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Strategie

3 Tipps – So lassen Sie sich nicht von China abhängen

| Autor/ Redakteur: Christian Saxenhammer / Melanie Krauß

China vergrößert zunehmend seinen Einfluss auf die Maschinenbauindustrie. Mit diesen drei Tipps können deutsche Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und sogar weiter ausbauen.

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Sowohl „Made in China“ als auch „Made in Germany“ haben sich über die Zeit einen sehr positiven Ruf erarbeitet.
Sowohl „Made in China“ als auch „Made in Germany“ haben sich über die Zeit einen sehr positiven Ruf erarbeitet.
(Bild: ©klenger - stock.adobe.com)

Wir erinnern uns: „Made in Germany“ wurde eigentlich Ende des 19. Jahrhunderts in Großbritannien erfunden, um vor vermeintlich minderwertigen Produkten aus Deutschland zu warnen. Diese Abwehrmaßnahme verfehlte ihr Ziel deutlich: das ursprüngliche Stigma hat sich im Laufe der Jahrzehnte zu einem echten Gütesiegel entwickelt. 2017 belegte Deutschland immer noch Platz 1 des internationalen „Made-in-Country-Indexes“. Dieser historische Hintergrund – und die Erkenntnis, dass man sich aus einer benachteiligten Position mit viel Innovationskraft, Ehrgeiz und Entschlossenheit nach oben arbeiten kann – lässt uns die chinesische Herangehensweise deutlich besser verstehen.

„Made in China“ – eine echte Erfolgsstory

Die Chinesen starteten aus einer ähnlichen Lage – „Made in China“ galt lange Zeit als Sammelbegriff für qualitativ unterdurchschnittliche Massenware. Mittlerweile erwirtschaftete ein immer größer werdender Anteil der 1,4 Mrd. Einwohner ein Umsatzvolumen von 856 Mrd. Euro im Maschinenbau – Deutschland schaffte mit 297 Mrd. gerade etwas mehr als ein Drittel – und sorgt für ein mehr als gesundes Selbstbewusstsein in der chinesischen Wirtschaftsführung. Aber nicht nur das Volumen, sondern auch die Qualität stieg erheblich. Um den immer noch vorhandenen Güte-Vorsprung der deutschen Produkte halten und erweitern zu können, sollten sich unsere Unternehmen sowohl mit qualitativ als auch quantitativ fokussierten Ansätzen beschäftigen.

Mit diesen drei konkreten Tipps, lässt sich „Made in Germany“ wieder aufwerten:

1. An Start-ups beteiligen – oder direkt Innovation Hubs/Venture Builder gründen

Start-ups kümmern sich schon lange nicht mehr nur um die digitale Herausforderungen des Consumer-Markts. Vielmehr gehen die vielversprechenden Unternehmensgründer des 21. Jahrhunderts seit geraumer Zeit auch B2B-Branchen und -Probleme an. Hier sollten sich Maschinenbauer in den zahlreichen Start-up-Zentren genau umsehen, offen, neugierig und lernbereit den Dialog auf Augenhöhe suchen und sich mit dem Prinzip „Fail fast, fail cheap“ anfreunden.

Wenn Sie keine Start-ups finden, die Ihre Branchenthemen abdecken – gründen Sie selbst einen Innovation Hub/Venture Builder. Diese fungieren als geschützter Raum, um Nachwuchstalenten Möglichkeiten und Budgets zur Verfügung zu stellen, damit diese dann die Effektivität Ihres Kern-Business verbessern, neue Märkte und Produkte erfinden oder Ihr Unternehmen von Grund auf digitalisieren.

2. Fusionieren und strategische Allianzen eingehen

Den reinen Größenvorsprung des chinesischen Markts bewältigt man als einzelner Maschinenbau-Mittelständler natürlich vergleichsweise schwer. Selbst international aufgestellte Konzerne unterschätzen immer wieder die Zeit-, Geld- und Personalressourcen der chinesischen Unternehmen. Hier sollte man sich also passende Verbündete suchen. Entweder in der eigenen Nische oder in flankierenden Bereichen.

Wer unterschiedliche Produkte oder Lösungen anbietet, aber eine gleiche oder sehr ähnliche Zielgruppe im Blick hat, kann hervorragend Kräfte bündeln und die resultierenden Skalierungseffekte in direkte Marktvorteile verwandeln. Bessere Qualität, höhere Verfügbarkeit, Kompatibilität, Modularität und überzeugender Rundum-Service gehören zu den Punkten, die Ihnen und Ihren Partnern enorm zugute kommen können.

3. Finanzielle Verstärkung durch Internationalisierung

Neben der Recherche von technischen Partnern empfiehlt sich auch der Blick über den nationalen/europäischen Tellerrand, um Investoren und andere finanzielle Unterstützung zu akquirieren und zu nutzen. Etliche deutsche Unternehmen scheuen sich auch heute noch, ihr Geschäftsmodell auf internationale Beine zu stellen, sich mit anderen Kulturen und Arbeitsweisen wirklich intensiv auseinanderzusetzen oder zu riskieren, dass der eigene Betrieb einer echten Disruption unterzogen wird . Das ist nicht nur menschlich, sondern auch verständlich. Nichtsdestotrotz bleibt einem oft nichts anderes übrig, wenn man angesichts der digitalen Herausforderungen und des zunehmenden Globalisierungsdrucks neue und effektive Lösungsansätze sucht.

Diese drei Tipps können einzeln oder in Kombination umgesetzt werden, um wieder zuversichtlich in die Zukunft blicken zu können – für Pessimismus besteht meiner Ansicht nach überhaupt kein Anlass!

* Christian Saxenhammer ist Geschäftsführer bei Saxenhammer & Co. Corporate Finance in 10117 Berlin, Tel. (0 30) 75 54 08 70, cs@saxenhammer-co.com, www.saxenhammer-co.com

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