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Nachhaltigkeit Der Klimawandel und seine Geschäftschancen

| Autor / Redakteur: Tibor Reischitz und Martin Schulz / Melanie Krauß

Der Klimawandel ist für die Industrie nicht nur eine Herausforderung, sondern birgt auch Chancen. Das sind die drei wichtigsten Themen, mit denen Unternehmen sich jetzt befassen sollten.

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Verantwortung für den Umweltschutz zu übernehmen, schafft auch wirtschaftliche Chancen für Unternehmen.
Verantwortung für den Umweltschutz zu übernehmen, schafft auch wirtschaftliche Chancen für Unternehmen.
(Bild: ©malp - stock.adobe.com )

Der Klimawandel birgt viele Risiken für die Industrie: schlechter verfügbare Ressourcen, (Wetter-)Schäden an Anlagen, verschärfte Emissionsvorschriften – pessimistische Zukunftsszenarien gibt es genug. Laut einer Untersuchung des Carbon Disclosure Project (CDP) beziffern 215 der weltweit 500 größten Unternehmen die Geschäftsrisiken durch den Klimawandel auf knapp 1 Bio. Dollar. Gleichzeitig bietet der Klimawandel jedoch immense Geschäftschancen, die zu ergreifen sich mehr als lohnt – denn diese liegen laut der genannten Untersuchung bei 2,1 Bio. Dollar. Hier sind die drei wichtigsten Themen, denen sich die Unternehmen stellen müssen, wenn sie vom Klimawandel profitieren wollen.

Den eigenen Footprint reduzieren

CO2-neutral zu wirtschaften beziehungsweise zu produzieren, ist das (längst überfällige) Gebot der Stunde. Mehr noch als das: Es markiert eine Zeitenwende, die nicht nur von der Politik ausgeht. Um den Klimawandel zu stoppen, hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, bis 2050 die CO2-Emissionen um 90 % gegenüber 1990 zu senken. Diesen Zielen hinkt sie jedoch hinterher – was viele Menschen dazu bringt, für den Klimaschutz auf die Straße zu gehen oder sich anderweitig dafür zu engagieren. Umweltschutz allgemein hat mittlerweile einen hohen Stellenwert eingenommen, gesellschaftlich, politisch, ökonomisch. Unternehmen können sich dem nicht entziehen: Entsprechen ihre Produkte und Produktionsweisen nicht diesem Wert, können sie sie nicht mehr gut verkaufen, vor allem nicht an die junge Generation.

Auch B2B-Kunden stellen Anforderungen, die nicht mehr nur finanzgetrieben sind. Denn sie sind ebenfalls ihren Shareholdern verpflichtet – entlang der gesamten Lieferkette. Kein Unternehmen kann es sich heutzutage noch leisten, Kriterien des Umweltschutzes zu ignorieren. Den eigenen ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, ist also nicht nur eine ökologische, sondern auch eine ökonomische Notwendigkeit geworden.

Das Beispiel von Siemens in Australien zeigt, wie wichtig es für Unternehmen hierzulande ist, ihre Geschäftsmodelle zu überprüfen: Weil der Konzern eine Signalanlage für die Bahnstrecke eines umstrittenen Kohlebergwerks liefern wollte, wurde die Kritik an ihm lauter. Auch der weltgrößte Vermögensverwalter Blackrock ruft Unternehmen immer stärker zu nachhaltigem Handeln auf und ändert sein Investitionsverhalten entsprechend. Anstatt diesen Dingen aus dem Weg zu gehen, müssen Unternehmen sich den gesellschaftlichen Interessen und Diskussionen stellen und sie mitgestalten.

Auf eigene Kernkompetenzen setzen

Verantwortung für den Umweltschutz und den Klimawandel zu übernehmen, bietet also ganz konkrete wirtschaftliche Chancen. Um sie zu nutzen, gilt es für Unternehmen, Technologien zu entwickeln, die Treibhausemissionen vermeiden und diese Technologien anderen zur Verfügung zu stellen. Denn diese Emissionen werden sehr schnell sehr teuer werden – je mehr Staaten das Pariser Abkommen unterzeichnen, desto schneller. Es enthält auch das Ziel, dass die Finanzmittelflüsse mit den Klimazielen in Einklang gebracht werden sollen.

