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Hohe Sicherheit wird jetzt zum Problem
Diese Bauweise resultiert aus dem Wunsch, die strahlenden Komponenten so eng wie möglich zu packen, damit die Gefahr gegenüber Flugzeugabstürzen oder bei Erdbeben minimiert wird. Zudem hat vor Jahrzehnten bei Planung und Bau – und das gilt weltweit – kaum jemand daran gedacht, dass Kraftwerke oder Forschungsreaktoren irgendwann auch mal wieder demontiert, dekontaminiert und entsorgt werden müssten.
Das zweite Spezifikum ist die Strahlengefahr. Zunächst durch den strahlenden Kern, also den Reaktor mit seiner unterschiedlich aufgebauten und unterschiedlich dicken Schutzhülle. Hier verbietet sich generell der Einsatz von Personal, daher müssen alle Arbeiten mithilfe von fernhantierten Maschinen erledigt werden. Auch andere Oberflächen und Bauteile werden in der Regel während des Betriebs kontaminiert oder nuklear aktiviert und müssen mit der gleichen Vorsicht rückgebaut werden.
Anfallende Abfallmengen sind gigantisch
Bisher sind in Deutschland drei kerntechnische Anlagen bereits beseitigt: das KKW Niedereichbach bei Landshut und zwei Versuchskraftwerke in Kahl. Drei weitere – die KKW in Würgassen, Obrigheim und Stade – befinden sich derzeit in der Demontage, für den Rückbau der ersten Blöcke in Philippsburg und Neckarwestheim hat der Genehmigungsprozess begonnen. Die Stoffströme eines Rückbaus sind gewaltig: Beim Abbruch des KKW Würgassen (ein Block, Nettoleistung 640 MW) fielen insgesamt 255.000 t Abfall, Schrott und Schutt an, davon 80 % Betonstrukturen. Etwa 97 % des gesamten Abbruchs eines KKW sind normale Bauabfälle. Zwei bis drei Prozent fallen als radioaktiver Abfall an, davon ist etwa ein Drittel so stark radioaktiv, dass das Material endgelagert werden muss. Diese Größenordnungen gelten laut Experten in etwa für alle deutschen Meiler.
Eine Demontage dauert oft Jahrzehnte. Denn der sichere Rückbau erfordert von Arbeitsgerät und Maschine höchste Präzision, jeder Handgriff will genau überlegt sein, jeder Quadratmeter Fläche muss freigemessen werden, bevor Abbruchmaterial deponiert, verwertet oder endgelagert werden kann. Außerdem stehen Sicherheit und Arbeitsschutz immer an oberster Stelle – Unfälle oder die Freisetzung radioaktiver Stoffe wären nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für Energiewirtschaft und Politik ein gesellschaftlicher GAU.
Dazu kommt, dass bei mancher Anlage die Dokumentation unvollständig oder falsch ist. „Statt auf Punktschweißnähte treffen wir auf geschlossene Schweißnähte, statt auf Inbusschrauben auf Kreuzschlitzschrauben“, sagt Erwin Prechtl, der bei der WAK den Bereich Rückbau verantwortet. Außerdem sind Türen und Zutrittsöffnungen oft zu klein, es fehlen Schleusen für Abfall und Platz für Wartung und Montage der Rückbautechnik. Ein Problem ist auch die Dauer der Genehmigungsverfahren, manches zieht sich über drei oder vier Jahre hin.
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