte Trumpf die Mitarbeiterzahl auf 145 und erwirtschaftete erstmals mehr als 1 Million Deutsche Mark. Mit der TAS 4 erreichte das Unternehmen 1950 außerdem einen weiteren technischen Meilenstein. Es war die erste Aushauschere des Unternehmens mit verstellbarem Hub.

Die Fertigung der Aushauscheren, die ein Vorläufer heutiger Stanzmaschinen waren.
Die Fertigung der Aushauscheren, die ein Vorläufer heutiger Stanzmaschinen waren.
(Bild: Trumpf)

Eine Ära beginnt

Ebenfalls im Jahr 1950 begann ein gerade zwanzigjähriger Abiturient namens Berthold Leibinger seine Ausbildung bei Trumpf. Welche Tragweite seine Einstellung für das Unternehmen haben sollte, konnte damals noch niemand absehen. Nachdem er für einen Studienplatz zugelassen wurde, brach Leibinger seine Ausbildung ab und studierte Maschinenbau an der Technischen Hochschule Stuttgart. Für seine experimentelle Diplomarbeit, die er 1956 begann, zog es Leibinger zurück zu seinem Ausbildungsbetrieb. Das Ergebnis dieser Entwicklungsarbeit sollte die erste von vielen Erfindungen sein, mit denen er Trumpf zu dem machte, was das Unternehmen heute ist. 1958 zog es Leibinger in die USA, wo er als Entwicklungsingenieur für Cincinnati Milling Machines arbeitete, den damals größten Werkzeugmaschinenhersteller der Welt. Einige Jahre später sollte ihn sein Weg allerdings wieder zu dem schwäbischen Maschinenbauer führen.

Der Start in die numerische Epoche

Auch während Leibingers vorübergehender Abwesenheit war man in Weilimdorf nicht untätig. Mit dem Patent für die Koordinatenführung von Blechen im Jahr 1957 hielt die Automatisierung Einzug in die Maschinen. Da die Bleche so noch exakter als durch den Bediener geführt werden konnten, wurde es möglich, Ausschnitte und Konturen millimetergenau zu nibbeln.

Die Koordinatenführung war der Beginn der Automatisierung in Trumpf-Maschinen.
Die Koordinatenführung war der Beginn der Automatisierung in Trumpf-Maschinen.
(Bild: Trumpf)

Innovationen wie diese führten dazu, dass Trumpf weiter wuchs und 1961 bereits 325 Mitarbeiter beschäftigte sowie einen Umsatz von 11 Millionen Deutsche Mark erwirtschaftete. Im selben Jahr kehrte Berthold Leibinger nach Weilimdorf zurück. Als Leiter der Konstruktionsabteilung führte er zunächst ein Team von sieben Mitarbeitern in einer Hütte auf dem Firmengelände.

In dieser Zeit legte Trumpf auch den Grundstein für die weitere Entwicklung des Unternehmens. Der Schweißkantenformer TKF 100, ein tragbares Pressluft-Werkzeug, mit dem Bleche vor dem Schweißen erstmals mühelos angeschrägt werden konnten, war ein voller Erfolg und versetzt das Unternehmen in die Lage, größere Summen in die Entwicklung zu investieren.

Mit Lochstreifen zur automatisierten Produktion

In den späten 1960er- und 70er-Jahren begann Trumpf endgültig die Entwicklung hin zu dem Unternehmen, das es heute ist. Den Startschuss hierfür markierte die „TRUMATIC 20“, die auf der 11. Europäischen Werkzeugmaschinen-Ausstellung im Jahr 1968 für Furore sorgte. Bei der Maschine handelte es sich um nichts Geringeres als die erste Blechbearbeitungsmaschine mit numerischer Bahnsteuerung. Mit Ausnahme des Werkzeugwechsels ermöglichte die Trumatic 20 durch diese Technik einen vollautomatischen Arbeitsablauf. Die hierfür benötigten Informationen wurden zu dieser Zeit noch mittels Lochstreifen einprogrammiert.

In dieselbe Zeit fielen die ersten Aktivitäten in Richtung Lasertechnik im Hause Trumpf. Mit der „TRUMATIC 180 LASERPRESS“ präsentierte das Unternehmen 1979 seine erste marktreife Maschine in diesem Sektor. Es handelte sich um eine kombinierte Stanz-Laser-Maschine mit 500 Watt Leistung. Der verbaute CO2-Laser wurde noch bei dem amerikanischen Unternehmen Coherent eingekauft.

