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Frugal Engineering

Wie man neue Produkte für die asiatischen Märkte entwickelt

| Autor/ Redakteur: Robert Zehetbauer / Claudia Otto

Für eine starke Position in den aufstrebenden asiatischen Märkten müssen global orientierte Maschinenbauer neue Wege gehen. Frugal Engineering ist eine Möglichkeit, mit der sich von Grund auf neue und einfache Produkte für Schwellenländer entwickeln lassen.

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Das batteriebetriebene Ultraschallgerät Vscan von General Electric für den indischen Markt war so erfolgreich, dass es den Weg zurück in die Industrieländer fand (= Reverse Innovation).
Das batteriebetriebene Ultraschallgerät Vscan von General Electric für den indischen Markt war so erfolgreich, dass es den Weg zurück in die Industrieländer fand (= Reverse Innovation).
(Bild: GE)

Die Erkenntnis, dass deutsche Maschinen den Anforderungen eines fremden Marktes genügen müssen, wenn sie dort in großer Stückzahl verkauft werden sollen, hat sich weitgehend durchgesetzt. Bremsende Faktoren wie die im Absatzmarkt unzureichende Infrastruktur, Umwelt- und Energieprobleme oder das Nutzerverhalten sind bei der Kaufentscheidung in Schwellenländern oft ausschlaggebend. Der Mangel an qualifiziertem Bedienerpersonal, Stromausfälle oder Defizite beim Kundendienst können deutsche Maschinenbauer und ihre asiatischen Kunden vor Probleme stellen.

Einfache Produkte, die in Schwellenländern verkauft wurden, basierten in der Vergangenheit häufig auf bereits vorhandenen Plattformen. Sie waren entweder ein Relaunch alter Produkte wie der Kurzhauber-Lkw von Mercedes, der überall auf der Welt zu finden ist. Einfache Produkte waren aber auch abgespeckte, das heißt in den technischen Features reduzierte Spitzenprodukte. Ein Beispiel ist der in Shanghai hergestellte Computertomograph Somatom Spirit von Siemens, der statt einer Million nur noch 150.000 Euro kostet. Doch Frugal Engineering bedeutet nicht, komplexe Premiumprodukte des Westens abzuspecken und dadurch billiger zu machen. Wie will man eine hochwertige Kühl-Gefrierkombination der Marke Liebherr für Indien abspecken, wenn es in indischen Haushalten weder die erforderliche Stromversorgung noch ausreichende Stellflächen in den kleinen Küchen gibt?

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Im Zielland auf der Basis von lokalem Wissen innovieren

Doch wie entwickelt man Maschinen von Grund auf neu, die auf ausgewählte Segmente des chinesischen Marktes zugeschnitten sind? Die Lösung liegt darin, im Zielland auf der Basis von lokalem Wissen zu innovieren. Die Kunst ist, die örtlichen Anforderungen und Präferenzen der Nutzer mit den neuesten Technologien und Prozessen des Westens so zu kombinieren, dass ein attraktives Frugal-Produkt dabei herauskommt. Dazu sind lokale, mit großen Handlungsspielräumen ausgestattete Entwicklungsteams erforderlich, die im Schwellenland bottom-up arbeiten, jedoch von der Zentrale top-down unterstützt werden und Zugriff auf die neuesten und besten Ressourcen des Mutterunternehmens haben.

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