Deutschland hat eine lange Tradition im Automobil- sowie im Maschinen- und Anlagenbau. Klassische deutsche Ingenieurskunst, die neue Technologien entwickelt und diese global exportiert, ist eine Kernkompetenz, die sich auch in unseren Ausbildungswegen für Ingenieure widerspiegelt. Weltweit ist Deutschland hier führend, kann eine Vorreiterrolle übernehmen. Hinzu kommt eine weitere Kernkompetenz: Deutschland ist eine Exportnation. Um „grüne“ (Anlagen-)Technik im großen Stil zu exportieren, gibt es also schon bewährte Wege und Partnerschaften. „Made in Germany“ kann wieder verstärkt zum Erfolgsfaktor werden.

Innovationen entwickeln

Um weltweit die CO2-Emissionen zu reduzieren, braucht es innovative und wirksame Technologien, ausgetüftelt von entsprechend ausgebildeten und kompetenten Ingenieuren, Naturwissenschaftlern und aus anderen Disziplinen. Die Digitalisierung bietet diesbezüglich große Chancen. Sie hilft dabei, die Wirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit zu transformieren, beispielsweise bei der Umstellung von fossilen Kraftwerken auf intelligenten Einsatz und Kombination von Wind- und Solaranlagen.

Auch neue digitale Geschäftsmodelle sind dadurch möglich, mithilfe derer beispielsweise Elektroschrott sinnvoll recycelt werden kann, anstatt ihn um die halbe Welt zu schicken, nur damit er auf einer Müllkippe landet. Zu diesen innovativen Technologien gehören aber genauso neue Materialien, die einen effizienteren Einsatz von Ressourcen sicherstellen – beispielsweise besonders behandelte Oberflächen, die Reibung und damit Energieverluste vermindern. Ein weiteres vielversprechendes Technologiefeld ist beispielsweise das Climate Engineering, mit dessen Hilfe CO2 in der Atmosphäre abgefangen und sicher gespeichert oder gebunden werden kann. Dazu zählt auch die künstliche Wolkenbildung über dem Meer; die Wolken reduzieren die Sonneneinstrahlung und kühlen so die Erde.

Viele diese Technologien beziehungsweise Prozesse stecken in den Kinderschuhen und sind noch ergebnisoffen, das heißt, es wird noch an erwünschten Wirkungen und möglichen Nebeneffekten geforscht. Aber Potenzial für Innovationen, die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit vereinen, steckt in jedem Fall darin.

Fazit: Chance und Herausforderung gleichzeitig

Die dargestellten Chancen des Klimawandels für die Industrie werden nur solche Unternehmen nutzen können, die das Thema ernst nehmen, sich aktiv und frühzeitig entsprechend positionieren, innovativ sind und in neue Technologien investieren – und als Erstes bei ihrem eigenen ökologischen Fußabdruck ansetzen. Eine große Chance für Deutschland liegt im Export – deutsche Ingenieurskunst und Unternehmen beziehungsweise die von ihnen entwickelten Technologien und Produkte können weltweit Vorreiter für grüne Technologien sein.

Die Politik spielt bei diesem Thema eine wichtige Rolle: Sie muss die passenden Rahmenbedingungen schaffen. Dass dies in der Vergangenheit nicht immer geglückt ist, zeigt die einseitige Förderung von batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen zulasten anderer Antriebsvarianten wie beispielsweise Wasserstoff. Eine solche Praxis bremst den Kampf gegen den Klimawandel. Nur eine Technologieoffenheit beschleunigt marktwirtschaftlich die dringend nötigen Innovationen.

* Tibor Reischitz und Martin Schulz sind Direktoren und Mitglieder der Solution Group Maschinen- und Anlagenbau bei der Atreus GmbH in 80637 München, Tel. (0 89) 45 22 49-5 40, reischitz@atreus.de, schulz@atreus.de , www.atreus.de

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