Suchen

Mittelstand

Auf der Suche nach Unternehmensnachfolgern

| Autor/ Redakteur: Pascal Stichler und Kurosch D. Habibi / Melanie Krauß

Derzeit sind mit rund 600.000 Mittelständlern so viele Unternehmer auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger wie nie zuvor. Die Lösung der Nachfolgeproblematik gelingt jedoch nicht in allen Fällen.

Firmen zum Thema

(Bild: ©industrieblick - stock.adobe.com)

Die Unternehmensnachfolge hat den deutschen Mittelstand fest im Griff. Dies bringt erhebliche Implikationen für die deutsche Volkswirtschaft mit sich. Als deren Herzkammer wird der Mittelstand oftmals bezeichnet, für den Staaten rund um den Globus die Bundesrepublik bewundern. Die wirtschaftliche Bedeutung des Mittelstands ist nicht zu bestreiten: Bahnbrechende Innovationen aus Maschinenbau und Ingenieurwesen haben im Mittelstand ihren Ursprung, der gleichzeitig gutbezahlte Arbeitsplätze für Millionen von Arbeitskräften stellt. Die traditionsreichen Betriebe, die häufig in Familienhand sind, werden selbst regional geprägt, doch prägen die jeweiligen Regionen ebenfalls stark. Durch die Verzahnung zwischen Heimat und Unternehmen bilden Mittelständler einen Grundpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenlebens.

Der Hauptgrund dafür, dass die allgemeine Sicherheit, die der Mittelstand bietet, zu brechen droht, ist in der Demographie auszumachen. Auf der einen Seite nähern sich Geschäftsführer, die ihren Betrieb über Jahre sicher zu Erfolgen und auch durch Krisen geführt haben, mit rasanter Geschwindigkeit dem Rentenalter. Auf der anderen Seite stehen nicht genügend Nachfolger zur Verfügung – schlicht bedingt durch geburtenschwache Jahrgänge. Nachfrage und Angebot an Nachfolgern klaffen in einigen Branchen bereits heute schon massiv auseinander. Neben demographischen Gründen spielen bei der Nachfolgeregelung weitere Faktoren eine Rolle.

Bremsstein der Unternehmensnachfolge ist, dass die Komplexität des Prozederes vom Verkaufsentschluss bis zum Vertragsabschluss zwischen Verkäufer und Käufer verkannt wird. Betriebsinhaber verfügen über ein breites Spektrum an Fähigkeiten, Eigenschaften und Erfahrungen, die sie sich durch jahrzehntelanges Management angeeignet haben. Ihr Unternehmen, ihre Wettbewerber und ihren Markt kennen sie ausgezeichnet, während es jedoch regelmäßig an Vorbereitung auf einen Unternehmensverkauf mangelt. Unternehmen, die in ihrer Region, ihrer Branche oder Nische die wirtschaftliche oder auch technologische Speerspitze bilden, geraten bei der Regelung der Nachfolge an ihre Grenzen. Viele Spieler im deutschen Mittelstand stehen in Sachen Professionalität und Strategie Großkonzernen in nichts nach, während es bezüglich Unternehmensverkäufen und Großtransaktionen an Erfahrung mangelt. Verwunderlich ist dies nicht: Schließlich steht der Verkauf des eigenen Lebenswerks für die meisten Unternehmer nur einmal an.

Keine allgemeingültigen Qualitätsstandards für Berater

Eine zentrale Herausforderung stellt aus diesem Grunde die richtige Beratung dar. Wenn die Nachfolge konkret wird, suchen Inhaber Rat bei ihrer Hausbank oder ihrem Steuerberater. Können diese nicht weiterhelfen, endet die Suche nach dem richtigen Nachfolger schnell. Alternativ wenden sich Unternehmer an spezialisierte Berater. Erschwert wird dieser Weg durch das Risiko, an schwarze Schafe unter den Beratern zu geraten, da der Markt für Beraterleistungen nicht reguliert ist. Das heißt, dass keine allgemeingültigen Qualitätsstandards existieren, an die sich die Berater zu halten haben. Großunternehmen und –konzernen mit großen Transaktionsvolumina stehen hinsichtlich professioneller und etablierter Beratungsinstitutionen alle Türen offen. Für kleine und mittlere Unternehmen bleiben diese jedoch häufig verschlossen.

