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Rahmenprogramm Brand- und Explosionsschutz als Publikumsmagnet

| Autor/ Redakteur: Jan Nickel, Alexander Broos / Andrea Gillhuber

Ein Renner auf der Metav 2018 war der VDW-Technologietag mit dem Seminar „Brand- und Explosionsschutz in zerspanenden Werkzeugmaschinen“. Dort wurde die sichere Gestaltung von Maschinen ebenso thematisiert wie der Schutz gefährderter Menschen.

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Der VDW-Technologietag mit dem Seminar „Brand- und Explosionsschutz in zerspanenden Werkzeugmaschinen“ im Rahmen der Metav 2018 war ein Erfolg.
Der VDW-Technologietag mit dem Seminar „Brand- und Explosionsschutz in zerspanenden Werkzeugmaschinen“ im Rahmen der Metav 2018 war ein Erfolg.
(Bild: Messe Düsseldorf / ctillmann)

Ein Publikumsmagnet der Metav 2018 war der VDW-Technologietag mit dem Seminar Brand- und Explosionsschutz in zerspanenden Werkzeugmaschinen. Insgesamt etwa 70 Teilnehmer besuchten das Seminar, bei dem in acht Vorträgen aktuelle Entwicklungen zu dieser wichtigen Thematik vorgestellt und diskutiert wurden.

Das Programm umfasste Vorträge zu einem breiten Spektrum an Themen aus den Bereichen Einschätzung der Gefahren und Auswirkungen von Bränden, Möglichkeiten der Minimierung der Brand- und Explosionsgefahr sowie technische Maßnahmen zur Bekämpfung von Bränden. Die Moderation der Veranstaltung lag in den Händen des Leiters Forschung und Technik des VDW, Dr. Alexander Broos. „Die Gefahr von Bränden und Verpuffungen an Werkzeugmaschinen ist ernstzunehmen. Glücklicherweise sind die Vorkommnisse aber eher selten,“ führte Broos zur Einführung aus. Neue technologische Entwicklungen in der Zerspanung brennbarer Werkstoffe oder bei Verwendung brennbarer Kühlschmierstoffe führten in der Vergangenheit wie auch künftig immer wieder punktuell zu neuen Herausforderungen. Diesen müsse mit einer entsprechenden Anpassung und Weiterentwicklung von Brandschutzmaßnahmen begegnet werden.

Sichere Gestaltung der Maschinen in der Fertigung

Mit einem Überblick zum Brand- und Explosionsschutz an Werkzeugmaschinen für die spanende Bearbeitung eröffnete Torsten Bell, Referent des VDW den Reigen der fachlichen Vorträge. Er fasste zunächst die wissenschaftlichen Untersuchungen zum Brand- und Explosionsschutz zusammen, die über viele Jahre von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall, dem VDW sowie einigen engagierten Unternehmen durchgeführt wurden. Daraus entstandene Normen und Richtlinien sowie Vorschriften und Informationen, mit denen die Berufsgenossenschaften Hilfestellung bei der sicheren Gestaltung der Maschinen in der Fertigung leisten. Als Entwicklungen, aus denen sich neue Herausforderungen im Brand- und Explosionsschutz ergeben, wurden technologische Neuerungen, alternative Löschansätze und neue Bearbeitungsaufgaben genannt, welche jeweils durch Beispiele für die Teilnehmer verdeutlicht wurden.

Metav 2018 - Tag 1

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Nahtlos daran anknüpfen konnte Harald Sefrin von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) in Mainz. Als Vorsitzender der internationalen Normungsgruppe, die die jüngste Überarbeitung der EN ISO 19353 „Sicherheit von Maschinen – Brandschutz“, in der auch Werkzeugmaschinen eine wichtige Rolle spielen, und als zuständiger Experte der BGHM kennt Sefrin die Gefährdungen im betrieblichen Alltag wie kein zweiter. Da Brandereignisse jedoch immer singulär und spezifisch sind und sich systematische Untersuchungen höchst aufwändig gestalten, hat die BGHM seit einiger Zeit einen speziellen Versuchsstand in Betrieb genommen. „Damit ist es uns möglich, realitätsnahe Versuche durchzuführen,“ freute sich Sefrin. So können beispielsweise Türlabyrinthe, Flammensperren oder Absaugeinrichtungen flexibel variiert und kombiniert werden. In seinem Vortrag zeigte Sefrin auch einige beeindruckende Bilder und Videos durchgeführter Versuche in.

Insgesamt zeigte der Technologietag eine Vielzahl an Perspektiven zu diesem brisanten Thema auf. Von Kühlschmiermitteln über Brandschutzanlagen, Löschsysteme und Flammensperren, bis hin zu den Gefahren durch Schleifstäube von Aluminium spannte sich der Bogen. Bei letzteren bilden beispielsweise Ablagerungen die Gefahr. „Schon eine Ablagerung von 1 mm Dicke kann ausreichen, wenn sie aufgewirbelt wird, um eine zündfähige Atmosphäre herzustellen.“ So mahnte der Schleiftechnikexperte der Berufsgenossenschaft Holz und Metall Hannover, Christian Adler, zur besonders gründlichen Reinigung, wobei aber Abblasen oder Aufkehren zu vermeiden seien.

Schutz gefährdeter Personen steht im Vordergrund

Ein wichtiger Kernpunkt ließ sich allerdings als roter Faden durch sämtliche Vorträge verfolgen: Beim Brand- und Explosionsschutz – wobei „Explosionen“ im Kontext der Werkzeugmaschine in der Regel Verpuffungen sind – steht primär der Schutz gefährdeter Personen im Vordergrund. Sachschutz an Maschinen oder Immobilien ist zwar wichtig, aber nachrangig. Entsprechend müssen Brandschutzsysteme dem Maschinenbediener oder umstehenden Personen immer genügend Zeit verschaffen, um sich in Sicherheit zu bringen. Eine wichtige Rolle dabei spielt konstruktiver Brandschutz, der den Bediener vor Gefährdungen zum Zeitpunkt des Brandausbruchs, meist der Zündung der Verpuffung, schützt. Denn ein Feuer ist ein physikalisch nicht bestimmbares Ereignis und somit nicht bemessbar. Es lässt sich also weder vorhersagen und noch in der Entstehung punktgenau detektieren. So ist beispielsweise der normale Funkenflug von Spänen bei der Bearbeitung nicht fehlerfrei von einem beginnenden Brandereignis zu unterscheiden. „Auch die beste Technik kann die erste Stichflamme nicht verhindern und erst nach ein bis zwei Sekunden eingreifen und die Brandlöschung auslösen“, brachte es Frank Foddi vom Löschanlagenhersteller Kraft und Bauer in seinem Vortrag auf den Punkt.

* Jan Nickel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Spanende Fertigung der TU Dortmund, Dr. Alexander Broos ist Leiter der Abteilung Forschung und Technik im VDW

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