Porträt Aus der Not eine Tugend machen

Autor / Redakteur: Barbara Stumpp / Udo Schnell

Wenn heute jemand ein transparentes Klebeband braucht, dann verlangt er Tesa. So ist aus einem Produktnamen ein Gattungsbegriff geworden. Vor gut 120 Jahre begann der einzigartiger Erfolgsweg jedoch mit einem satten Misserfolg.

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Elsa Tesmer, die Namensgeberin von Tesa.
Elsa Tesmer, die Namensgeberin von Tesa.
(Bild: Tesa)

Das Ur-Tesa war als Wundpflaster konzipiert. Das hielt zwar super, reizte aber die Haut über Gebühr. Aus der Not machte Dr. Oscar Troplowitz eine Tugend und brachte das ehemalige Wundpflaster als das erste technische Klebeband zum Flicken von Fahrradschläuchen unter dem Namen Cito-Sportheftpflaster auf den Markt.

Der Siegeszug von Tesa begann 1934, als der Industriekaufmann Hugo Kirchberg anfing, das Klebebandgeschäft zu forcieren und die Entwicklung voranzutreiben. So entstand auch ein Jahr später der transparente Vorgänger des Tesafilms. Damals fehlte nur noch ein griffiger Produktname. Den fand man mit Tesa, zusammengesetzt aus Namensteilen der Sekretärin Elsa Tesmer. Der Erfolg stellte sich aber erst ein, als Kirchberg den Tesa-Abroller erfand, ein stetes Accessoire mit wechselndem Design, das bis heute auf fast jedem Schreibtisch zu finden ist.

Doch Tesa kann mehr, bis heute wurden mehr als 7000 Produkt- und Systemlösungen entwickelt. Dank dessen werden Elektronikgeräte immer multifunktionaler und leistungsfähiger, es beschleunigt den fliegenden Rollenwechsel im Zeitungsdruck, findet seinen Einsatz in der Automobilindustrie, optimiert die Energieeffizienz von privaten Haushalten, beugt Produktpiraterie vor und ist theoretisch auch als Speichermedium nutzbar. Darüber hinaus entwickelt und produziert das Unternehmen arzneimittelhaltige Pflasterprodukte für die Pharmaindustrie sowie extrem leistungsfähige Klebebänder für die Baubranche.

Für Endverbraucher und professionelle Handwerker

Tesa hilft beim Befestigen und Montieren, beim Renovieren, Reparieren oder Isolieren und beim Schutz vor Insekten, Staub und Zugluft. Neben dem Endverbrauchergeschäft gibt es ein maßgeschneidertes Sortiment für professionelle Handwerker.

In den Laboren in Deutschland, den USA und China arbeiten etwa 350 wissenschaftliche Mitarbeiter an neuen Ideen. Von jährlich etwa 100 Neuentwicklungen wird eine Vielzahl zum Patent angemeldet.

So entwickelten diese Fachleute vor vier Jahren eine neue Generation an Klebebändern: ACX-plus. Diese basieren auf einem patentierten Verfahren zur lösemittelfreien Beschichtung doppelseitiger Acrylat-Klebebänder. Aufgrund der sehr hohen Klebkraft, des Ausgleichs von Spannungen sowie einer hohen Temperatur- und Witterungsbeständigkeit ist es bestens geeignet für Anwendungen in der Automobilindustrie. Bei einem wissenschaftlich begleiteten Zyklontest und einer Erdbebensimulation hielten die Klebebänder in einem aus Glas und Aluminium bestehenden Fassadensystem heftigen Erschütterungen stand, die in der Spitze wesentlich höher lagen als beim letzten verheerenden Erdbeben von 2010.

Das Unternehmen betreibt vorbeugenden Umweltschutz aus eigener Initiative und Verantwortung. Bereits heute wird ein Großteil der Produkte umweltschonend auf Wasserbasis hergestellt. Wo die lösemittelfreie Produktion aus technischen Gründen noch nicht möglich ist, kommen moderne Rückgewinnungsanlagen zum Einsatz. Den Ausstoß der CO2-Emissionen konnte zum Beispiel das Werk Offenburg mit der Inbetriebnahme einer KWKK-Anlage (Kraft-Wärme-Kälte-Kopplung) zur umweltfreundlichen Strom­erzeugung jährlich um etwa 3600 t reduzieren. 2015 wurde mit der Installation einer ähnlichen Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung im Werk Hamburg-Hausbruch begonnen. Außer der Minimierung der CO2-Menge ist die Reduzierung des Energieverbrauches ein Schwerpunkt des Umwelt-Management- Programms. So sind alle Produktionsstandorte nicht nur nach dem Umweltstandard ISO 14001 zertifiziert, sondern erhielten auch die Zertifizierung nach ISO 50001 für ihr Energiemanagement.

Schutz und Förderung von Kindern und Jugendlichen im Fokus

Für Tesa arbeiten rund 4100 Mitarbeiter (Stand: Februar 2016) weltweit, davon etwa 2250 in Deutschland. Die Einbindung und Qualifikation der Mitarbeiter treibt das Unternehmen ebenso voran wie umfangreiche Maßnahmen für Sicherheit und Arbeitsschutz. Dafür wurde Tesa mehrfach ausgezeichnet.

Auch im Bereich Gesellschaft ist das Unternehmen aktiv und verfolgt weltweit eine einheitliche Strategie. Dabei stehen der Schutz und die Förderung von Kindern und Jugendlichen im Mittelpunkt. In diesem Rahmen sind alle Gesellschaften der Tesa-Gruppe aufgerufen, regionale Projekte zu initiieren beziehungsweise sich zu beteiligen – wenn möglich, in Kombination mit ehrenamtlichem Engagement der Mitarbeiter.

Die Konzernzentrale hat seit September 2015 ihren Sitz in Norderstedt bei Hamburg. Das mit 160 Mio. Euro größte Investitionsprojekt in der Tesa-Historie vereinigt Headquarter, Forschungs- und Technologiezentrum und mehr als 1000 Mitarbeiter unter einem Dach. Dazu kommen 52 Tochtergesellschaften an acht Produktionsstandorten; eine effiziente Logistikstruktur und ein leistungsstarkes Servicenetzwerk sorgen für die globale Präsenz in mehr als 100 Ländern.

Und die Prognosen namhafter Institute bestätigen es: Kleben ist eine wichtige Fügetechnik des 21. Jahrhunderts, denn die Werkstoffeigenschaften bleiben erhalten und verschiedene Werkstoffe können so kombiniert werden, die auf andere Art nicht zu fügen sind.

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