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Mensch Roboter Kollaboration „Die Welt ist nicht nur eins oder null“

| Redakteur: Mag. Victoria Sonnenberg

Der Endeffektor ist das letzte Glied in der kinematischen Kette eines Roboters, der für den MRK-Betrieb mit Sicherheitssensoren ausgestattet ist. MM sprach mit Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) Kai Kohler von der Zimmer Group über Chancen und Probleme der MRK.

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Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) 
Kai Kohler ist Global Key Account Manager und verantwortet auch das Produktmanagement der Zimmer Group in Rheinau. Das Unternehmen bietet aktuell fünf Produktfami­lien und 20 Greiftertypen für die Bestückung von MRK-Robotern an.
Dipl.-Wirtsch.-Ing. (FH) 
Kai Kohler ist Global Key Account Manager und verantwortet auch das Produktmanagement der Zimmer Group in Rheinau. Das Unternehmen bietet aktuell fünf Produktfami­lien und 20 Greiftertypen für die Bestückung von MRK-Robotern an.
(Bild: Zimmer Group)

Die Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) ist neuerdings in aller Munde und hat fast schon die Popularität des Begriffs „Industrie 4.0“ erreicht ...

Wenn man die Möglichkeiten der MRK-Roboter ansieht, handelt es sich zukünftig um ein riesiges Einsatzgebiet. Allerdings gibt es einerseits noch viele Reglementierungen, etwa bei den Zulassungen und ISO-Zertifizierungen. Auf der betriebspsychologischen Seite gilt es noch viel Ängste zu überwinden. Hier stehen wir also noch ganz am Anfang einer sicherlich spannenden Entwicklung.

Wo sehen Sie die Einsatzgebiete der MRK-Roboter?

Eigentlich überall. Der Grundgedanke des Cobots ist es ja nicht, den Menschen abzuschaffen, sondern ihn vielmehr zu unterstützen und Arbeiten zu erleichtern. Man kann stupide Nebenarbeiten zum Beispiel dem Roboter übertragen oder betriebswirtschaftlich gesprochen: Man kann damit unproduktive Nebenzeiten produktiv machen. Man kann dem MRK-Roboter Aufgaben übertragen, die kein Mensch machen will, hinsichtlich Monotonie, akuter Gefährlichkeit oder gesundheitlicher Langzeitfolgen ..., das ist ein enorm positiver Aspekt.

Wo gibt es in der Praxis noch Schwierigkeiten?

Die Zertifizierung der Gesamtanlage ist aufgrund der recht jungen Technologie teilweise noch schwierig, da schlicht die Erfahrungswerte wie bei einer konventionellen Automatisierung fehlen. Die Störkontur des Werkstücks spielt im Vergleich zu einer herkömmlichen Anwendung eine maßgeblich relevante Rolle. Scharfkantige Werkstücke müssen per se ausgeschlossen werden: Letztlich hat ein Endeffektor in diesem Fall ein Messer gegriffen und bewegt sich im selben Arbeitsraum wie der Werker. Ebenfalls gilt es die zulässigen Greifkräfte in das Kalkül mit einzubeziehen. Die biomechanischen Grenzwerte im Bereich der Hand betragen 140 N, dies entspricht der maximal zulässigen Greifkraft. Sollte ein Werker also seine Hand/Finger zwischen Werkstück und Greifbacken bekommen, wird aufgrund der Reglementierung keine Verletzung auftreten. Am Ende des Tages gilt es zu bewerten, inwieweit man den Mitarbeiter eigenverantwortlich machen möchte und kann, um ihn zum einen in den Prozess tatsächlich mit einzubeziehen und zum anderen eine einfachere Realisierung zu gewährleisten. Jeder von uns wird sich auch zukünftig die Haare mit einer scharfen Schere schneiden lassen …

Wie ist Ihre Zukunftsprognose?

Wir werden selbstverständlich weiterhin und auf lange Sicht noch eine klassische Automatisierung haben, wie wir sie aktuell kennen. Hier wird die Welt nicht in ein digitales 1 oder 0 zerfallen, sondern auf ein Miteinander hinauslaufen. Bei MRK handelt es sich augenblicklich noch um eine Nische, wo es sicher viele zielführende Ansätze, aber auch Irrwege geben wird.

* Das Interview führte Tilo Michal.

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