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Smartphones und Wearables

Die Instandhaltung wird zunehmend mobiler

| Redakteur: Rebecca Vogt

Hannes Heckner, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Mobile X AG, berichtet im Gespräch von mobilen Lösungen in der Instandhaltung.
Hannes Heckner, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Mobile X AG, berichtet im Gespräch von mobilen Lösungen in der Instandhaltung. (Bild: Mobile X)

Im Interview mit dem MM Maschinenmarkt spricht Hannes Heckner, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Mobile X AG, über aktuelle Trends in der Instandhaltung. Den Schwerpunkt bilden dabei die Einsatzmöglichkeiten mobiler Anwendungen, bei denen aktuell Datenbrillen und zukünftig wohl auch weitere Wearables eine Rolle spielen.

Wie wird die voranschreitende Digitalisierung die Instandhaltung von Maschinen und Anlagen in den kommenden Jahren beeinflussen?

In vielen Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau befindet sich der Service im Wandel: Das einstige Cost-Center wird zum Profit-Center. Die zunehmende Komplexität von Anlagen und Maschinen erfordert Expertenwissen, das immer häufiger die Unterstützung durch neue Technik benötigt – beispielsweise Augmented-Reality-Anwendungen mithilfe von Smart Glasses. Bei diesem sogenannten Remote-Support schalten sich Experten über Video zu, begutachten die Situation der Anlage aus der Ferne und helfen so bei der Problemlösung. Manche Unternehmen nutzen die AR-Technik auch zur Remote-Schulung von Technikern für neue Produkte. Datenbrillen zeigen dem Anwender außerdem zusätzliche Informationen in Form von Kartenmaterial, Explosionszeichnungen und Bildern. Sie ermöglichen ihm dadurch eine professionellere und schnellere Erfüllung seiner Aufgaben.

Viele Unternehmen nutzen mittlerweile auch eine mobile Software zur Auftragsabwicklung. Welche Chancen sind dadurch geboten?

Eine mobile Lösung liefert dem Techniker alle Daten zum Kunden, der Kundenhistorie und zum Gerät. Auf seinem Smartphone, Tablet oder Laptop kann er so auch offline alle relevanten Informationen abrufen, die im zentralen Backend-System hinterlegt sind. Damit ist er wesentlich besser informiert als mit einem reinen Papierauftrag – was die Wahrscheinlichkeit der Problemlösung beim Kunden vor Ort entsprechend erhöht. Außerdem unterstützt eine mobile Software den Techniker bei der Dokumentation des Anlagenzustands über digitale Formulare oder Fotos von Schäden. Die Erfassung und der Abgleich von aktuellen Zustandsdaten der Anlagen mit den Soll-Daten im Backend ermöglicht eine zustandsorientierte Instandhaltung im Sinne von Predictive Maintenance.

Inwiefern trägt Predictive Maintenance dazu bei, die Instandhaltung von Anlagen und Maschinen zu verbessern?

Die vorausschauende Wartung löst das Problem, schon bevor es auftritt. Dadurch lässt sich zum einen die Anzahl der akuten Störungen verringern, zum anderen mit mehr Vorlauf für den Kunden und das Unternehmen ein Termin für die Wartung einplanen. Das entspannt beide Seiten, senkt Überstunden und verbessert die Qualität der Instandhaltungseinsätze. Außerdem vermeidet Predictive Maintenance Stillstände von Anlagen und Geräten sowie mit diesen verbundene Kosten für den Kunden.

Welche Rolle spielt das Internet of Things?

Über das Internet of Things werden Maschinen und Anlagen zukünftig via Internet miteinander kommunizieren, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Ansätze davon sind heute schon vorhanden, wie zum Beispiel der Aufzug, der eine Störung in der Zentrale meldet. Momentan wird diese dort noch von einem Menschen aufgenommen. Über Machine-to-Machine-­Kommunikation wird zukünftig der Aufzug Kontakt mit dem mobilen Gerät des Technikers aufnehmen und einen Termin zur Instandsetzung vereinbaren. Nur zum Kunden fahren muss der Techniker dann noch selbst.

