Liquidität Die eigene Bank im Unternehmen schafft Unabhängigkeit

Autor / Redakteur: Hans-Jürgen Sopper / Claudia Otto

Große Konzerne machen es vor – sie haben ihre eigene Bank gegründet. Denn sie haben erkannt, dass die Geschäftsbanken aufgrund der Krise und der damit verbundenen, verschärften Bankenregulierung sowie der derzeitigen Niedrigzinsphase mehr und mehr zu einem Unternehmensrisiko werden können.

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Unverzichtbares Lebensmittel: Was für uns Menschen das Wasser ist, ist für Unternehmen das Geld. Ohne Geld geht nichts.
Unverzichtbares Lebensmittel: Was für uns Menschen das Wasser ist, ist für Unternehmen das Geld. Ohne Geld geht nichts.
(Bild: © Hyrma - Fotolia)

Die eigene Bank ermöglicht es, sich direkt bei der Deutschen Bundesbank günstiges Zentralbankgeld zu beschaffen. Zudem ist es damit möglich, Geschäftspartner wie Lieferanten und/oder Kunden selbst zu finanzieren. Dies ist ein bedeutender Wettbewerbsvorteil und stärkt die Marktstellung enorm. Die Konzernbankeigner haben sich damit des Problems Geschäftsbank als externer Finanzierungspartner entledigt und den Bereich der Geschäftsfinanzierung selbst übernommen.

Kundenabhängige Finanzierung birgt existenzielle Risiken

Und wie ist die Situation bei den Unternehmen des deutschen Mittelstands, die nicht über die monetäre und strukturelle Macht großer Konzerne verfügen? Können sich die rund 3 Mio. Unternehmen in Deutschland auch von der Abhängigkeit der Banken befreien oder diese zuminderst reduzieren? Die Antwort lautet: Ja.

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Unternehmen haben zwei ganz wesentliche Probleme: Erstens, sie können die zukünftigen Umsatzerlöse und somit den Gewinn beziehungsweise den Cashflow nicht sicherstellen, weil sie selbst nicht exakt wissen, was die Zukunft bringt. Zweitens, die Finanzierung hängt in der Regel von externen Dritten ab – entweder vom Kunden (Markt) und/oder von den Geschäftsbanken. Die zwei wesentlichen Geldgeber, auf die sich Unternehmen verlassen, sind zum einen die Bank und zum anderen der Kunde.

Die meisten Unternehmen finanzieren und verlassen sich auf den Cashflow, also den Zahlungsstrom der Kunden. Fatalerweise wird dies als bankenunabhängige Finanzierung verstanden. Übersehen wird, dass dies eine kundenabhängige Finanzierung ist, die existenzielle Risiken birgt.

Ausbleiben des Cashflows vom Kunden bringt Unternehmen in Schwierigkeiten

Diese als Selbst- oder Eigenfinanzierung missverstandene Art der Finanzierung erzeugt die gleiche Abhängigkeit wie die Bankfinanzierung. Das leuchtet jedem ein, der einmal schmerzlich erlebt hat, dass Kunden nicht zahlen wollen, nicht zahlen können oder der Wettbewerber den Kunden abwirbt und damit den Zahlungsstrom kappt. Bemerkt wird dies meist erst sehr spät, häufig erst dann, wenn plötzlich und unangekündigt Schlüsselkunden zu Wettbewerbern abwandern oder sicher geglaubte Aufträge ohne Begründung storniert werden. Spätestens dann beginnt wieder der Gang nach Canossa (zur Bank), weil die sicher geglaubte, unabhängige Selbstfinanzierung gescheitert ist.

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