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Industriestandort Türkei „Die Industriekultur ist eng an Deutschland angelehnt“

| Autor: Stéphane Itasse

Den türkischen Maschinenbau repräsentiert weltweit die Exportorganisation Turkish Machinery. Welche Rolle die Branche im globalen Kontext spielt und welche Chancen sich für deutsche Maschinenbauunternehmen eröffnen, lesen Sie im MM-Exklusivinterview.

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„Seit vielen Jahren werden Arbeitskräfte in der Türkei entsprechend den deutschen Regeln ausgebildet“, erläutert Sevda Kayhan Yılmaz, Vorstandsmitglied der Exportorganisation Turkish Machinery.
„Seit vielen Jahren werden Arbeitskräfte in der Türkei entsprechend den deutschen Regeln ausgebildet“, erläutert Sevda Kayhan Yılmaz, Vorstandsmitglied der Exportorganisation Turkish Machinery.
(Bild: Itasse)

Als Vertreter von Turkish Machinery befragte MM MaschinenMarkt Sevda Kayhan Yılmaz, Vorstandsmitglied der Organisation, und Ahmet Yılmaz, Leiter des Deutschlandbüros in Braunschweig.

Welche Chancen bietet die Türkei für den deutschen Maschinenbau?

Kayhan Yılmaz: Unser größter Vorteil beispielsweise im Vergleich zu China ist, dass die Kulturen nicht so weit auseinander liegen. Viele Menschen türkischer Abstammung leben in Deutschland und haben immer noch Beziehungen zur Türkei. Seit vielen Jahren werden die Arbeitskräfte in der Türkei entsprechend deutschen Regeln ausgebildet, auch im Maschinenbau. Viele ältere türkische Ingenieure sprechen Deutsch, weil sie in Deutschland ausgebildet wurden, so wie auch mein Vater. Durch diese engen Beziehungen kennen wir auch die Mentalität des Anderen. Wir können uns leicht verständigen und unsere gegenseitigen Erwartungen in kurzer Zeit klar machen. Außerdem haben wir einen großen Anteil junger Leute, 50 % der Menschen sind jünger als 35 Jahre. Sie sind sehr darauf erpicht zu arbeiten, weil dies für viele Jahre – ohne Hilfen der EU – die einzige Möglichkeit war, den Wohlstand zu erhöhen. Nicht zuletzt ist die Türkei eine regionale Drehscheibe für die russischsprachigen, die arabischsprachigen, die südlichen afrikanischen und die turksprachigen Märkte. Wir wissen, wie ein deutsches Unternehmen auf Schwierigkeiten reagiert; und wir wissen auch, wie ein Unternehmen im Nahen Osten reagiert, und können vermitteln.

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Yılmaz: Die Industriekultur in der Türkei ist eng an die deutsche Industrienorm und Deutschland angelehnt. Das bietet eine gute Chance für die Zusammenarbeit. Deutschland braucht zuverlässige Partner, um gegen die Konkurrenz aus verschiedenen Regionen der Welt anzukommen. Die Türkei bietet sich hier als Partner an.

Wie können türkische Anbieter die deutschen Maschinenbauer unterstützen, beispielsweise bei Konstruktion, Engineering oder Zulieferungen?

Kayhan Yılmaz: Zum einen sind wir sehr stark im Gießen, nicht zuletzt, weil wir hier nicht den strikten EU-Regelungen unterliegen. In diesem Sektor gibt es sehr starke Unternehmen in der Türkei, die nicht nur gießen, sondern auch weitere Bearbeitungsschritte vornehmen können. Um sich von der chinesischen Konkurrenz abzuheben, investieren unsere Unternehmen außerdem in Qualität, sowohl in der Produktion als auch in der Termintreue. Das betrifft auch die Zulieferungen.

Yılmaz: Die türkischen Dienstleister stehen momentan noch am Anfang. In den vergangenen fünf Jahren haben sich aber viele internationale Firmen in der Türkei niedergelassen und beispielsweise Aufträge für Konstruktion oder Systemführung und Systembildung vergeben. Sie wollen diese jung-dynamischen Ingenieurköpfe auch in Anspruch nehmen. Die klassischen Serviceleistungen im Maschinenbau sind allerdings noch etwas unterentwickelt. Das soll im Zuge der Internationalisierung verbessert werden. Es sind jetzt solche Unternehmen entstanden oder von den internationalen Maschinenbauern als Serviceprovider ins Leben gerufen worden. Je mehr sie in der Region aktiv waren, desto mehr mussten die Dienstleistungen mit aufgebaut werden. Immer mehr Firmen nehmen die Serviceleistungen aus der Türkei auch in Anspruch. Beispielsweise bei Großaufträgen von Siemens oder von Bosch, da arbeiten bei der Konstruktion oder der Simulation viele türkische Ingenieure mit.

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 Stéphane Itasse

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, MM MaschinenMarkt