Suchen

Kraftwerksrückbau Zurück zur grünen Wiese

Autor / Redakteur: Christa Friedl / Udo Schnell

Es dauert lange, ein Kernkraftwerk zu bauen. Sein Abriss dauert oft noch länger. Erste Meiler sind bereits demontiert – um das Jahr 2020 erwarten Experten eine große Auftragswelle. Für den Maschinen- und Anlagenbau ist das Chance und Herausforderung zugleich.

Firma zum Thema

( © eyetronic - Fotolia)

Einige der wirklichen Helden dieses Landes verrichten ihre alltägliche Arbeit hinter dicht verschweißten Stahlwänden, ohne Tageslicht und mit künstlicher Sauerstoffversorgung. Sie tragen dicke Vollschutzanzüge mit Atemmasken und dreifach übereinander gestülpte Handschuhe. Ihre Schritte und Bewegungen im neun mal fünf Meter großen Stahlcontainer sind so mühsam wie die von Neil Armstrong auf dem Mond.

Für Heike Merx hat der Anblick ihrer Kollegen in den speziellen Rückbau-Caissons nichts Außerirdisches. „Hier werden kontaminierte Reaktorteile, Pumpen und Motoren zerlegt, gereinigt und sortiert“, erklärt die Leiterin der Hauptabteilung Dekontamination in der WAK Rückbau- und Entsorgungs-GmbH in Eggenstein bei Karlsruhe. Merx weiß aber auch: „Länger als zwei Stunden hält das keiner aus, dann ist erst mal Pause.“ Die WAK als Gesellschaft des Bundes beschäftigt sich bereits seit rund 25 Jahren mit der Demontage kerntechnischer Einrichtungen und ist eine der wenigen Institutionen weltweit, in denen Erfahrungen und Know-how zum Abriss und Abbau von Kernkraftwerken und Forschungsreaktoren zusammenlaufen.

Bildergalerie

Den Männern im „Mondanzug“ wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen, denn in Deutschland gehen bis zum Jahr 2022 alle Reaktoren vom Netz und sollen danach „zur grünen Wiese“ zurückgebaut werden. Die Demontage betrifft nicht nur stromerzeugende Kernkraftwerke. Bundesweit wurden zwischen 1957 und 2004 nach Angaben des Deutschen Atomforums etwa 100 kerntechnische Anlagen in Betrieb genommen, darunter auch zahlreiche Forschungsanlagen und Versuchskraftwerke. Laut Atomforum sind von den kommerziellen Leistungsreaktoren derzeit 27 bereits abgeschaltet, acht Blöcke liefern noch Strom. Zusätzlich wurden 40 Versuchs- und Forschungsanlagen stillgelegt, sieben sind noch in Betrieb.

Die reinen Zahlen klingen wenig aufregend, dennoch stecken darin enorme Herausforderungen: Jede Forschungsanlage ist ein Unikat und kein Kernkraftwerk ist wie das andere. Vor allem aber unterscheiden sich kerntechnische Anlagen in zwei Punkten wesentlich von ähnlich großen Industriekomplexen. „Sie sind extrem kompakt gebaut“, erläutert Prof. Sascha Gentes, Leiter des Lehrstuhls für den Rückbau konventioneller und kerntechnischer Bauwerke am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Oft so kompakt, dass in manchen Anlagenteilen weder Mensch noch Maschine ohne Weiteres Zugang finden.

(ID:43539272)