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Zukunftsallianz Maschinenbau Den Norden fit machen für Industrie 4.0

Redakteur: Simone Käfer

Auf dem Weg zu digitalisierten Fabriken können KMUs schwerer mithalten. Schließt man sich jedoch in einem Verein zusammen, enstehen neue Möglichkeiten. Zum Beispiel eine Vortragsreihe über Pro und Contra von Intralogistikkonzepten, Potenzial in der Montage oder die Wichtigkeit umzudenken.

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Mit der Frage „Was passiert noch alles an Technik und wie bindet Ihr das in Eure Produkte?“ erklärte Pörschmann den Zweck der Zukunftsallianz in griffigen Worten.
Mit der Frage „Was passiert noch alles an Technik und wie bindet Ihr das in Eure Produkte?“ erklärte Pörschmann den Zweck der Zukunftsallianz in griffigen Worten.
(Bild: Simone Käfer)

Netzwerke schießen wie Pilze aus dem Boden. Zu jedem Thema, für jede Branche und für alle Regionen gibt es Partnerschaften. Viele Unternehmen sind in mehreren, um ihre Produktpalette gut unterzubringen und vielleicht auch, um nichts zu verpassen. Denn darum geht es in einem Netzwerk: Dran bleiben an den Trends, den Innovationen, Vorreiter werden mit Ideen, die nur in einer Partnerschaft entstehen oder umgesetzt werden können. Das ist auch das Ziel der Zukunftsallianz Maschinenbau e.V. Die Allianz will Gegenpol zu den Verbünden Süddeutschlands sein; das gängige Bild der Öffentlichkeit, im Süden liege die Industriemacht, gerade rücken. Denn 43 Prozent der deutschen Wertschöpfung finden oberhalb des Mains statt.

Vor allem aber geht es um den Mittelstand. Mit der Digitalisierung, die neue Technik, neues Denken, neue Ideen und Umstrukturierungen erfordert, könnte der vielleicht wichtigste Teil der deutschen Industriemacht überfordert sein: zu wenig Mitarbeiter, die sich mit der IT auskennen oder sich darauf einlassen wollen, zu wenig Personal und Kapital, um Veränderungen und Modernisierungen zu stemmen. Dem will die Zukunftsallianz mit Seminaren, Workshops und Innovationsdialogen entgegenwirken. „Was passiert noch alles an Technik und wie bindet Ihr das in Eure Produkte?“ formulierte es Gerald Pörschmann, im geschäftsführenden Vorstand des Vereins. Um den Mitglieder die Teilnahme an den Veranstaltungen zu erleichtern, spaltet sich der Verein in weitere regionale Gruppen auf. Die erste ist die Regionalsektion Nord, sie umfasst den Wirtschaftsraum Hamburg/Bremen. Im Zweiten Halbjahr 2016 soll die Regionalsektion West für die Gebiete um Köln, Düsseldorf und Dortmund folgen, und für 2017 ist die Gründung einer Sektion Ost geplant.

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Der dritte Innovationsdialog fand letzte Woche beim frischen Mitglied Nord Drivesystems statt. Zum Thema „Innovative Fertigungstechnologien und Intralogistikkonzepte im Kontext von Industrie 4.0“ referierten Ingenieure, Professoren und Unternehmensberater. Vorgestellt wurden nicht nur neue Techniken, wie 3D-Metalldruck und Ideen aus Vertrieb und Logistik sondern auch auf Gefahr, durch ungeahnte Geschäftsmodelle von rechts überholt zu werden, wurde hingewiesen.

Montageplätze müssen modernisiert werden

Darüber, dass sich Montagearbeitsplätze verändern müssen, sprach Kirsten Tracht, Institutsleiterin der Universität Bremen und im Vorstand der Zukunftsallianz Maschinenbau. Doch nicht die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter war das Thema, sondern der Wandel bedingt durch einen späteren Renteneintritt von Arbeitnehmern einhergehend mit einer Vereinfachung, Flexibilisierung der Arbeitsplätze sowie mehr Autonomie für den Werker, der doch so viel praktisches Know-how mitbringt. Bekannte Systeme wie Kinect-Technik, die beispielsweise Arbeitsanweisungen liefern und die Handgriffe eines Arbeiters überprüfen kann, würden ein Rotationsprinzip vereinfachen und neue Werker schneller einlernen – sprachenunabhängig.

Der Gastgeber selbst stellte unter anderem ein Konfigurationstool vor, das sich mit dem Konfigurator des Maschinenbauers verbinden kann, wodurch letzterer recht unkompliziert ein passender Antrieb für die geplante Maschine vorgeschlagen bekommt. Brar Johannson, Produktionsleiter bei Nord Drivesystems, sprach über Intralogistikkonzepte. Einige hat das Unternehmen jedoch nicht umgesetzt, da die Kosten-Nutzenrechnung nicht aufging. Darunter vielen zum Beispiel fahrerlose Transportsysteme in der Montage. Andere Projekte jedoch sind in der Testphase, wie das Tracken von LKWs (RTLS, realt time locating system).

Neue Geschäftsmodelle drängen auf den Markt

„Wer fräst kann heute auch weiter fräsen“, eröffnet der Gewinner des Zukunftspreises 2015 und Geschäftsführer des LZN Laser Zentrums Nord, Claus Emmelmann, seinen Vortrag. Noch sei der 3D-Metalldruck nicht soweit, einen CNC-Laser abzulösen. Doch die Vorteile seien nicht von der Hand zu weisen: Durch andere Möglichkeiten im Design sind immense Gewichtsreduktionen möglich, bei einem Hydraulikblock beispielsweise erreichten sie 80 Prozent. Außerdem können RFID und Sensoren in den Druck integriert werden. Da es sich noch nicht rentiert einen Drucker zu kaufen oder gar ihn in einen bestehenden Engineeringprozess zu integrieren, geht Emmelmann davon aus, dass sich große Druckzentren bilden werden.

Noch während der Veranstaltung wird das Institut für Laser- und Anlagensystemtechnik der TU Hamburg-Harburg als jüngstes Mitglied der Zukunftsallianz verkündet.

Einen wichtigen Punkt brachte Michael Mücke, Geschäftsführender Gesellschafter der Unternehmensberatung Mücke Sturm & Company auf: die Digitalisierung wirft auch neue Geschäftsmodelle auf den Markt, die junge Unternehmen außerhalb der klassischen Fertigungsindustrie aufgreifen und damit gestandene Familienunternehmen vom Markt drängen könnten. Ein Horrorszenario, doch auf dem B2C-Markt bereits bittere Realität; man denke nur an Taxiunternehmen gegen Uber.

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