Google+ Facebook Twitter XING LinkedIn GoogleCurrents YouTube

DMG Mori

Beste Zeit, um in die Additive Fertigung einzusteigen

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Pulverdüse und Fräskopf der Lasertec 65 3D hybrid können jederzeit eingewechselt werden, sodass sich bei komplexen Geometrien Stellen fräsen lassen, die am fertigen Bauteil später nicht mehr zu erreichen wären.
Bildergalerie: 8 Bilder
Pulverdüse und Fräskopf der Lasertec 65 3D hybrid können jederzeit eingewechselt werden, sodass sich bei komplexen Geometrien Stellen fräsen lassen, die am fertigen Bauteil später nicht mehr zu erreichen wären. (Bild: DMG Mori)

Firma zum Thema

Ihr enormes Potenzial hat die Additive Fertigung in jüngerer Vergangenheit längst unter Beweis gestellt. Die jährlichen Wachstumsraten auf dem heutzutage noch kleinen Markt liegen bisher bei über 30 %, im Bereich metallischer Bauteile teilweise sogar deutlich höher. Laut jüngsten Prognosen wird die Additive Fertigung bis 2020 um 20 bis 50 % zulegen.

Den vielversprechenden Prognosen, dass der Markt der Additiven Fertigung um den Faktor 2 bis 4 wachsen wird, ist es geschuldet, dass DMG Mori als Technologieführer diese Entwicklung konsequent mitgestaltet. Bereits seit vier Jahren ist der Hersteller von Werkzeugmaschinen im Additive Manufacturing mit dem Laserauftragschweißen mittels Pulverdüse erfolgreich am Markt. Durch eine Mehrheitsbeteiligung an der Realizer GmbH aus Borchen konnte der Japaner sein Portfolio kürzlich um das Pulverbettverfahren erweitern. Im Interview spricht Patrick Diederich, bei DMG Mori verantwortlich für den Bereich Advanced Technologies, darüber, wie sich DMG Mori nun als Komplettanbieter in der Additiven Fertigung von Metallbauteilen präsentiert.

Herr Diederich, die Additive Fertigung ist eine junge Technologie mit großem Potenzial. Wie erklären Sie sich das?

Zukunftsorientierte Branchen mit hohem Wettbewerbsdruck sind ständig auf der Suche nach innovativen und wirtschaftlichen Produktionsmöglichkeiten. Damit gelten sie oftmals auch als Treiber neuer Technologien. Das gilt auch für die Additive Fertigung. Es überrascht nicht, dass sie nach und nach im Aerospace-Sektor und in der Medizintechnik Einzug findet. Vor allem die USA, Europa, Korea und Japan haben sich hier als Kernmärkte etabliert. Flugzeughersteller sehen großes Potenzial in der Gewichtsreduzierung von Bauteilen. In der medizintechnischen Produktion und in Dentallaboren ist die Additive Fertigung bereits verbreitet, weil sie für viele unterschiedliche Anwendungen wirtschaftliche Lösungen auch bei Losgröße 1 bietet.

DMG Mori ist in diesen Industriezweigen vor allem als Anbieter spanender Fertigungslösungen etabliert …

Das stimmt, als langjähriger Lieferant solcher und anderer innovationsgetriebener Branchen blicken wir natürlich ständig nach vorn. Deshalb treibt DMG Mori auch die Additive Fertigung aktiv voran.

… einerseits mit den von Ihnen entwickelten Lasertec-3D-Maschinen, andererseits durch den Zukauf der Realizer GmbH. Was war der Grund für den Zusammenschluss?

Mit der Lasertec-3D-Baureihe kombinieren wir seit vier Jahren erfolgreich das Laserauftragschweißen mittels Pulverdüse und das 5-Achs-Fräsen in einer Aufspannung. Die Lasertec SLM Technologie steht für das selektive Laserschmelzen im Pulverbett. Beide Technologien bieten wir nun unter einem Dach an und sie ergänzen sich hervorragend in unserem Sortiment. Insbesondere das Pulverbettverfahren hat in der Additiven Fertigung von Metallbauteilen einen Marktanteil von 80 %.

