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VDMA Präzisionswerkzeuge

Werkzeugbranche knackt 10-Milliarden-Euro-Marke

| Redakteur: Andrea Gillhuber

Trotz Herausforderungen wie steigend Rohstoffpreise und Fachkräftemangel vermeldet der Fachverband VDMA Präzisionswerkzeuge für das Jahr 2017 einen Branchenumsatz von über 10 Mrd. Euro. Für das Jahr 2018 wird ein Wachstum von 5 % erwartet. Leicht wird es nicht.

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Markus Heseding, Hans-Joachim Molka, Lothar Horn und Marko Schülken (von links) gaben anlässlich der Jahrespressekonferenz einen Ausblick auf das Jahr 2018.
Markus Heseding, Hans-Joachim Molka, Lothar Horn und Marko Schülken (von links) gaben anlässlich der Jahrespressekonferenz einen Ausblick auf das Jahr 2018.
(Bild: Gillhuber)

Besser als gedacht seien die Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017, so der Fachverband Präzisionswerkzeuge im VDMA. Anlässlich der Jahrespressekonferenz in Frankfurt verkündete dessen Vorsitzender Lothar Horn ein Umsatzplus von 7 %: „Damit hat die Branche die 10 Milliarden-Euro-Marke signifikant überschritten.“

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An dem guten Ergebnis hatten alle Bereiche Anteil: So konnten im Jahr 2017 die Hersteller von Spanntechnik 9 % Umsatzwachstum aufweisen, gefolgt von den Produzenten für Zerspanwerkzeuge (+7 %) sowie dem Werkzeugbau mit 5 %. Sowohl bei den Zerspanwerkzeugen als auch bei bei den Spannzeugen stieg die Inlandsnachfrage wieder an, so dass der Fachverband auch für das Jahr 2018 insgesamt ein Branchenwachstum von 5 % erwartet.

Wie Elektromobilität die Branche beeinflusst

Als Unsicherheitsfaktoren für die Branche wurden neben den laufenden Tarifverhandlungen auch die weltpolitische Lage sowie die Rohstoffpreisentwicklung genannt. Vor allem die wachsende Batterieproduktion im Zuge der Elektromobilität lässt die Preise für Rohmaterialien wie Kobalt, Wolfram oder Tantal ansteigen um bis zu 25 % ansteigen. Diese Entwicklung zwingt die Industrie auch nach Alternativen zu suchen, beispielsweise einen Systemwechsel auf Wendeschneidplatten in der Produktion.

Die Elektromobilität beschäftigt die Branche auch in anderen Bereichen. So werden in Zukunft bei der Fertigung von rein batteriebetriebenen Fahrzeugen weniger Werkzeuge benötigt werden. Welche Marktveränderungen sich durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs ergeben werden, untersucht die VDMA-Studie „Antrieb im Wandel“. Durchgeführt wird die Umfrage durch die FEV Consulting GmbH, Schwerpunkte ist die Entwicklung von Marktszenarien für zukünftige Antriebskonzepte im Bereich Pkw, Nutzfahrzeuge sowie mobile Maschinen in Europa, Nordamerika und Asien bis zum Jahr 2030. Daraus sollen Schlussfolgerungen für die im Antriebsstrang verwendeten Komponenten sowie den Anforderungen an die Fertigungsprozesse gezogen werden.

An der Studie beteiligten sich 17 Fachverbände. Erste Ergebnisse werden am 31. Januar dem VDMA-Vorstand präsentiert, Ende März sollen die Mitglieder informiert werden.

Herausforderung Datenschutzgrundverordnung und Fachkräftemangel

Als die großen Herausforderungen in diesem Jahr nannte der Fachverband die gesetzeskonforme Umsetzung der Europäischen Datenschutzverordnung (DSGVO) sowie den Fachkräftemangel.

Ein sorgloser Umgang mit dem Datenschutzrecht kann für Unternehmen schnell teuer werden: Bis zu 300.000 Euro Strafe stehen auf einen Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz. Verstößt ein Unternehmen in Zukunft aber gegen das DSGVO, so sind Strafen bis zu 20 Mio. Euro möglich oder aber 4 % des gesamten weltweiten Jahresumsatzes des vorangegangenen Geschäftsjahrs. Zudem können Betroffene Schadenersatz fordern. Unterlassungsklagen, Strafanzeigen und Reputationsschäden sind in diesem Zusammenhang ebenfalls zu nennen.

Lesertipp DSVGO Wie Unternehmen die Risiken hoher Kosten wegen Datenschutzproblemen minimieren können, wenn die EU-DSGVO greift, verraten auch die folgenden Beiträge:
  • Sind Sie bereit für die Datenschutz-Grundverordnung?
  • Tipps zur DSGVO: Was Sie jetzt über die Datenschutz-Grundverordnung wissen müssen
  • Bald wird's teuer: Warum Sie sich um Art. 25 und 32 der EU-DSGVO kümmern müssen
  • Eine der größten Herausforderungen im Jahr 2017 und wohl auch im laufenden Jahr 2018 ist der Fachkräftemangel in den Unternehmen. Im vergangenen Jahr bauten nahezu die Hälfte der Unternehmen Personal auf. Trotz den wachsenden Mitarbeiterzahlen wurde dennoch in jedem dritten Unternehmen Überstunden gefahren, um dem Auftragseingang gerecht zu werden. Aufgrund des Fachkräftemangels sind die Unternehmen zudem skeptisch, ob ein weiterer Personalaufbau gelingen kann: Nur jedes vierte Unternehmen rechnet mit weitern Einstellungen.

    Neben Facharbeitern wie Metallbauer mit Zusatzausbildung fehlen auch Ingenieure und Techniker im Bereich Maschinenbau mit der entsprechenden Ausbildungsrichtung. Da die Ingenieursausbildung jedoch nicht Aufgabe der Unternehmen ist, sieht der Fachverband auch die Politik in der Pflicht. Ein weiteres Problem namhafter Werkzeughersteller bei der Akquise gut ausgebildeter Fachkräfte ist auch die Konkurrenzsituation mit großen Automobilherstellern.

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