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Roboter

Das Leben der anderen Roboter

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Roboter können auch Kunst: Die Installation „Der Drache“ war das größte Objekt der Ausstellung „Das Leben ist ein Traum“, die in der Ausstellungsshalle von Fanuc Deutschland stattfand.
Roboter können auch Kunst: Die Installation „Der Drache“ war das größte Objekt der Ausstellung „Das Leben ist ein Traum“, die in der Ausstellungsshalle von Fanuc Deutschland stattfand. (Bild: Stiller/Fanuc)

Roboter sind nicht nur im Fertigungssektor auf Eroberungstour. Sie entdecken immer interessantere Einsatzfelder für sich – mal mehr und mal weniger ernst zu nehmen.

Man trifft sie an vielen Stellen an, wo sie vielleicht nicht vermutet wurden. Sie stehen am Plattenteller und legen gemeinsam mit szenebekannten DJs Electro auf, sie sitzen als Publikum im Fußballstadion und feuern das Heimteam an oder schleudern vergnügungsfreudige Menschen sicher, aber schnell in Freizeitparks durch die Lüfte. Anbei haben wir ein paar interessante Anwendungen zusammengestellt:

Roboter feuern Baseballmannschaft an

Wohl am skurrilsten ist eine Roboteranwendung, die in Südkorea anzutreffen ist, genauer gesagt im Baseballstadion der Hanwha Eagles. Die Eagles sind das erste Team in der Geschichte des koreanischen Baseballs, das sich zwischen 2005 und 2007 drei Jahre in Folge für die Play-offs qualifizieren konnte. Danach sollte mit den Erfolgserlebnissen erst einmal Schluss sein. Bis 2015 landete die Mannschaft des Teams sechs Jahre hintereinander auf dem letzten Platz. Eine Tatsache, die – offiziell wird das bestritten – höchstwahrscheinlich auch dazu beitrug, dass man kurzerhand drei Sitzreihen mit Robotern ausstattete.

Die Roboter-Anhänger lassen das Stadion aber nicht nur voller wirken, sondern geben Fans zudem die Möglichkeit, bei unfreiwilliger Abwesenheit, trotzdem dabei sein zu können: Das ermöglichen LED-Anzeigen, die vom Roboter hochgehalten werden, auf denen Spieler SMS zum Anfeuern ihrer Lieblingsspieler schicken können. Wenn die Roboter nicht gerade Nachrichten oder Selfies der Fans projizieren, dann leuchten ihre LEDs mit den traditionellen Anfeuerungen „Los, Eagles!“ und „Wir lieben euch, Eagles!“ auf.

Roboter hängen experimentell ab

Das Robotic Fabrication Laboratory ist ein weltweit einzigartiges Robotiklabor, in dem vier ABB-Roboter von einem deckenmontierten Güdel-Flächenportal hängen. Die Anlage wurde durch die Professur für Architektur und Digitale Fabrikation initiiert und ist projektiert als ein integraler Bestandteil des neuen Arch-Tec-Lab-Gebäudes des Instituts für Technologie in der Architektur (ITA) auf dem Hönggerberg Campus. Zusammen kommt die Installation auf 36 Systemachsen, mit deren Hilfe Objekte auf eine Genauigkeit von einem halben Millimeter an jedem beliebigen Ort im 45 m × 17 m × 6 m großen Raum platziert werden können.

Das Robotic Fabrication Laboratory ist ein weltweit einzigartiges Robotik-Labor, in dem vier ABB-Roboter von einem deckenmontierten Güdel-Flächenportal hängen. Zusammen kommt die Installation auf 36 Systemachsen, mit deren Hilfe Objekte auf eine Genauigkeit von einem halben mm an jedem beliebigen Ort im 45 m × 17 m × 6 m großen Raum platziert werden können. Die Installation bietet die einzigartige Möglichkeit, zweistöckige Objekte im Maßstab 1:1 in einem Labor herstellen zu können.
Das Robotic Fabrication Laboratory ist ein weltweit einzigartiges Robotik-Labor, in dem vier ABB-Roboter von einem deckenmontierten Güdel-Flächenportal hängen. Zusammen kommt die Installation auf 36 Systemachsen, mit deren Hilfe Objekte auf eine Genauigkeit von einem halben mm an jedem beliebigen Ort im 45 m × 17 m × 6 m großen Raum platziert werden können. Die Installation bietet die einzigartige Möglichkeit, zweistöckige Objekte im Maßstab 1:1 in einem Labor herstellen zu können. (Bild: Andrea Diglas)

