Ressourceneffizienz

Beim Verbrauch von Energie und Ressourcen gilt: weniger ist mehr

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Die Edelstahlwerke sparen dadurch 64% der Primärenergie ein, haben Standzeiten und Produktivität deutlich erhöht, die optimierte Wärmeführung sorgt zugleich für Qualitätsverbesserung im Guss. „Mittlerweile haben sich 30 andere Gießereien die neue Technik von uns abgeguckt“, sagt Markus Pöschl, Leiter des Schmelzbetriebs.

Invest hat sich innerhalb von zwei Jahren amortisiert

Auch die Tital GmbH in Bestwig ist ein solches Vorzeigebeispiel. Lange Zeit konnte das Unternehmen Titanteile nur bis zu einer Größe von 600 mm gießen. Großteile wie die Triebwerksaufhängung für den A 380 mussten aufwendig gefräst werden. Seit 2009 fertigt der Betrieb in einem mit der Firma ALD entwickelten Schwerkraftgussofen durch Feinguss auch große Teile bis 1500 mm Durchmesser.

Die Firma spart dabei 80% an Titan und Energie ein. Der Invest von 2,9 Mio. Euro – 850.000 Euro davon aus dem BMU – hat sich innerhalb von zwei Jahren amortisiert. „Da in der Luftfahrt immer mehr Titan eingesetzt wird, haben wir mit der neuen Technik ein Ass im Ärmel,“ so der kaufmännische Leiter Carsten Hellwig.

Wissenschaftler tüfteln ebenfalls an Ressourceneffizienz

Manch gute Idee kommt auch aus der Wissenschaft. Ein Beispiel dafür ist Berufluid, ein gemeinsam vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung, der TU Braunschweig und der Carl Bechem GmbH entwickelter Schmierstoff. Berufluid basiert auf Wasser, das durch Zusatz von Biopolymeren viskos wird. Es schmiert dadurch wie Öl und kühlt wie Wasser, mindert den Werkzeugverschleiß und verlängert die Standzeiten. Ende November erhielten die Entwickler dafür den Deutschen Rohstoffeffizienz-Preis des Bundeswirtschaftsministers.

Ausgezeichnet wurde auch das Ifutec-Ingenieurbüro für Umformtechnik GmbH mit Sitz in Karlsbad. Gemeinsam mit der Hochschule Osnabrück entwickelte es ein Verfahren für die Achsenherstellung für Motorräder, das jährlich 130.000 kg Rohmaterial einspart. Statt ein dickwandiges Rohr zu zerspanen, wird die Achswelle in einem partiellen Warm-umformverfahren aus einem dünnwandigen Rohr hergestellt. Das Bauteil wird mit spezieller Werkzeugtechnik im Mittelbereich gestaucht und erhält so einen spanlos und faltenfrei ausgeformten Mittenbund.

Auf Kooperation zwischen Betrieben und Forschung setzt auch der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Gemeinsam mit dem Bundesforschungsministerium hat der VDMA die „Effizienzfabrik“ ins Leben gerufen. Bis 2013 sollen über 200 Institutionen aus Industrie und Wissenschaft in rund 30 Verbundprojekten innovative Technologien und Methoden entwickeln. Das reicht von Prozessen für den Aluminiumdruckguß über Motorspindeln für Werkzeugmaschinen bis hin zur Fertigungstechnik zur Oberflächenveredelung.

Anstrengungen für effizientes Wirtschaften belegen

Um Energie- und Ressourceneffizienz kommen Betriebe über kurz oder lang nicht herum. Denn nicht nur die hohen Energie- und Materialpreise, sondern auch die Politik macht Druck. Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht vor, Vergünstigungen bei Energie- und Stromsteuer nur noch zu gewähren, wenn Betriebe eine Gegenleistung bringen, also Energie einsparen. „Wer solche Leistungen in Anspruch nimmt, sollte seine Bemühungen um effizientes Wirtschaften auch nachweisen“, wünscht sich NRW-Umweltminister Johannes Remmel. Insider gehen daher davon aus, dass es früher oder später eine Art Energiepass für Betriebe geben könnte.

Unternehmen hören das nicht gern. „Wir tun mehr für effizientes Wirtschaften, als bekannt ist“, konstatiert Colberg von Mercedes-Benz. Auch für KMU wären gesetzliche Vorgaben wenig förderlich, glaubt Lodde. Für ausreichend Druck sorgen seiner Meinung nach die weiter steigenden Kosten für Energie und Rohstoffe. Und die Sorge, vom Wettbewerb abgehängt zu werden. „Unternehmen, die heute nichts für ihre Effizienzsteigerung tun,“ so Colberg, „werden morgen von der Konkurrenz überholt.“

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