Wie bereits erwähnt, erfordert die Instandhaltung und Wartung von komplexen Anlagen und Maschinen heute spezifisches Expertenwissen. Wie kann der Techniker dabei zukünftig noch besser unterstützt werden?

Durch die gestiegene Speicherkapazität von mobilen Geräten lassen sich heute enorme Datenmengen an Wissen aus dem Unternehmen beim Kunden vor Ort offline bereitstellen. Mittels Case-Based Reasoning gelingt dann zum Beispiel die intelligente Suche in Form von umgangssprachlicher Problembeschreibung. Eine Wissensplattform liefert dem Techniker zudem Lösungsbeschreibungen, die nur Ähnlichkeiten zum vorliegenden Problemfall aufweisen, aber auch zur Lösung führen können. Dieser Zugriff auf das geballte im Unternehmen vorhandene Wissen erspart dem Techniker lange Telefonate mit Kollegen oder Zweitanfahrten zum Kunden.

Beim zuverlässigen Betrieb der Anlagen spielt auch das Ersatzteilmanagement eine wesentliche Rolle, denn ohne passendes Ersatzteil keine Reparatur. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf diesen Bereich aus?

Arbeitsunterbrechungen durch Stillstände von Produktionsanlagen verursachen immense Kosten, deshalb ist hier ein schnelles Handeln erforderlich. Häufig liegen aber wichtige Informationen zur Maschine, wie Handbücher, Explosionszeichnungen oder Fotos, anhand derer eine Identifikation des benötigten Ersatzteils sehr einfach wäre, nicht vor. Eine Zweitanfahrt ist in der Folge meistens unvermeidbar. Abhilfe können hier elektronische Ersatzteilkataloge leisten. Diese bündeln alle Daten und Informationen über die Maschinen aus den führenden Systemen wie ERP, CAD, PLM, PDM et cetera und verknüpfen sie mit der beschreibenden Dokumentation in Handbüchern oder Reparaturanleitungen. Bei einem Stillstand oder einer Wartung kann der Techniker so schon beim Hersteller auf Stücklisten, Explosionszeichnungen oder Schaltpläne zugreifen und sich über bestimmte Geräte oder ganze Baugruppen informieren. Auf diese Weise können die Ursachen schnell identifiziert und die benötigten Ersatzteile bestellt werden. Noch einfacher ist es, wenn der Ersatzteilkatalog in einer mobilen Lösung zur Auftragsabwicklung integriert ist. Der Techniker kann dann auf seinem mobilen Endgerät beim Kunden vor Ort direkt aus dem Auftrag dorthin springen.

Welche Chancen bringt der Einsatz von mobilen Geräten außerdem mit sich?

Die in den vergangenen Jahren drastisch gestiegene Rechenleistung und Speicherkapazität mobiler Geräte erlaubt einen neuen Komfort bei der Interaktion. Aktuelle Smartphones oder Tablets erkennen natürliche Sprache ohne großes Vortraining durch den Nutzer – auch in ungünstigen Umgebungen mit Nebengeräuschen. Dies erleichtert die Bedienung in Situationen, in denen der Techniker beide Hände frei haben muss.

Welche weiteren Trends gibt es in der Instandhaltung von Anlagen und Maschinen?

Im Consumer-Markt sind sie längst angekommen, in der Berufswelt noch ein Trend, da Anwendungen hier bisher eher die Ausnahme darstellen: am Körper tragbare Computer wie Smartwatches. Doch auch in der Instandhaltung gibt es hierfür Potenzial. In Zukunft könnte der Techniker einen Impuls über seine Smartwatch erhalten, wenn er zu einer dringenden Störung gerufen wird – statt wie bisher eine SMS oder einen Anruf auf seinem Mobiltelefon zu erhalten. Wearables können durch schnellere Reaktions- und Reparaturzeiten die Kundenzufriedenheit erhöhen. Das prognostizierte Marktvolumen in diesem Bereich ist enorm. Das Marktforschungsinstitut Abi Research rechnet mit 485 Mio. verkauften Geräten bis Ende 2018.

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