Elektrische Ausrüstung

Betrieb älterer Schaltanlagen birgt steigendes Gefahrenpotenzial

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Bereits zwei Wochen nach dem Schadensfall wurde seitens des Kunden der Auftrag an das Unternehmen Enertek aus Brüsewitz erteilt, innerhalb von acht Wochen die neuen Schaltfelder zu liefern und zu errichten. Sechs Wochen später wurden die ersten Schaltfelder geliefert und am 7. November folgten die letzten der 84 Felder. So konnte die komplette Mittelspannungsanlage (Bild 2) bereits Mitte November in Betrieb genommen werden.

Neue Schaltanlage entspricht den aktuellen Vorgaben

Für das Stahlwerk hat bei der Auftragsvergabe die Fachkompetenz des Schaltanlagen-Unternehmens ein wichtige Rolle gespielt. In diesem sehr begrenzten Lieferzeitraum kamen weitere Vorteile zum Tragen: die Fachkenntnis in der Blechbearbeitung, Erfahrung im Schaltanlagenbau und die Leistungsstärke in Zusammenarbeit mit modernen Betriebsmitteln als Baukastensystem für den Schaltanlagen-Aufbau.

Das Unternehmen KWM Weisshaar – ein Blechbearbeitungsbetrieb mit 500 Mitarbeitern und der Herstellerlizenz für das Mittelspannungs-Schaltanlagensystem Malu – hat mit seinem Fachpersonal die 84 Schaltfelder vorgefertigt und an Enertek geliefert. Dort wurden gleichzeitig der elektrische Ausbau des Schienensystems, die Sekundärverdrahtung und der Netzschutz vorgenommen, sodass die Schaltfelder anschlussfertig zum Kunden geliefert werden konnten.

Schaltanlage entspricht Norm VDE 0671 Teil 200 und Störlichtbogenqualifikation gemäß IAC

Für den Kunden war bei der Wahl des Schaltanlagentyps unter anderem auch die Erfüllung der neuen Norm VDE 0671 Teil 200 [3] und die Störlichtbogenqualifikation gemäß IAC (Internal Arc Classification) eine wichtige Voraussetzung [4]. Dabei fiel die Wahl auf die Mittelspannungs-Schaltanlage des Typs Malu 12 (31,5/80 kA) – eine Entwicklung von Minis + Systeme. Im Vergleich zur alten Anlage CSIM aus den 70er-Jahren wurde jetzt rund ein Drittel der Stellfläche eingespart.

Inzwischen läuft der Produktionsprozess im Stahlwerk wieder auf Hochtouren. Vielleicht hätte man durch gezielte Voruntersuchungen den Schadensfall schon früher erkennen können. In den angeführten Fachseminaren wird der Erfahrungsschatz aus verschiedenen Schadensfällen aufgearbeitet und analysiert. Zusätzlich werden die neuen Bestimmungen im Vergleich zu den Vorläufern dargestellt.

Rauchmelder und Infrarot-Thermografie helfen beim finden überlasteter Schaltanlagen

Wichtig sind auch die Analyse der Gefahrenherde und das Gefahrenpotenzial anhand von Beispielen. Besondere vorbeugende Aufmerksamkeit sollte der Rauchentwicklung und überhitzten Anschlüssen (Bild 3) gewidmet werden, wobei Rauchmelder und Infrarot-Thermografie eine hilfreiche Unterstützung sein können. Zahlreiche Beispiele aus der Schadenspraxis geben Hinweise für vorbeugende Maßnahmen, damit einem Stahlwerk und anderen Betrieben solche Verluste erspart bleiben.

Ein sicherer Betrieb ist heute und zukünftig nur noch gewährleistet, wenn potenzielle Gefahren durch genaue Beachtung der vorgegebenen Vorschriften und Bestimmungen aufgedeckt sowie eine gründliche Überprüfung der Anlagen in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

Zu beachten ist ferner auch die neue Betriebssicherheitsverordnung, die seit dem Jahr 2007 umzusetzen ist. Diese gilt für den Einsatz von Betriebsmitteln in allen Bereichen, in denen Menschen arbeiten – also für alle Betriebe, Unternehmen, den öffentlichen Dienst, Verwaltungen, Schulen, Kliniken. Nur Anlagen und Betriebsmittel, die fachgerecht instand gehalten, also auch gewartet und wiederkehrend geprüft werden, bieten die notwendige Betriebssicherheit und damit einen hohen Personen-, Sach- und Brandschutz.

Literatur:

[1] Das ansteigende Gefahrenpotenzial beim Betrieb älterer NS-Schaltanlagen und Verteiler-Systeme, 3. März 2010. Technische Akademie Esslingen.

[2] Notwendige Qualifizierung der Fachkräfte für Mittelspannungs-Schaltanlagen und -Stationen, 21. April 2010. Technische Akademie Esslingen.

[3] IEC 62271-200 (VDE 0671-200) Hochspannungs-Schaltgeräte und Schaltanlagen von 1 bis 52 kV.

[4] Voß, G.: Mittelspannungs-Schaltanlagen. Stand der Technik aktualisiert. Netzpraxis 9/2008, Seite 52-57.

Dipl.-Ing. Gerhard Voß ist Geschäftsführer des Ingenieurbüros IGV Elektrotechnik in 68526 Ladenburg.

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