Vor- und Nachteile der Wahl des entsprechenden Mediums und Partners für den Unternehmensverkauf sollten nach den Begebenheiten im Einzelfall abgewogen werden.
Vor- und Nachteile der Wahl des entsprechenden Mediums und Partners für den Unternehmensverkauf sollten nach den Begebenheiten im Einzelfall abgewogen werden.
(Bild: gemeinfrei (Pixabay, Terovesalainen) / CC0)

Es gibt zudem einige Unternehmer, die versuchen, mithilfe von Inseraten in Online-Portalen ihren Nachfolger zu finden. Dieser Lösungsansatz kommt jedoch nur für sehr kleine Betriebe in Frage. Zum einen kann das Inserat von jedem Internetnutzer eingesehen werden - auch von solchen Akteuren, die das Wissen über den Verkaufswillen des Unternehmensinhabers auszunutzen drohen. Zum anderen ist der Service des Portals nicht auf eine Unterstützung bei zentralen Verkaufsentscheidungen ausgelegt, wodurch der Unternehmer ausschließlich auf sein eigenes Gespür vertrauen muss.

Vermehrt greifen Unternehmensverkäufer auf Dienstleister wie Carl zurück, die ein integriertes Konzept anbieten. Einerseits wird der Verkäufer über den gesamten Prozess hinweg durch erfahrene Nachfolgespezialisten begleitet. Der Verkaufsprozess wird dabei zentral koordiniert und gestützt durch moderne Datenbanktechnologien. Anderseits werden in dem geschlossenen System Verkäufer gezielt mit geprüften Beratern sowie Kaufinteressenten in der jeweiligen Branche zusammengebracht. Die Beratungsleistung wird auch in diesem Konzept vergütet.

Die deutsche Maschinenbaubranche kann aktuell Rekordzahlen vermelden. Laut einer Studie eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens sind mit rund 230.000 Beschäftigten historisch viele Arbeitskräfte in der Branche beschäftigt, die zu einem Umsatz von gut 940 Mio. Euro beitrugen. Entsprechend der Bedeutung des Maschinenbaus ist auch die Herausforderung der Nachfolgelösung groß: Von den mehr als 15.000 Betrieben im Maschinenbau müssen tausende übergeben werden – gelingt die Übergabe nicht, ist das unternehmerische Lebenswerk genau wie die Arbeitsplatzsicherheit der Mitarbeiter in Gefahr.

Zeitpunkt für Verkauf sorgfältig wählen

Im Maschinenbau sind die Gründe für die Übergabe des eigenen Unternehmens teilweise strategischer Natur, doch veräußert die überwiegende Mehrheit ihr Unternehmen im Hinblick auf den Ruhestand, also altersbedingt. Weil erstens der Fortbestand des Unternehmens gesichert werden soll sowie zweitens der Verkaufserlös häufig das Auskommen im Alter gewährleistet, sollte der Zeitpunkt für einen Verkauf sorgfältig gewählt werden. Dabei gilt es zweierlei zu berücksichtigen.

Der Verkaufsprozess selbst und die Einstellung des Unternehmens auf den relevanten strategischen und operativen Entscheidungsebenen erfordern Zeit. Der Unternehmensverkauf ist komplex und facettenreich und bedarf dadurch in der Regel einer Vorbereitungs- und Anbahnungszeit von sechs bis neun Monaten. Beispielsweise gesundheitliche Gründe, die zu einer Dringlichkeit des Verkaufs beitragen können, sollten richtig eingeschätzt werden. Eine Unterschätzung des Verkaufsaufwands stellt sich in jedem Fall als problematisch dar.

Ein Rat gerichtet an verkaufswillige Unternehmer ist es weiterhin, die Markttrends und mittelfristige ökonomische Entwicklungen bei der Wahl des richtigen Zeitpunkts nicht außer Acht zu lassen. Nur so können vorteilhafte Situationen genutzt werden. Sieht man von kleineren politischen Unsicherheiten ab, ist die Lage für einen Unternehmensverkauf derzeit grundsätzlich als sehr gut zu beurteilen. Das liegt an der weiterhin anhaltenden soliden Konjunktur sowie günstigem Zugang zu Geldmitteln durch Niedrigzinsen. In solchen Zeiten streben potenzielle Käufer, die unter weniger vorteilhaften Konditionen keinen Unternehmenskauf erwägen würden, auf den Markt und schaffen ein kompetitives Umfeld, das Inhabern lukrative Geschäfte ermöglicht. Entsprechend werden Veräußerungen in minder erfolgsversprechenden Szenarien signifikant erschwert.

Ganz gleich, welchen Ansatz der verkaufswillige Geschäftsführer von Maschinenbauunternehmen in der nächsten Zeit wählen: Wichtig ist, dass der Unternehmer einen verantwortungsvollen und passenden Nachfolger findet, die Arbeitsplätze bestehen bleiben und ein guter Preis erzielt wird.

* Pascal Stichler und Kurosch D. Habibi sind Gründer und Geschäftsführer der Carl Finance GmbH in 10115 Berlin, Tel. (0 30) 4 03 63 07 10, kontaktaufnahme@carlfinance.de, www.carlfinance.de

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 45401379)