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Gaia-X und Open Industry 4.0 Alliance Datensouveränität für alle Beteiligten

Sowohl die Open Industry 4.0 Alliance also auch die Gaia-X Foundation fordern die Datensicherheit für alle Beteiligten. Wobei die Foundation die digitale Souveränität für ganz Europa vorantreiben soll. Erste Umsetzungen werden für November 2020 erwartet.

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Mitglieder der Open Industy 4.0 Alliance auf dem Mitgliedertreffen im ersten Quartal 2020.
Mitglieder der Open Industy 4.0 Alliance auf dem Mitgliedertreffen im ersten Quartal 2020.
(Bild: Open Industry 4.0 Alliance)

Mit der Initiative von Deutschland und Frankreich zur internationalen Cloud- und Dateninfrastruktur Gaia-X soll in Brüssel eine sichere, vertrauenswürdige Dateninfrastruktur vorangetrieben und damit auch die digitale Souveränität von Europa gefördert werden. Im Juni 2020 haben nun 22 Unternehmen und Organisationen aus Frankreich und Deutschland – darunter auch die Beckhoff Automation GmbH & Co. KG aus Verl – mit der Gründung der Gaia-X Foundation einen weiteren großen Schritt hin zur europäischen digitalen Infrastruktur getan. Die Open Industry 4.0 Alliance zählt inzwischen 60 weltweit agierende Mitglieder. Die Arbeitsprinzipien und Ziele der Organisationen sind sich ähnlich.

Das Ziel von Gaia-X ist es, eine sichere, souveräne digitale Infrastruktur für Europa zu schaffen.
Das Ziel von Gaia-X ist es, eine sichere, souveräne digitale Infrastruktur für Europa zu schaffen.
(Bild: Beckhoff)

Viele Mitglieder sind in beiden Organisationen

Der Zusammenhang zwischen beiden Non-Profit-Organisationen ist informeller Art. Viele Mitglieder der Alliance arbeiten gleichzeitig in der Foundation in den entsprechenden, thematisch oder technisch orientierten sowie branchenspezifischen Workgroups mit. Bei der Open Industry 4.0 Alliance kam schon früh der Gedanke auf, dass die Cloud-Angebote der verschiedenen Maschinenbauer und Automatisierungsanbieter für sich allein die tatsächlichen Bedürfnisse eines Kunden nie ganz abdecken können. Zudem fehlen dabei einige Funktionen, die Anlagenbetreiber benötigen. All das ist von besonderer Bedeutung für die Open Industry 4.0 Alliance als eine Organisation, welche die Umsetzung einer offenen Lösung aus Sicht des Anwenders vorantreibt. Dementsprechend werden die Verbindung zu allen bestehenden Cloud-Angeboten sowie die Einbindung in einen Workflow für die Asset-Verwaltung beim Betreiber als Schlüssel zu einem herstellerübergreifenden, offenen, Anbieter-neutralen Angebot von aufeinander abgestimmten Produkten angesehen.

Gaia-X geht über industrielle Anwendungen hinaus

Gerd Hoppe, Corporate Management bei der Beckhoff Automation GmbH & Co. KG, ist Gründungsmitglied bei beiden Organisationen Open Industry 4.0 Alliance und Gaia-X Foundation, einer Stiftung, die die europäische Cloud- und Dateninfrastruktur Gaia-X in die Praxis umsetzen wird. Er erklärt den Zusammenhang zwischen den beiden Non-Profit-Organsisationen: „Die Gaia-X-Initiative wurde gleichermaßen von Politik, Verwaltung und Industrie im Umfeld der Industrie-4.0-Bewegung ins Leben gerufen. Gaia-X zielt auf einen über industrielle Anwendungen hinausgehenden Data Space ab, in dem sich Industrie mit Verwaltung, Healthcare, Mobilität, Smart Home, Energie, Landwirtschaft und vielen weiteren Anwenderdomänen treffen. Insbesondere für die Marktbeteiligten in den Investitionsgüterindustrien, die Automatisierungstechnologie als ‚Enabler‘ ihrer Produkte verwenden, ist die Nutzung von Cloud-Technologie unter den genannten Prinzipien sehr wünschenswert. Schließlich formulieren viele Anwender spezielle Anforderungen für die Nutzung der sogenannten Hyperscaler-Clouds. Darüber hinaus wird mancher Nutzer von Cloud-Technologie gegenüber seinem Kundenkreis ebenfalls ein Clouddienstanbieter. Insofern ist eine Mitwirkung der entsprechenden Unternehmen – und damit auch der Open Industry 4.0 Alliance – an Gaia-X höchst wünschenswert."

Offenes, Daten-souveränes, föderales Datenökosystem hilft

„Der Grundsatz der Alliance lautet: Datensouveränität für alle Beteiligten mit privaten, geteilten und öffentlichen Daten für jeden Anwender und Anbieter in der Supply Chain bis zum finalen Produkt!“ sagt Nils Herzberg, Sprecher des Vorstands der Open Industry 4.0 Alliance und Global Head Strategic Partnerships for Digital Supply Chain and Industry 4.0 bei SAP. „Dieser Grundsatz lässt sich deutlich einfacher umsetzen, wenn ein offenes, Daten-souveränes, föderales Datenökosystem zur Verfügung steht, über das zahlreiche Allianz-spezifische Aufgaben abgewickelt werden können. Insofern begrüßt und unterstützt die Open Industry 4.0 Alliance die Gaia-X-Initiative und beabsichtigt, ihre Angebote darauf abzustimmen und nach Möglichkeit zu portieren. Wir verstehen uns als die ‚Ärmel-hoch-Allianz‘ und deshalb arbeiten viele von uns unvoreingenommen und neutral daran, dass die Dinge auch wirklich passieren.“

Erste Umsetzungen bis zum November 2020

Die Mitglieder der Allianz listen über 155 Produkte und Dienstleistungen auf, die von ihnen in den kommenden Jahren gemäß den Interoperabilitäts-Richtlinien der Open Industry 4.0 Alliance umgestaltet werden sollen. Die ersten kompatiblen Umsetzungen werden voraussichtlich im November 2020 präsentiert werden.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Dipl.-Ing. (FH) Reinhold Schäfer

Redakteur, MM MaschinenMarkt