Sie sprechen also mit den beiden Technologien unterschiedliche Zielgruppen an?

Die Applikationen unterscheiden sich. Die 5-achsige Lasertec 65 3D hybrid und die Lasertec 4300 3D hybrid für die 6-achsige Dreh-Fräs-Bearbeitung sind auf die Herstellung vergleichsweise großer Bauteile wie komplexer Turbinenkomponenten ausgelegt. Arbeitsräume von ø 500 mm × 400 mm bei der Lasertec 65 3D hybrid und ø 660 mm × 1300 mm im Fall der Lasertec 4300 3D hybrid sprechen ebenso für sich wie Werkstückgewichte von bis zu 600 kg beziehungsweise 900 kg. Die eigentliche Revolution des Maschinenkonzepts der Lasertec-3D-hybrid-Baureihe liegt dabei in den vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Laserauftragschweißen und Fräsen beziehungsweise Dreh-Fräsen in einer Aufspannung bedeutet zunächst einmal, dass Werkstücke bis zur Fertigteilqualität hergestellt werden können. Dabei können Pulverdüse und Fräskopf jederzeit gewechselt werden. Gerade bei komplexen Geometrien lassen sich so Bereiche bearbeiten, die am fertigen Bauteil später nicht mehr zu erreichen sind. Vor allem in den Branchen Aerospace, Energietechnik sowie Werkzeug- und Formenbau sind solche Applikationen gefragt. Hinzu kommt die Option, innovative Bauteile aus zwei oder mehreren Materialien zu fertigen.

Wo haben die Maschinen Lasertec SLM ihre Stärken?

Im Pulverbettverfahren mittels selektiven Laserschmelzens lassen sich kleine, sehr filigrane Bauteile mit hohem Komplexitätsgrad fertigen. Die Lasertec 30 SLM ermöglicht die flexible Verwendung unterschiedlicher Materialien in einer Maschine, weil ein intelligentes Pulvermodulkonzept den Werkstoffwechsel in unter zwei Stunden ermöglicht.

Aber die Qualität der Teile entspricht meist nicht den hohen Genauigkeitsanforderungen …

Hier kommen uns unsere Stärken in der spanenden Fertigung zugute. Für die Nachbearbeitung der Werkstücke aus dem Pulverbett greift DMG Mori auf seine hauseigenen Fräsmaschinen zurück. Das zentrale Thema ist eine sinnvolle Verkettung der unterschiedlichen Technologien – sowohl bei der Hardware als auch bei der Software. Unsere Entwicklungskooperation mit Siemens NX für eine durchgängige CAD/CAM-Lösung wird deshalb natürlich auch auf das Pulverbettverfahren ausgeweitet. Ganzheitliche Prozesse sind das übergreifende Ziel.

Diese sind auch in der Industrie 4.0 allgegenwärtig. Welchen Stellenwert hat das Thema für Sie?

Es ist auch für DMG Mori sehr bedeutend. Unser „Path of Digitization“ treibt die Digitalisierung mit intelligenten Softwarelösungen voran. Dazu gehört auch die intuitive Bedienoberfläche Celos. Auf den Lasertec-3D-hybrid-Maschinen ist sie bereits im Einsatz und auch die von Realizer speziell für das Pulverbett maßgeschneiderte Industrielösung RDesigner wird in Zukunft in eine Celos-Oberfläche integriert. Die Erfassung und das Management von Daten sowie der Einsatz bedienerfreundlicher Apps bieten die Chance, die Arbeitsvorbereitung und Produktionsabläufe zu unterstützen. Damit hat die Digitalisierung großen Einfluss auf die optimale Ausnutzung von Kapazitäten und auf die Flexibilität einer Produktion. Sie ermöglicht in der industriellen Serienfertigung einen Wandel zur individuellen Massenfertigung. Auch Ersatzteile müssen beispielsweise nicht mehr weltweit vorrätig gehalten werden. Sie können dann praktisch „on demand“ gedruckt werden. Digitalisierung und Additive Fertigung gehen hier Hand in Hand und werden noch große Potenziale erschließen.

Wie werten Sie Ihre Chancen in der Additiven Fertigung?

