Sinkende Nachfrage nach Ingenieuren Das sollten Fachkräfte und Unternehmen jetzt tun

Autor: Sebastian Hofmann

Immer weniger Betriebe stellen derzeit neue Maschinen- und Anlagenbau-Ingenieure ein. Ein Personalexperte hat uns erklärt, warum es vor allem eine Gruppe trifft und wie Unternehmen sich jetzt aufstellen sollten.

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Im zweiten Quartal 2020 suchten Betriebe nur noch 950 Maschinen- und Anlagenbauingenieure – 50 % weniger als noch Anfang letztes Jahr (damals 1.900).
Im zweiten Quartal 2020 suchten Betriebe nur noch 950 Maschinen- und Anlagenbauingenieure – 50 % weniger als noch Anfang letztes Jahr (damals 1.900).
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2019 war ein gutes Jahr für Angestellte im Maschinenbau – das zeigt der Fachkräfte-Index des Personaldienstleisters Hays. Damals suchten Unternehmen so viele Maschinen- und Anlagenbauingenieure wie noch nie. Aber: Wer sich die vierteljährliche Erhebung heute ansieht, dem bietet sich ein ernüchterndes Bild. Inzwischen sind fast 900 Stellen weniger ausgeschrieben als noch im ersten Quartal 2019. Es ist ein Rückgang um fast die Hälfte. Noch schlechter schaut es aus bei den Ausschreibungen für Antriebstechnik-Ingenieure. Hier sank die Zahl von Anfang letzten Jahres bis heute sogar um über 70 %.

„Kein Wunder in Zeiten von Corona“, denkt sich da jetzt mancher. Doch das ist ein Trugschluss. „Die Pandemie ist bloß ein Brandbeschleuniger“, meint Oliver Kowalski, Director Technologie & Ingenieurwesen bei Hays. Seit Jahren berät der Experte Mittelständler zu Personalfragen. „Die Auftragslage im Maschinenbau war vorher schon schwach – insbesondere durch den Brexit und den China-USA-Konflikt.“ Nun hätten vor allem Ingenieure alter Schule schlechte Karten auf dem Arbeitsmarkt. „Grund dafür ist die Digitalisierung“, fährt er fort. „Die Trennlinien zwischen Softwareentwicklung und Material-bezogenem Arbeiten verschwimmen. Viele sind davon überfordert.“

Seine Empfehlung ist deshalb: „Denjenigen, die noch in klassischen Ingenieursberufen tätig sind, rate ich, ein digitales Know-how aufzubauen.“ Konkret heißt das: Sich in der Krise weiterbilden – dazu Kurzarbeitstage nutzen. „Hilfreich sind das Erlernen einer Programmiersprache oder betriebswirtschaftliche Weiterbildungen“, sagt Kowalski. „Wichtiger wird heute zudem das Zusammenarbeiten in interdisziplinären Teams. Auch in diese Richtung sollten sich Ingenieure fortbilden.“

Wie Unternehmen von der Krise profitieren

Aber auch für Betriebe biete die Wirtschaftskrise Chancen, meint der Experte – etwa wenn es um die Rekrutierung von Spezialisten geht. „Weil die Nachfrage nach Fachkräften insgesamt zurückgeht, lichtet sich auch der Wettbewerb um Hochqualifizierte.“ Das gelte nicht nur für die großen Konzerne, sondern insbesondere auch für KMU. Diese sollten sich nun antizyklisch verhalten, rät Kowalski, und trotz der schwierigen Rahmenbedingungen einstellen. „Irgendwann erstarkt die Konjunktur wieder und dann zieht auch der Fachkräftemangel erneut an. Dem kann man jetzt schon vorbeugen.“

Eine weitere Lösung könnten flexible Arbeitsmodelle sein, sagt der Personalberater. „Gerade der Mittelstand ist bislang noch zurückhaltend was den Einsatz von frei angestellten Ingenieuren und Beratern angeht“, so Kowalski. Doch solche Beschäftigungsverhältnisse brächten einen entscheidenden Vorteil. „Geschäftsführer können diese Mitarbeiter flexibel zu Projekten hinzunehmen oder einsetzen, wenn es Engpässe gibt – allerdings ohne dass damit lange Kündigungsfristen einhergehen, wie es bei Festen der Fall wäre.“

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Journalist, Vogel Communications Group