Exklusiv-Interview „Die Massivumformung steht vor großen Herausforderungen“

Autor: Stéphane Itasse

Der Industrieverband Massivumformung steht unter neuer Leitung: Tobias Hain ist der neue Geschäftsführer. Im Exklusiv-Interview mit MM MaschinenMarkt erläutert er die Entwicklung und die Herausforderungen der Branche.

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Tobias Hain ist neuer Geschäftsführer des Industrieverbands Massivumformung.
Tobias Hain ist neuer Geschäftsführer des Industrieverbands Massivumformung.
(Bild: Industrieverband Massivumformung)

Hain hat seit Juni 2016 die Geschäftsführung des Industrieverband Massivumformung übernommen. Sein Vorgänger Dr. Theodor Lutz Tutmann ist zum 31. August 2016 in den Ruhestand gegangen. Er hatte den Verband über 30 Jahre lang geführt und unter anderem die Gründung des Labors für Massivumformung (LFM) an der Fachhochschule Südwestfalen initiiert sowie die Schmiede-Akademie gegründet.

Welches sind aktuell die wichtigsten Entwicklungen in der Massivumformung?

Wir sehen im Gesamtmarkt der Massivumformung eine Seitwärtsbewegung. Nach der Krise 2009 hat sich der Automotive-Sektor erholt und zeigt eine leicht steigende Absatzkurve. In den Sektoren Maschinenbau und Energie ist in den letzten Jahren eine negative Entwicklung zu verzeichnen. Sämtliche Märkte sind gegenüber früheren Jahren durch deutlich gestiegene Volatilität, kürzere Auftragslaufzeiten, geringere Bestellzyklen und kleinere Losgrößen gekennzeichnet.

Viele unserer Mitglieder begegnen den schwierigen Marktbedingungen aktuell durch Modernisierung und Automatisierung ihrer Fertigungskapazitäten und Arbeitsprozesse, um ihre Produktivität weiter zu steigern und die Kosten zu senken, aber auch durch Vertiefung ihrer Wertschöpfung in Richtung Nachbearbeitung und Montage zur Erreichung einer Positionierung als Fertigteil- oder Baugruppenlieferant.

Unser Fachbereich „Betriebswirtschaft“ beobachtet eng die konjunkturellen und politischen Entwicklungen an den Märkten und unterstützt die Unternehmen durch neutrale Kennzahlenbenchmarks bei der betriebswirtschaftlichen Optimierung.

Vor welchen Aufgaben steht derzeit die Branche?

Die Branche steht vor zunehmender internationaler Konkurrenz und einem ständigen Wettbewerb durch andere Fertigungsverfahren wie Gießen oder Sintern ausgesetzt. Die Mitglieder reagieren darauf mit ständiger Weiterentwicklung und Optimierung der Fertigungsverfahren und Werkstoffe und durch Investitionen in innovative Zukunftsfelder. Derzeitige Schwerpunkte sind beispielsweise der Massiver Leichtbau, in Zusammenhang mit dem Ziel der CO2-Reduzierung, oder Massivumformung 4.0 im Sinne der kompletten digitalen Vernetzung der Wertschöpfungskette.

In unserem Fachbereich „Forschung und Technik“ tauschen sich die Mitglieder in zahlreichen Arbeitskreisen zu technischen Optimierungsmöglichkeiten aus und betreiben – gemeinsam mit den relevanten deutschen Hochschulinstituten - entsprechende Grundlagen- und Anwendungsforschung.

Der viel zitierte Fachkräftemangel trifft auch unsere Branche. Dem wird mit hohen Ausbildungsquoten und einer Vielzahl an weiteren Ansätzen wie Schulkooperationen, Integration von Flüchtlingen oder Hochschulprojekten entgegengewirkt. Unser Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit macht die Branche auf verschiedenen Social Media Kanälen beim Nachwuchs bekannt und unterstützt so die Unternehmen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie in den kommenden Jahren?

Die Massivumformung steht durch aktuelle Megatrends wie E-Mobilität und durch technologische Umbrüche wie Generative Fertigung (3D-Druck) in den nächsten 10 bis 20 Jahren vor großen Herausforderungen. Einzelne heutige Einsatzfelder für unsere Produkte werden zurückgehen oder sogar gänzlich verschwinden. Wir werden uns daher in mancher Hinsicht neu erfinden und im Wettbewerb gegenüber anderen Ländern und Verfahren noch stärker durchsetzen müssen.

Im Verband haben wir dafür kürzlich den neuen Fachbereich „Strategische Projekte“ gegründet, der sich mit diesen zukunftsorientierten Themen beschäftigt. Viele Mitglieder haben diese Entwicklungen also schon erkannt und suchen proaktiv nach den daraus entstehenden Chancen.

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