Von dem spitzbübischen Lächeln und der ruhigen Art sollte man sich nicht täuschen lassen: Mit Wolfgang Porsche wird einer der mächtigsten Männer der deutschen Autoindustrie 80 Jahre alt. Die Fäden hat er noch immer in der Hand.
Wolfgang Porsche feiert am 10. Mai seinen 80. Geburtstag.
(Bild: Porsche AG)
Es ist irgendwie bezeichnend, wo Wolfgang Porsche seinen 80. Geburtstag (10. Mai) verbringen wird: „Auf der VW- Hauptversammlung in Berlin“, wie er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur erzählt. Dort will er sich für fünf weitere Jahre als Volkswagen-Kontrolleur zur Wahl stellen. Denn auch wenn der Lenker der Familiendynastie Porsche nach dem schmerzhaften Verkauf an VW mittlerweile wieder mehr Einfluss beim Sportwagenbauer hat: Bevor er das Steuer an seinen Neffen Ferdinand Oliver Porsche übergibt, will der Senior noch ein paar Dinge „von Grund auf regeln“.
Ein klassisch breitbeiniger Autoboss ist Wolfgang Porsche nie gewesen. Und doch geht ohne den promovierten Handelswissenschaftler mit der sanften Stimme und dem verschmitzten Lächeln nichts bei VW – vom Stuttgarter Unternehmen mit seinem Namen ganz zu schweigen. Über die Holding Porsche SE kontrolliert der Porsche/Piëch-Clan die Mehrheit am Wolfsburger Autobauer. Und bei der von seinem Vater Ferry aufgebauten Sportwagenschmiede sitzt er nicht nur seit 45 Jahren im Aufsichtsrat, sondern ist dort seit 2007 auch Vorsitzender.
„Ich bin eher der ausgleichende Typ“, sagt Porsche, den sie in Zuffenhausen auch „WoPo“ nennen. Das sei der Grund, weswegen er sich noch gebraucht fühle. Geprägt sei er durch die ständigen Streitereien mit seinem 2019 gestorbenen Cousin und früheren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch. Nun wolle er weiter dafür sorgen, dass die Familie nach außen und in Aufsichtsratssitzungen mit einer Stimme spreche. „So viel haben wir gelernt: Dass wir uns erst austauschen und dann in eine Sitzung gehen.“ Mit dem heutigen Piëch-Oberhaupt, Ferdinands Bruder Hans Michel (81), verstehe er sich gut.
Geschäftsführer sollten besser nicht Porsches Rückhalt verlieren
Heißt im Umkehrschluss: Wem die beiden das Vertrauen entziehen, der macht im Konzern keinen Stich mehr. Zuletzt musste das der frühere VW-Chef Herbert Diess erfahren, hinter dem die Familie lange gestanden hatte. Irgendwann habe es aber an der Umsetzung seiner großen Ankündigungen gehapert, so Porsche. „Dazu hat er immer weniger Unterstützer im Management gehabt, das wurde schließlich zum Problem.“ Mitte 2022 musste Diess gehen, an seiner Stelle besetzt nun Oliver Blume neben seinem bisherigen Job als Porsche-Chef den Posten.
Der für Wolfgang Porsche nicht ganz so neue Neue – immerhin führt Blume seit 2015 den Stuttgarter Autobauer – ist voll des Lobes: Porsche sei eine „sympathische Identifikationsfigur“ für das Unternehmen, sagt Blume. „Der Beruf ist für ihn eine Berufung.“
Blume habe eine andere Haltung nach Wolfsburg gebracht, lobt Porsche zurück. „Man muss ein Teamplayer sein, um den Koloss Volkswagen zu bewegen. Und das ist Blume.“ Er habe eine größere Orientierung der Marken auf den Kapitalmarkt eingefordert und mit der Entscheidung, nicht mehr alle Software selbst entwickeln zu wollen, Pragmatismus gezeigt. „Aber gemessen wird er natürlich an den Ergebnissen.“
Damit geht Blume eines der Themen an, die Porsche noch geregelt sehen will, bevor er sich endgültig auf den Familiensitz „Schüttgut“ am Fuße des Großglockner zurückzieht: Nämlich, dass der VW-Konzern im Wandel zur Elektromobilität den Anschluss an Wettbewerber aus China, Südkorea oder den USA hält. „Nur ein wirtschaftlich erfolgreiches Unternehmen ist auch ein verlässlicher Arbeitgeber“, wiederholt der Jäger und Biolandwirt sein altes Mantra. Er sei heute übrigens auch Elektro-Fan. E-Fuels sieht er – wie sollte es bei dem Namen anders sein – als sinnvolle Ergänzung für alte Verbrennerautos.
Porsche legt großen Wert auf Einfluss der Familie
Seit vergangenem Jahr geregelt ist hingegen bereits ein weiteres Anliegen Porsches: Beim Börsengang der Porsche AG im September 2022 sicherte sich die von den Familien kontrollierte Porsche SE eine Sperrminorität und damit wieder direkten Einfluss beim Sportwagenbauer. „Das war schon eine Voraussetzung für den Börsengang“, sagt Porsche. Darüber hinaus habe Porsche jetzt wieder mehr Eigenständigkeit und Volkswagen frische Milliarden für die Transformation. Dieser Deal und die Machtkonzentration bei den Milliardärsfamilien sorgte aber auch immer wieder für Kritik.
Um nachvollziehen zu können, was Porsche dieser Einfluss wirklich bedeutet, muss man die Uhr knapp 14 Jahre zurückdrehen: Im Juli 2009 steht Wolfgang Porsche mit Tränen in den Augen vor der Belegschaft im Stammwerk Zuffenhausen. Der damalige Porsche-Vorstandschef Wendelin Wiedeking hatte versucht Volkswagen zu übernehmen und sich verzockt. Am Schluss drehte VW den Spieß um und schluckte die Stuttgarter.
Stand: 08.12.2025
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Wiedeking, den Porsche 1992 verpflichtet hatte und der das damals in einer schweren Krise steckende Unternehmen zum profitabelsten Autobauer der Welt umkrempelte, musste nach einem erbitterten Machtkampf weichen. Der Widersacher: Cousin Ferdinand Piëch.
Heute ist Porsche eine von vielen Marken im VW-Konzern. An der Börse sind die Stuttgarter aber mittlerweile höher bewertet als die Konzernmutter aus Wolfsburg. Auf die Frage, ob er so etwas wie Genugtuung verspüre, antwortet Porsche nicht direkt. „Ich bin einfach froh, dass die Porsche SE die Stammaktien erwerben konnte.“ Was ihn aber immer noch wurmt, ist der aus heutiger Sicht geringe Verkaufspreis damals. „Aber wir müssen nach vorne blicken.“
Über seinen Cousin Ferdinand Piëch sagt Porsche heute: „Es ist eigentlich ein Jammer: Er war ein begnadeter Ingenieur mit einer beeindruckenden Lebensleistung. Aber er hat es geschafft, all diese Wertschätzung binnen kürzester Zeit zu verspielen.“ Damit spielt er auf das Ende Piëchs als Chefaufseher bei VW an, nachdem er dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Martin Winterkorn 2015 öffentlich das Vertrauen entzogen hatte. Porsche hingegen hielt zu Winterkorn, der wenige Monate später wegen des Abgasskandals zurücktrat.
Für seinen eigenen Rückzug von der Macht hat Porsche übrigens ein klares Datum: „Ich will mich noch einmal für fünf Jahre wählen lassen. Dann ist aber Schluss.“