Die „TRUMATIC 180 LASERPRESS“ war 1979 die erste marktreife Lasermaschine von Trumpf.
Die „TRUMATIC 180 LASERPRESS“ war 1979 die erste marktreife Lasermaschine von Trumpf.
(Bild: Trumpf)

Die richtige Heimat gefunden

Zwischen diesen beiden Ereignissen lag allerdings noch ein Umzug nach Ditzingen, wo Trumpf bis heute beheimatet ist. Sowohl die Produktionsbedingungen als auch die Infrastruktur in Stuttgart-Weilimdorf entsprachen nicht mehr den Ansprüchen des mittlerweile auf 800 Mitarbeiter angewachsenen Unternehmens. Und so wurde der Umzug im Jahr 1972 vollzogen. Bereits zum 30. Juni 1969 war Christian Trumpf als allein zeichnungsberechtigter Geschäftsführer zugunsten von Hugo Schwarz, der bereits 1953 als Gesellschafter und kaufmännischer Geschäftsführer in das Unternehmen eingetreten war, und Berthold Leibinger zurückgetreten. Die Übertragung der Anteile von Christian Trumpf und Anna Trumpf auf Schwarz und Leibinger wurden im Handelsregister des Amtsgerichts Stuttgart im November 1973 bekannt gegeben. Beide Eheleute blieben bis zu ihrem jeweiligen Tod Gesellschafter der Komplementärin Trumpf Verwaltungs- und Beteiligungs-Gesellschaft mbH.

1980, nur ein Jahr nach der bereits vorgestellten Trumatic 180 Laserpress, setzte Trumpf das nächste Ausrufezeichen und präsentierte eine Anlage zum Plasmaschneiden. Die „TRUMATIC Plasmapress 300“ verband Stanzen, Nibbeln und Plasmaschneiden. Im Gegensatz zu vielen anderen Innovationen der Trumpfentwickler war das Plasmaschneiden allerdings eher für kurze Zeit von Bedeutung. Da sich die Leistungsstärke von Lasern bis heute deutlich erhöht hat, spielt die Plasmatechnik in diesem Bereich kaum mehr eine Rolle.

Der Durchbruch des Lasers

Die 1980er-Jahre standen bei Trumpf ganz im Zeichen des Lasers. 1985 präsentierte das Unternehmen den ersten selbst entwickelten und produzierten CO2-Laser und etablierte sich so auch als Laserhersteller. Der „TRUMPF LASER TLF 1000“ verfügte über 1 Kilowatt Strahlleistung und war dem Unternehmen zufolge der erste kompakte Laserresonator mit Hochfrequenzanregung. In derselben Zeit entwickelte Haas Strahltechnik das erste Laserlichtkabel für den industriellen Einsatz von Festkörperlasern.

Ein aktueller CO2-Laser von Trumpf.
Ein aktueller CO2-Laser von Trumpf.
(Bild: Trumpf)

Schon damals hatte es die gelbe Farbe, die später zur Norm wurde. Trumpf sollte den Bereich Haas Strahltechnik, der 1986 in die Haas-Laser GmbH + Co. KG ausgegründet wurde, später übernehmen. Im Jahr 1991 war Haas-Laser im Rahmen der Euroblech erstmals auf dem Stand von Trumpf vertreten. Eine weitere Innovation der 1980er-Jahre war der erste „gefaltete“ Laser, der sich zu einem echten Topseller entwickeln sollte. Erstmals präsentiert wurde die Technologie auf der Europäischen Werkzeugmaschinenausstellung in Hannover in einer „TRUMATIC 240 LASERPRESS“.

Trumpf wird ein gesamtdeutsches Unternehmen

Wie den technologischen Entwicklungen zuvor trat Trumpf auch den politischen Veränderungen Anfang der 1990er-Jahre aufgeschlossen und mit einer Vision gegenüber. Als eines der ersten westdeutschen Unternehmen wagte Trumpf ein substanzielles Investment in den neuen Bundesländern und erwarb 1992 die bis dahin von der Treuhandanstalt Berlin verwaltete Sächsische Werkzeug- und Sondermaschinen GmbH. Die neue Tochtergesellschaft der Trumpf-Gruppe erhielt den Auftrag, eine Wasserstrahl-Schneidmaschine zu entwickeln, die bereits im selben Jahr auf der Euroblech präsentiert wurde. Die Maschine blieb nicht lange im Portfolio des Unternehmens, Trumpfs Präsenz im Osten Deutschlands hatte allerdings Bestand. Bei einer Veranstaltung im Jahr 2018 lobte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Unternehmen explizit für sein Engagement in den damals neuen Bundesländern.