Die Installation bietet die einzigartige Möglichkeit, zweistöckige Objekte im Maßstab 1:1 in einem Labor herstellen zu können, und erlaubt so, eine große Bandbreite an großmaßstäblichen architektonischen und baukonstruktiven Experimenten durchführen zu können: Zum einen lassen sich robotergestützte Fabrikationsprozesse auf der Baustelle sowie Mensch-Maschine-Kooperationsprozesse simulieren, zum anderen können hoch entwickelte, automatisierte Vorfabrikationsprozesse untersucht werden. Allgemein ermöglicht das RFL, ein breites Spektrum an digital kontrollierten Fabrikations- und Materialprozessen in unterschiedlichen Maßstäben umzusetzen. Somit kann das Forschungsspektrum im Bereich der Robotik in der Architektur und dem Bauwesen substanziell erweitert werden und darüber hinaus einen maßgeblichen Transfer zu anderen Disziplinen ermöglichen, um neue Forschungsfelder zu erschließen.

Roboter spielt Siedler von Catan

Studierende der OTH Regensburg brachten dem 6-Achs-Roboter KR Agilus von Kuka das berühmte Brettspiel Siedler von Catan bei. Und das spielt sich kurzgefasst folgendermaßen ab: Der Roboter greift nach einer orangen Straße. Auf einem Bildschirm, der das Spielfeld von Siedler von Catan zeigt, legt er sie ab. Studierende der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg) haben im Rahmen des Robotikkurses Grundlagenforschung im Bereich der Softwareentwicklung betrieben. 40 Studierende sind aktuell im Robotikkurs der OTH Regensburg. Kursleiter ist Prof. Dr. Martin Weiß, Professor an der Fakultät für Informatik und Mathematik.

Er kommt aus der Industrie und daher spielt die Praxis in seinem Unterricht eine besonders wichtige Rolle. „Ich unterrichte Kurse, in denen Roboter als praktisches Beispiel genommen werden, um zu illustrieren, was sehr theoretische Dinge aus der Mathematik und der Informatik in der echten Welt bedeuten“, beschreibt Weiß die Art seines Unterrichts. Der nächste Schritt wird die Montage einer Kamera am KR Agilus sein. Damit kann dann die nächste Generation des Robotikkurses entwickeln und tüfteln. Bis dahin setzt der Kuka-Kleinroboter noch einige Gebäude auf das Bildschirm-Spielfeld. Baut Siedlungen, optimiert Straßenzüge und versetzt den Räuber.

Yumi dirigiert Bocelli

Yumi, der kollaborative Zweiarmroboter von ABB, gab im Rahmen des ersten Internationalen Roboter-Festivals sein Debüt als Dirigent und dirigierte Startenor Andrea Bocelli und das Lucca Philharmonic Orchestra im Teatro Verdi von Pisa. In einem der schönsten Theater Italiens sang Maestro Bocelli unter der Leitung von Yumi „La Donna è Mobile“, die berühmte Arie aus Verdis „Rigoletto.“ Yumi dirigierte auch die Solistin Maria Luigia Borsi bei der klassischen Sopranarie „O mio babbino caro“ aus „Gianni Schicchi“ von Puccini. Darüber hinaus leitete Yumi eine Passage aus Mascagnis Intermezzo der Oper „Cavalleria Rusticana“ an. Dieses 15-minütige Zwischenspiel machte deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter reibungslos funktionieren kann.

Maestro Bocelli lobte die Aufführung in höchsten Tönen. „Der Auftritt mit Yumi, dem kollaborativen ABB-Roboter, war ein großes Vergnügen. Dabei wurde deutlich, dass ein Roboter wirklich ein Orchester dirigieren kann – aber nur dank der herausragenden Arbeit äußerst talentierter Ingenieure und im Zusammenspiel mit einem echten Maestro. Ich gratuliere dem Team, das für die Aufführung verantwortlich war“, sagte er im Anschluss. Die Leitung eines Orchesters gehört zu den höchsten Formen der Kunst: Dabei werden die unterschiedlichen Stimmen der Musiker in ein harmonisches Ganzes überführt, das des Komponisten würdig ist. Yumi gehört zu den höchsten Formen der Robotertechnik und eröffnet weltweit neue Perspektiven für die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Roboter. Das reibungslose Zusammenspiel zwischen Kunst und Roboter hat gezeigt, dass zwischen Mensch und Maschine eine völlig neue Interaktion möglich ist.

