Lieferketten „Wenn das System stabil bleiben soll, müssen die Zulieferer durch den Winter kommen“

Autor Svenja Gelowicz

Chipkrise, hohe Rohstoff- und Energiepreise, Liquiditätsengpässe: Autozulieferer kämpfen mit einer schwierigen Gemengelage. Warum die nächsten vier Monate wichtig werden und wo sich die nächsten Versorgungsengpässe auftun, erklärt Branchenexperte Jochen Wierz von der Beratung Falkensteg.

(Bild: Daimler)

Herr Wierz, Verbände schlagen Alarm, weil die Lager bei Zulieferern volllaufen. Gab es Warnzeichen?

Wir sehen seit etwa Juli den Trend, dass sich langsam eine Differenz zwischen den Bestellungen bei den Zulieferern und den faktischen Abrufen aufgetan hat. Diese Kluft wächst seitdem stetig. Und seit Ende August war klar, dass die Situation insgesamt sehr schwierig wird. Mittlerweile steuern bereits viele Unternehmen proaktiv gegen, indem sich die Produktion an den tatsächlichen Abrufen der Vorwochen und nicht an den ursprünglich kontrahierten Volumina orientiert. Das birgt natürlich auch ein gewisses Risiko. Allerdings wäre es jetzt ebenfalls kontraproduktiv, weiter Bestände aufzubauen, die die ohnehin angespannte Liquiditätssituation einzelner Zulieferer noch mehr belasten.