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Corona-Krise Bruttoinlandsprodukt bricht um 2,2 % ein – wie es für die Industrie weitergeht

| Autor: Sebastian Hofmann

Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im ersten Quartal 2020 so stark zurückgegangen wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Warum die Situation sich noch verschärfen wird und was Betriebe tun sollten.

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Die Corona-Pandemie trifft vor allem die Automobilindustrie und den Maschinenbau.
Die Corona-Pandemie trifft vor allem die Automobilindustrie und den Maschinenbau.
(Bild: ©denisismagilov - stock.adobe.com)

Es ist der zweitstärkste wirtschaftliche Einschnitt seit der Wiedervereinigung: Wie das Statistische Bundesamt am Freitagvormittag mitteilte,ging das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2020 um 2,2 % zurück. Besonders treffen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie die Automobilindustrie. Dort sank die Produktion im März gegenüber Februar um fast ein Drittel (-31,1 %). Die Pkw-Herstellung ging um mehr als ein Viertel zurück. Auch der Maschinenbau und die Elektroindustrie litten unter der schwierigen wirtschaftlichen Situation: Die Produktionsleistung im produzierenden Gewerbe fiel im März um 11,6 %.

Weiterhin negative Wirtschaftsentwicklung erwartet

Eine Entspannung der Lage ist allerdings noch nicht in Sicht, das zeigen die Konjunkturprognosen des Ifo-Instituts. Die Experten schätzen, dass sich die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal noch einmal um mehr als 12 % verschlechtert. Dafür, dass diese Prognosen tatsächlich eintreffen, sieht man im Statistischen Bundesamt jetzt schon Anhaltspunkte.

„Zum einen konnten wir im April bereits einen Einbruch bei den Auftragseingängen verzeichnen, zum anderen gibt es einen starken Rückgang des Lkw-Maut-Fahrleistungsindex“, erklärt Albert Braakmann, Abteilungsleiter „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“. Der Lkw-Maut-Fahrleistungsindex zeichnet nach, wie sich die Fahrleistung von Lkw auf deutschen Bundesbahnen entwickelt. Damit lässt er sich als Indikator für die künftige Industrieproduktion nutzen.

Es komme nun wesentlich darauf an, welche Lockerungsmaßnahmen die Bundesregierung beschließe, in welchem Umfang sie von Unternehmen umgesetzt würden und ob es zusätzliche Förderungen von der Politik gebe.

Wie die Krise Unternehmen trifft – und was sie tun können

Vor einer weiteren Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage warnen auch Institute und Berater. „Die deutsche Industrie kämpft zurzeit an verschiedenen Fronten“, unterstreicht Matthias Loebich, globaler Leiter Markets und Networks beim Managementberater Bearingpoint. „Auf der einen Seite müssen die Unternehmen ihre Liquidität sichern. Auf der anderen Seite führen die Abhängigkeiten von Zulieferern sowie Einschränkungen im Warenverkehr zu Anlaufschwierigkeiten und einer verminderten Wirtschaftsleistung.“ Unternehmen, die sich in den letzten Jahren Zukunftsthemen wie Automatisierung, Robotics oder Digital Twin gewidmet hätten, seien nun in der Krise besser aufgestellt.

Loebich rät Industrieentscheidern dazu,

  • Kurzarbeit zu beantragen,
  • sich über staatliche Hilfsmaßnahmen zu informieren und sie zu beantragen sowie
  • die Liquidität zu sichern.

Nähere Informationen dazu gibt es in den folgenden Beiträgen:

Optimistischere Aussichten für 2021

Das Ifo-Institut schätzt, dass die Wirtschaft zurück zum Zustand vor Corona erst wieder Ende nächsten Jahres kommt. „Dann werden wieder so viele Waren und Dienstleistungen produziert wie in einer Situation ohne Coronakrise“, sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der Ifo-Konjunkturprognosen. „Das Bruttoinlandsprodukt muss dafür 2021 um 8,5 % zunehmen.“

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Über den Autor

 Sebastian Hofmann

Sebastian Hofmann

Journalist, Vogel Communications Group