Als Vorreiter für spanende Werkzeugmaschinen in Verbindung mit unserer langjährigen Erfahrung mit Laserapplikationen sind wir zusammen mit dem Know-how von Realizer bestens aufgestellt, um eine führende Rolle in der Additiven Fertigung von Metallbauteilen einzunehmen. Darüber hinaus ist DMG Mori im Bereich Service, Applikation und Vertrieb weltweit für seine Kunden präsent. Diese fachliche Kompetenz konzentriert DMG Mori künftig in den DMG Mori Additive Manufacturing Excellence Centern in Bielefeld, Pfronten, Tokio, Shanghai und Chicago. Die dort zuständigen Experten werden schon frühzeitig in die Entwicklung der Produkte unserer Kunden eingebunden, wodurch wir gemeinsam Wissen erlangen, das wir in die Konstruktion der Maschinen und Komponenten einfließen lassen. Noch in diesem Jahr werden wir eine Lasertec 65 3D für das reine Laserauftragschweißen auf den Markt bringen. Für 2018 ist zudem die größere Lasertec 125 3D hybrid geplant. Im Pulverbettverfahren geht der Trend zu einer höheren Produktivität, die wir sowohl durch ein größeres Bauvolumen erreichen als auch mit der weiteren Verkettung und Automatisierung der Prozesse – also mit der Reduzierung von Nebenzeiten.

Die Additive Fertigung wird auch die Entwicklung von Bauteilen verändern. Ist das schon in den Köpfen der Konstrukteure angekommen?

Leider noch nicht überall, aber die Konstrukteure werden künftig das ganze Potenzial der Additiven Fertigung verstärkt erkennen und die Technologie in ihre Arbeit integrieren. Schließlich können sie auf diese Weise Werkstücke realisieren, die mit konventionellen Produktionsverfahren nicht herzustellen wären. Deshalb sehen wir die Additive Fertigung als revolutionäre und sinnvolle Ergänzung zu herkömmlichen Herstellungsmethoden. Mit der Lasertec 30 SLM in Bielefeld und der Lasertec 65 3D hybrid in Pfronten verfügt die DMG Mori Academy auch über mehrere Maschinen, mit denen sie Kunden hoch qualifizierte Schulungen zum Thema Additive Manufacturing anbietet. MM

Das Interview führte Ralph Schiffler, freier Journalist aus Köln.

693,9 Mio € belegen den erfolgreichen Strategiewechsel von DMG Mori

Werkzeugmaschinen

693,9 Mio € belegen den erfolgreichen Strategiewechsel von DMG Mori

27.04.17 - Mit einem gestiegenen Auftragseingang von 17 % auf 693,9 Mio € fährt DMG Mori den höchsten Quartalswert der Unternehmensgeschichte ein. Das heißt im Klartext: die Maßnahmen zur Neuausrichtung lassen sich durchaus als erfolgreich werten. lesen

DMG Mori beschleunigt mit neuem Startup den digitalen Innovationsprozess

Open House Pfronten 2017

DMG Mori beschleunigt mit neuem Startup den digitalen Innovationsprozess

15.02.17 - Auf einer Ausstellungsfläche von über 8500 m² zeigt der Werkzeugmaschinenhersteller DMG Mori bei Deckel Maho in Pfronten mehr als 80 Hightech-Maschinen live unter Span, darunter drei Weltpremieren – die Lasertec 75 Shape, die DMU 50 3rd Generation und die CLX 350. lesen

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44755587 / Zerspanung)

Themen-Newsletter Produktion abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.

Dossier Maschinensicherheit 2019

Funktionale Sicherheit in allen Facetten

Ohne geht's nicht: Maschinensicherheit steht bei Konstrukteuren und Entwicklern ganz oben auf der Prioritätenliste – Hier die spannendsten Artikel der letzten Monate rund Funktionale Sicherheit in einem Dossier zusammengefasst. lesen

Sonderausgabe elektrotechnik AUTOMATISIERUNG

Konstruktion & Roboterintegration in die Industriefertigung

Der Roboter als Komponente und Joker: Tipps, Tricks und Praxis-Insights für Konstruktion, Automation und Integration lesen