Zwei Sawyer spielen Memory

Normalerweise übernimmt der smarte kollaborative Roboter Sawyer von Rethink Roboticsunliebsame Aufgaben im Produktionsumfeld, um seine menschlichen Kollegen zu unterstützen. Einen Cobot Sawyer, der Memory spielt, gab es bislang nicht. Die Herausforderung bei der Memory-Applikation liegt in der nahtlosen Interaktion zweier Roboter. Die Aufgabenstellung ist Folgende: Mit seinem Vakuumgreifer nimmt der erste Roboter eine von fünf auf der Arbeitsfläche verdeckt liegenden Memory-Karten auf. Die Positionen, von denen er die Karten aufnimmt, werden ihm zuvor als Referenzpunkte beigebracht. Der zweite Roboter scannt die angesaugte Karte mithilfe seiner integrierten Kamera. Alle fünf Karten wurden ihm im Vorfeld „angelernt“ und mit jeweils unterschiedlichen Handlungsanweisungen verknüpft.

Je nach Kartenmotiv berührt Sawyer 2 den ersten Roboter an einer zuvor definierten Stelle. Dank der Force-Sensing-Funktion ist dieser in der Lage, den Ort der Berührung präzise zu lokalisieren und exakt den Befehl auszuführen, der ihm für diesen Berührungspunkt beigebracht wurde – nämlich die Karte an der zuvor für das Motiv festgelegten Position abzulegen. Die Befehlskette wird mehrere Male wiederholt, bis am Ende die abgelegten Karten aufgedeckt werden. Dann zeigt sich, ob die fünf Memory-Pärchen an der jeweils für sie vorgesehenen Position zusammengefunden haben.

Roboter bewegen Drachen

Heiß her ging es mit einem installierten Drachen, dem größten Objekt der Ausstellung „Das Leben ist ein Traum“, die in der Ausstellungsshalle von Fanuc Deutschlandstattfand. „Der Drache“ wurde von vier Fanuc-Robotern des Typs R-2000i gleichzeitig bewegt – technisch war die synchrone Bewegung der Roboter daher ein echtes Kooperationsmodell. Die Roboter arbeiten in Multiarmtechnik mit einer Steuerung, einer technischen Funktion, die sonst in der Industrie Anklang findet. Programmiert wird dabei ein Roboter als Master, die anderen folgen als Slaves. Die Multiarmtechnik hat Fanuc insbesondere für Applikationen im Bahnschweißen entwickelt. Zwei oder mehrere Roboter können dann ohne fixe Vorrichtungen an einem Bauteil arbeiten oder beim Schweißen einem Roboter die Aufgabe übertragen, das Werkstück in der jeweils optimalen Schweißlage zu halten. Neben dem Drachen waren noch mehr als 150 Werke von Diane Herzogin von Württemberg ausgestellt.

Skulpturen, Gemälde, Keramiken und Gebrauchskunst zeigten einen breiten Querschnitt aus dem Schaffen der Künstlerin, die ihre Werke mit Dx-Diane signiert. Der Erlös aus dem Verkauf ihrer Werke kommt ihrer Stiftung für benachteiligte Kinder in der Welt zugute. Bei der Entstehung ihrer Skulpturen legt sie selbst Hand an, sei es bei Gussmodellen, sei es mit dem Schweißbrenner. Auf dem Bild zu sehen ist der Drache, begleitet durch Lichteffekte und künstlichen Nebel, die eine angemessene Umgebung schufen – eine perfekte Kombination aus Kunst, Technik und Imagination. In der Ausstellung bei Fanuc gab es außerdem figürliche Darstellungen wie in Bronze gegossene Schmetterlinge und Insekten, die ebenfalls von Robotern bewegt wurden. Die Gestaltung des Fanuc Awards, der auf der Automatica verliehen wird, geht ebenfalls auf die Künstlerin Dx-Diane zurück.

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