Doch nicht nur neue Bundesländer wurden von Trumpf in den 1990er-Jahren erschlossen, sondern auch neue Geschäftsfelder. Neben neuen Verfahren, die Teil des Produktportfolios wurden, kamen auch neue Geschäftsbereiche, unter anderem die Medizintechnik, hinzu. 1999 stellte Trumpf den ersten diodengepumpten Scheibenlaser mit 1 Kilowatt Laserleistung als Laborgerät vor. Kurz darauf erlangte der Laser Serienreife. Heute ist der Scheibenlaser die Plattform für alle Trumpf Hochleistungs-Festkörperlaser.

Das neue Millennium im Zeichen des Wandels

2005 trat Dr. Nicola Leibinger-Kammüller die Nachfolge ihres Vaters an der Spitze des Unternehmens an.
2005 trat Dr. Nicola Leibinger-Kammüller die Nachfolge ihres Vaters an der Spitze des Unternehmens an.
(Bild: Trumpf)

Mit dem neuen Millennium vollziehen sich nicht nur technische, sondern vor allem auch bedeutende personelle Veränderungen. Im Jahr 2005 übergab Prof. Berthold Leibinger die Geschäftsleitung nach mehr als 40 Jahren an seine Tochter Dr. Nicola Leibinger-Kammüller (Vorsitzende der Geschäftsführung) und seinen Sohn Peter Leibinger (stellvertretender Vorsitzender). Bis 2012 übernahm Prof. Leibinger den Vorsitz des Aufsichtsrats. Zum 31.12.2012 gab er diesen Posten aus Altersgründen auf. Dr. Jürgen Hambrecht, der ehemalige Vorsitzende der BASF SE, wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

Berthold Leibinger verstarb am 16. Oktober in seiner Heimatstadt Stuttgart. Zuvor durfte er aber noch erleben, wie seine Nachfolger sein Unternehmen zu neuen Erfolgen führten.

Von Automatisierung bis Industrie 4.0

Zu den wichtigsten Errungenschaften gehörten die neue Generation der „TruLaser 3030“, die 2008 auf den Markt kam und über einen integrierten Palettenwechsler sowie modulare Automatisierungsmöglichkeiten verfügte, und die „TruLaser 5030 fiber“. Diese Maschine erreichte dank des Festkörperlasers Trudisk eine dreifache Vorschubgeschwindigkeit. 2013 wurde die Entwicklungsarbeit des Unternehmens dann auch von höchster Stelle gewürdigt. Für die Bewerbung „Produzieren mit Lichtblitzen – Ultrakurzpulsar für die industrielle Massenfertigung“ wurden Forscher von Trumpf, Bosch und der Universität Jena mit dem deutschen Zukunftspreis durch den Bundespräsidenten ausgezeichnet.

Die Fähigkeit, neue Geschäftsfelder zu erkennen und durch Innovationen voranzutreiben, stellte Trumpf in den folgenden Jahren noch mehrmals unter Beweis. Ein Beispiel hierfür ist die Gründung von Axoom, einem IT-Dienstleister für fertigende Unternehmen. Durch modulare Lösungen soll Axoom seine Kunden in Richtung Industrie 4.0 führen. Das Potenzial der Additiven Fertigung, die heute in aller Munde ist, hatte das Unternehmen schon frühzeitig erkannt. Bereits 2003 kam unter dem Namen „TrumaForm“ eine Maschine für das selektive Aufschmelzen von Metall auf den Markt. Dabei handelte es sich bereits um eine industrielle Lösung, womit Trumpf seiner Zeit deutlich voraus war. 2014 intensivierte das Unternehmen sein Engagement in diesem Bereich wieder und stellte 2015 auf der Formnext neue Maschinen für den 3D-Druck von Metallteilen vor.

In seiner Smart Factory zeigt Trumpf die Fertigung der Zukunft.
In seiner Smart Factory zeigt Trumpf die Fertigung der Zukunft.
(Bild: Trumpf)

Mit der Eröffnung einer eigenen Smart Factory in Chicago zeigte Trumpf im Herbst 2017, was mit Industrie 4.0 möglich ist. Das Technologiezentrum wurde komplett mit vernetzten Lösungen geplant und dient vor allem zur Beratung und zum Training von Kunden, die digital vernetzte Fertigungslösungen in der eigenen Produktion einführen möchten.

Mit rund 13.400 Mitarbeitern erwirtschaftete die Trumpf Gruppe im Geschäftsjahr 2017/18 einen Umsatz von rund 3,6 Milliarden Euro.

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M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur, MM MaschinenMarkt