3 Fragen an Peter Altmaier Warum das BMWi auf Leichtbau setzt

Autor M. A. Benedikt Hofmann

Im Interview erklärt Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie der Bundesrepublik Deutschland, wie der Leichtbau Klimaschutz und Stärkung der Wirtschaft verbinden kann.

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„Der Leichtbau hat also enorme Potenziale, um Klimaschutz und Stärkung der Wirtschaft zu verbinden“, sagt Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie.
„Der Leichtbau hat also enorme Potenziale, um Klimaschutz und Stärkung der Wirtschaft zu verbinden“, sagt Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie.
(Bild: BPA/Steffen Kugler)

Das Bundesminister für Wirtschaft und Energie (BMWi) hat den Leichtbau ganz hoch auf die Agenda gehoben. Das ist spätestens klar, seit die EU-Ratspräsidentschaft im vergangenen Jahr dazu genutzt wurde, das EU-Netzwerk Leichtbau zu gründen. Auch im Rahmen der Hannover Messe Digital Edition wird das Thema durch den Lightweighting Summit eine bedeutende Rolle einnehmen. Eröffnet wird der Summit am 13. April um 14.00 Uhr von Peter Altmaier persönlich. Wir haben das zum Anlass genommen, um dem Bundesminister drei Fragen zum Thema Leichtbau in Deutschland zu stellen.

MM Maschinenmarkt: Wodurch bekommt der Leichtbau für das BMWi und die Wirtschaft eine so große Bedeutung?

Peter Altmaier: Leichtbau kann dazu beitragen, unsere ambitionierten Klimaziele zu erreichen, denn er verbraucht weniger Ressourcen und weniger Energie. Gerade in der aktuellen Coronakrise ist es wichtiger denn je, Zukunftsfelder in den Blick zu nehmen. Denn neben aktueller Krisenhilfe müssen wir die Segel auch auf Zukunft setzen. Leichtbau ist ein solches Zukunftsfeld und trägt dazu bei, unseren Industriestand zu modernisieren und so Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Deutschland zu sichern. Leichtbau wird für immer mehr Branchen, Materialien und Fertigungsverfahren relevant.

Einige Beispiele: Leichtere Fahrzeuge verbrauchen weniger Energie und stoßen weniger CO2-Emissionen aus. 100 Kilogramm weniger Gewicht reduzieren den Kraftstoffverbrauch eines Autos um circa 0,3 bis 0,5 Liter pro 100 Kilometer. Bei einem Airbus A 320 entsprechen 100 Kilogramm weniger Gewicht fast 10.000 Liter weniger Kerosin pro Flugzeug und Jahr. Im Maschinen- und Anlagenbau lassen sich durch Leichtbaulösungen pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen Stahl einsparen und über zwei Millionen Tonnen CO2.

Der Leichtbau hat also enorme Potenziale, um Klimaschutz und Stärkung der Wirtschaft zu verbinden. Deshalb haben wir als Bundeswirtschaftsministerium die Initiative Leichtbau etabliert. Das Herzstück der Initiative ist das Technologietransfer-Programm Leichtbau. Zur Förderung marktnaher Forschungs- und Entwicklungsvorhaben stehen hierüber jährlich mehr als 70 Millionen Euro zur Verfügung. Außerdem haben wir Anfang dieses Jahres die Leichtbaustrategie des Bundeswirtschaftsministeriums für den Industriestandort Deutschland veröffentlicht.

Eine Strategie ist immer nur der erste Schritt. Was sind die wichtigsten Ziele der Leichtbaustrategie des Bundeswirtschaftsministeriums und welche Maßnahmen werden dafür ergriffen?

Mit der Strategie bringen wir unter dem Motto „Von der Wirtschaft für die Wirtschaft!“ den Leichtbau in Deutschland voran. Dieser Bottom-up-Prozess ist von entscheidender Bedeutung. Über 350 Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft haben ihr Know-how und ihre Erfahrungen eingebracht und so die Grundlage für eine praxisnahe Leichtbaustrategie geschaffen. Und ich freue mich sehr, dass diese hohe Beteiligung auch in der aktuellen Corona-Krise weiter lief – auch das ein wichtiges Signal.

Nur gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und Gewerkschaften können wir die acht Maßnahmenpakete der Strategie auch tatsächlich umsetzen.

Und wo steht Deutschland beim Leichtbau tatsächlich?

Deutschland hat beim Leichtbau eine sehr gute Ausgangsposition, denn für uns zentrale Industriebranchen wie die Automobilindustrie und der Maschinen- und Anlagenbau sind wichtige Anwendungsfelder. Darauf wollen wir aufbauen. Unser Ziel ist, dass Deutschland zum Leitanbieter und -markt für Leichtbau werden soll. Das ist gut für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Klima. Und das ist wichtig, um nach der Corona-Krise den Anschluss in wichtigen Zukunftsfeldern nicht zu verlieren, sondern im Gegenteil: vorn mit dabei zu sein.

Dazu müssen wir uns noch stärker in Europa und international vernetzen. Denn der Leichtbau ist eine globale Herausforderung oder besser: eine globale Chance. Deshalb haben wir im letzten Jahr im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft das EU-Netzwerk Leichtbau aus der Taufe gehoben. Gleichgesinnte Mitgliedstaaten vernetzen sich auf Ebene der Regierungen und die EU-Kommission, Wirtschaft und Wissenschaft sind dabei. Das erste Treffen war erfolgreich und wir hoffen, den Staffelstab an Österreich für das zweite Treffen im Herbst übergeben zu können. Zudem steht auch der zweite Lightweighting Summit im Rahmen der Hannover Messe 2021 im Zeichen der Vernetzung in Europa und darüber hinaus.

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