China Market Insider China beschleunigt 5G-Rollout für die Fertigungsindustrie

Autor / Redakteur: Henrik Bork / Melanie Krauß

Mit einem massiven Ausbau seines 5G-Netzwerkes will China seine Fertigungsindustrie weltweit führend machen. Schon jetzt sind in der Volksrepublik mehr 5G-Basisstationen aufgebaut als irgendwo sonst auf der Erde.

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(Bild: ©Eisenhans - stock.adobe.com)

916.000 Stück, 70% des weltweiten Bestandes an 5G-Basisstationen stehen inzwischen in China, berichtet die Pekinger Zeitung Global Times.

Bergsteiger können seit vergangenem Jahr die Nordflanke des Mount Everest in Tibet besteigen und haben dabei bis zum Gipfel in 8.848 Meter Höhe ein ununterbrochenes 5G-Netz zur Verfügung. Chinesische Ingenieure kämpften gegen die Höhenkrankheit und hämmernden Kopfschmerzen, um ihre Geräte auf dem Rücken von Yaks und mit der Hilfe von Sherpas in Position zu bringen, berichteten chinesische Medien.

Und in der Xinyuan-Kohlegrube in der Provinz Shanxi sind seit dem Juni dieses Jahres die tiefliegendsten 5G-Basisstationen der Erde im Einsatz – 534 Meter unter der Oberfläche und mit Upload-Geschwindigkeiten von 1000 MBps. Die chinesische Regierung, die 5G in ihren Bergwerken subventioniert, hofft auf eine Verbesserung der Sicherheit in den häufig von Unfällen heimgesuchten Kohlebergwerken des Landes.

Guangzhou hat mehr 5G-Basisstationen als ganz Europa

Der größte Nutznießer des riesigen 5G-Rollouts aber, da sind sich Experten einig, werden weder Bergsteiger mit Handys, noch Kumpel unter Tage sein, sondern die fortgeschrittene Fertigungsindustrie des Landes. Besonders in den Hotspots der Fertigungsindustrie, etwa in der Südprovinz Guangdong, lässt Peking derzeit mit atemberaubender Geschwindigkeit 5G-Basisstationen aufstellen. „Die Stadt Guangzhou allein hat bereits mehr 5G-Basisstationen als ganz Europa“, berichtete die Wirtschaftsagentur Bloomberg im August.

Die moderne Kommunikations-Infrastruktur gilt als Voraussetzung für einen anderen großen Plan der Pekinger Führung: Hunderte von komplett digitalisierten und weitgehend automatisierten „Smart Factories“ befinden sich derzeit Planung. „5G ist das Passwort für den Umgang von ‚Made in China’ zu ‚Smartly Made in China’ geworden, schreibt die chinesische Wirtschaftszeitung Jingji Cankao Bao.

Vor einigen Wochen haben zehn chinesische Ministerien, darunter das mächtige Industrieministerium MIIT, die „Cyberspace Administration of China” und die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission NDRC gemeinsam die nächste Welle des 5G-Ausbaus auf den Weg gebracht. Gemeinsam veröffentlichten sie einen Stufenplan für die Jahre 2021 bis 2023, der die Installation von Basis-Stationen noch einmal deutlich beschleunigen und die Zahl der chinesischen Enduser mit 5G-Zugang auf 560 Millionen bringen will. Ein detaillierter Plan für 100 erste, mit 5G ausgerüstete Pilotfabriken existiert bereits. Landesweit sollen schon bald 1.000 hochmoderne digitalisierte Vorzeige-Fabriken entstehen. Zehn davon sollen allein in Peking stehen. .

Diese Industrien sollen profitieren

In zehn ausgewählten Industrien soll mithilfe der hohen Bandbreite und schnellen Datenübertragungs-Geschwindigkeiten von 5G die Effizienz und Profitabilität chinesischer Unternehmen gesteigert werden, darunter

  • die fortgeschrittene Fertigung,
  • die Automobilindustrie,
  • die petrochemische Industrie,
  • der Stahlbau,
  • die Haushaltselektronik,
  • das Transportwesen sowie
  • die Energiewirtschaft.

„5G wird zum magischen Beschleuniger von Smart Manufacturing,“ schreibt die Jingji Cankao Bao.

Der Umbau der gesamten Wirtschaft mit 5G-Unterstützung wird wegen der enormen Kosten auch in China viele Jahre dauern. Experten sprechen von zehn bis 15 Jahren. Doch erste Unternehmen investieren schon jetzt stark. So ist die erste Mikrowellenfabrik der Midea Group mit programmierbaren Logik-Controllern ausgerüstet worden, berichtet die Wirtschaftszeitung. Ein weiteres Pilotprojekt wird bei der Liuzhou Steel Group umgesetzt, wo Hunderte von Kränen mit Hilfe von 5G-Lösungen von einem zentralen Kontrollraum aus ferngesteuert werden – „in Echtzeit“, wie die Jingji Cankao Bao berichtet. Und im Hafen von Dongying, in der „Dongying Port Economic Development Zone“ werden 5G-Sensoren zur Kontrolle der Temperatur und des Drucks von Gefahrengütern eingesetzt, hieß es.

* Henrik Bork ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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