Die Stromschiene ist laut Paul Vahle immer noch eine Erfindung, die die Industrie bis heute prägt. Zwar feiert sie keinen runden Geburtstag, doch lohnt sich ein Blick auf ihre Geschichte.
So wurden im Jahre 1933 Stromschienen, einst erfunden von Paul Vahle, logistisch gehandhabt – ein echter Kraftakt. Mittlerweile ist die damals revolutionäre Stromschiene, die viele Probleme löste, 111 Jahre alt. Doch ausgedient hat sie noch lange nicht. Lesen Sie!
(Bild: Vahle)
Paul Vahle war kein Mann, der sich mit dem Status quo zufriedengab. Als Betriebsleiter der Dortmunder Eisen- und Stahlwerk Hoesch AG ärgerte es ihn Anfang der 1910er-Jahre deshalb auch über die Maßen, dass die Produktion immer wieder stockt, weil elektrische Maschinen wegen eines Kurzschlusses ausfallen. Die Ursache waren die offenen Rundleitungen aus Kupfer, mit denen die Anlagen in den frühen Jahren der Elektrifizierung mit Energie versorgt wurden. Und speziell bei beweglichen Geräten wie Kranen kamen die stromführenden Kupferkabel regelmäßig miteinander in Kontakt, wobei die Systeme überlastet wurden. Ein Problem, das den Dortmunder auch nach Dienstschluss nicht aus dem Kopf bekam. Also machte er sich in seiner Freizeit kurzerhand an eine Alternative. Und die erwies sich als so überzeugend, dass sie bis heute – 111 Jahre nachdem Vahle sie patentieren ließ – im Einsatz ist: die Stromschiene.
Ein mutiger Schritt macht sich für Vahle bezahlt
Nach der Industriellen Revolution Mitte des 19. Jahrhunderts sorgte die Elektrifizierung für den nächsten Entwicklungsschub in der Wirtschaft – und zwar für einen gewaltigen. Nachdem die großen Unternehmen Kohle und Dampf als Energielieferanten bereits in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts durch elektrische Energie ersetzt hatten, zogen die kleinen und mittleren Betriebe nun peu à peu nach. Paul Vahle, der nicht nur findiger Tüftler war, sondern auch Mut und Geschäftssinn hatte, erkannte schnell den Wert seiner Stromschiene. Ohne großen Vorlauf, aber mit einem erfolgversprechenden Patent in der Tasche, setzte er also alles auf eine Karte und gründete am 9. April 1912 sein eigenes Unternehmen – die Vahle OHG mit Sitz in Dortmund-Brackel.
Und Das Risiko hat sich gelohnt! Denn das neue Unternehmen wuchs und gedieh Jahr um Jahr. Als der Erfinder der Stromschiene 1926 starb, übernahm dessen Frau Helene die Leitung der inzwischen 14 Jahre alten und gut laufenden Firma. Dieselbe stieß aber produktionstechnisch mittlerweile an ihre Grenzen, sodass 1929 zusätzliche Werkshallen in Dortmund-Brackel angemietet werden mussten. Helene Vahle wird bei der Unternehmensführung zu dieser Zeit bereits tatkräftig von ihrem Sohn Paul Werner unterstützt, der den elterlichen Betrieb schließlich 1932 übernimmt.
Überstandene Kriegswirren und Innovationen danach
Dann kamen die Wirren des Zweiten Weltkriegs, dessen Anfang quasi am 1. September 1939 mit dem Polenfeldzug gemacht wurde. Diese bald weltumspannende Katastrophe traf auch Vahle. Denn Paul Werner wurde zum Militärdienst eingezogen, überlebte aber und geriet 1945 in Kriegsgefangenschaft, aus der er aber erst vier Jahre später nach Dortmund zurückkehrte. Und wieder war es eine Frau – diesmal Paul Werners Ehefrau Maria – die den Betrieb währenddessen erfolgreich auf Kurs hielt und sogar ausbauen konnte.
Kräftig profitierte Vahle dann vom wirtschaftlichen Aufschwung der Nachkriegszeit. Der Umsatz vervielfachte sich binnen weniger Jahre, während die Zahl der Mitarbeiter auf mehrere Hundert kletterte (1936 waren es noch 30). Auch räumlich expandierte das Unternehmen und erwarb ein Grundstück an der Westicker Straße in Kamen, an dem bis heute der Hauptfirmensitz liegt. In den 1970er- und 1980er-Jahren entwickelte das Unternehmen dann neuartige Produkte, wie die Leichtmetallschiene oder Stromschienen für Elektrohängebahnen. Ein guter Beweis, dass es vom Innovationsgeist des Gründers und Namensgebers über die Jahre nichts eingebüßt hatte. Gegen Ende des Jahrtausends konzipierte Vahle dann ein System zur induktiven Energieübertragung für bewegliche Anwendungen in der Fördertechnik – eine Möglichkeit, die längst nicht mehr nur in der Industrie zum Einsatz kommt, wie etwa zur Stromversorgung Fahrerloser Transportsysteme, sondern auch im Alltag – beispielsweise zum Laden von Smartphones.
Bewegung! Vom Transrapid bis zum Riesenrad in Dubai
Heute, 111 Jahre nach ihrer Gründung, ist die Paul Vahle GmbH & Co. KG mit rund 850 Mitarbeitern einer der weltweit führenden Herstellerinnen leistungsfähiger Energie-, Datenübertragungs- und Automatisierungssysteme. Internationale Großprojekte stehen heute auch auf der Agenda. Unter anderem beteiligte sich das Unternehmen bereits in den 1980er-Jahren am Forschungsprojekt zur Magnetschwebebahn Transrapid, die in Shanghai übrigens seit 2001 über Stromschienen von Vahle rauscht. Das imposanteste Projekt, an dem das Kamener Unternehmen als Partner beteiligt ist, steht jedoch in Dubai. Es handelt sich um das Riesenrad AIN Dubai, das mit einer Höhe von 260 Metern das weltweit größte ist. Sonderangefertigte Stromschienensysteme versorgen nun die 48 Luxus-Kabinen nebst den 65.000 LEDs des Riesenrads verlässlich mit Strom und verhindern dabei Schäden durch Blitzeinschläge.
Stand: 08.12.2025
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