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Veranstaltung Digitale Transformation – Wo steht die Prozessindustrie?

Redakteur: Anke Geipel-Kern

Die Frage ist nicht ob und wann, sondern: Wie schnell gelingt es, Geschäfts- und Produktionsprozesse zu digitalisieren. Wo die Branche steht, erfahren Sie auf dem Smart Process Manufacturing Kongress.

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Am 27. und 28. Oktober 2020 findet der digitale Smart Process Manufacturing Kongress statt.
Am 27. und 28. Oktober 2020 findet der digitale Smart Process Manufacturing Kongress statt.
(Bild: ©Amgun - stock.adobe.com)

Die Corona-Krise und der Shutdown haben der deutschen Industrie einen gehörigen Dämpfer versetzt, aber auch den Einsatz digitaler Techniken weiter beflügelt. Ob virtuelle FATs und Inbetriebnahmen oder Videokonferenzen und Diagnosen per Fernwartung – vieles, was bisher nur vereinzelt genutzt wurde, hat durch das Virus eine ganz neue Relevanz erhalten und ist mittlerweile zur Selbstverständlichkeit geworden.

Trotzdem gibt es immer noch genug Baustellen – vor allem der Mittelstand nutze die Chancen, die in der Digitalisierung stecken, zu wenig, meint Prof. Dr.-Ing. Gerrit Sames von der Technischen Hochschule Mittelhessen. Ausnahmen, wie auf dem Smart Process Manufacturing Kongress 2019 präsentiert, gibt es zwar, aber bisher ist die Umsetzung von Digitalstrategien eine Domäne der Branchengroßen.

Immer noch umgibt die digitale Transformation der Nimbus, es ginge nur mit Mammutbudgets und sei nichts für KMUs. Viele Referenten, z.B. Dulaan Punsag-Odefey von Samson oder Frank Härtling von Bilfinger Next, räumen am 27. und 28. Oktober auf dem Smart Process Manufacturing Kongress mit einigen dieser Vorbehalte auf und zeigen: Auch kleine Schritte führen zum Erfolg. Es gelte jetzt, das Momentum zu nutzen, meint der zehnköpfige Eventbeirat und hat in in diesem Jahr den Slogan „Die Digitalisierung entmystifizieren“ für den Kon­gress definiert.

Mit Inspiration zum Kulturwandel

Seit Industrie 4.0 in der Prozess­industrie angekommen ist, hat sich herum gesprochen: Digitale Transformation bedeutet nicht nur neue Arbeitsweisen sondern in erster Linie Changeprozesse, veränderte Rollen für Führungskräfte aber auch Mitarbeiter und davor haben viele großen Respekt. Zum Kongressauftakt erwarten die Teilnehmer deshalb Inspiration und Motivation von Ilja Grzeskowitz, der in seiner Keynote das Thema Change in den Mittelpunkt stellt und wie man Widerstände – auch bei sich selbst – überwindet.

Event-Tipp der Redaktion

Unter dem Slogan „Die Digitalisierung entmystifizieren“ diskutieren die Teilnehmer auf dem Smart Process Manufacturing Kongress am 27. und 28. Oktober die aktuellen Herausforderungen der Digitalisierung. Schwerpunkt des Kongresses sind Best Practices mit Leuchtturmprojekten aus der Branche. Seien Sie dabei, wenn sich im Vogel Convention Center in Würzburg Fach- und Führungskräfte der Prozessindustrie über die digitale Transformation der Branche austauschen.

So manch einer fragt sich vielleicht, wie neue Rollenkonzepte in seinem Unternehmen aussehen könnten. Mit dieser Frage beschäftigen sich Uwe Beyer (Beyer & Kaulich Unternehmensberatung) und Robert Tordy (Virtual Fort Knox) in zwei interaktiven World-­Cafes. Hier gibt es die Gelegenheit, neue Rollen für Führungskräfte und Mitarbeiter zu erarbeiten und sich mit den nötigen organisatorischen Veränderungen zu beschäftigen.

Ohne Automatisierung geht nichts

Ohne Automatisierung sind vernetzte Systeme nicht denkbar und daher Grundlage jeder Digitalisierung. Folgerichtig ist die Namur, die größte Anwenderorganisation in der Prozessindustrie, in diesem Jahr mit an Bord des Kongressprogramms. Referent Wilhelm Otten, Senior Project Manager Corporate Projects bei Evonik und Vorstandsmitglied der Namur, gibt in seinem Vortrag einen Überblick über die Gesamtaktivitäten des Verbandes. Er erklärt, welche Rolle Automatisierung für die Digitalisierung im Anlagenlebenszyklus, in Engineering, Betrieb, Supply-Chain spielt und erläutert an Praxisbeispielen die Umsetzung und den Mehrwert der geschaffenen Lösungen.

Leuchtturm: Das Osram-Werk in Schwabmünchen

Auch dieses Mal gibt es ein echtes Leuchtturmprojekt, präsentiert von Ingo Hild. Der Betriebsleiter des Osram-Werks Schwabmünchen transformiert gerade den Standort von einem traditionellen zu einem Hightech-Werk. Als Erfolgsfaktoren hat er dabei die Lean-­Methoden, Data-Analytik, 5G Campusnetzwerk und Edge Computing identifiziert. In seinem Vortrag gibt er spannende Einblicke, wie das Pilot-Werk Schwabmünchen in den letzten Jahren zu einer Smart Factory transformiert wurde.

Vom Datensammler zum Prozessversteher

Das zweite große Themenfeld des ersten Kongresstages ist die Datenanalyse. Datenbasierte Entscheidungen sind die Grundlage für viele erfolgreiche Digitalisierungsinitiativen in der Prozessindustrie. Deshalb hat sich in den letzten Jahren viel getan, doch es gibt immer noch viele Baustellen. An Daten herrscht in der Chemie- und Pharmaproduktion wahrlich kein Mangel, aber oft bleibt es schwierig, verschiedene Quellen zusammenzuführen und mit der richtigen Fachkompetenz sowie Überwachungs-, Warn- und Analysetools in tatsächlich wertvolle Informationen umzuwandeln. Das alles sind Aspekte, die Frank Hertling, Director Business Development bei Bilfinger Digital Next, in seinem Vortrag adressiert. Er erklärt, wie digitale Lösungen in der Praxis aufgebaut werden, welche Vorteile nutzerbasierte Asset-Monitoring- und Alerting-Lösungen bringen und skizziert relevante Business Cases zur Prozess- und Energieoptimierung.

Auch bei Messtechnikhersteller Krohne beschäftigt man sich mit der Frage, was mit der Fülle an Daten, die heute im Prozess und an anderer Stelle erfasst werden, zu tun sei. Dr. Attila Bilgic, CEO bei Krohne will, dass die Daten zu einem neuen Verständnis führen und erklärt in seinem Vortrag, wie der achtfache Pfad Struktur in den Umgang mit den Daten bringt und zusätzlichen Nutzen stiftet.

Auch Big-Data-Projekte brauchen Standards

Durch den Boom an Plattformen und Analysetools gibt es eine Vielzahl an Methoden und Anbietern zur Analyse von großen Datenmengen (Big Data), was so manchen Anwender ratlos zurücklässt. Standardisierung und ein Rahmen durch eine Richtlinie, welche die Planung und Durchführung von Big-Data-Projekten vereinfacht, wären also hilfreich – und genau diese Anforderung deckt die neue VDI/VDE 3714 ab. Der Vortrag von Dipl.-Ing. Christoph Kugler, Gruppenleiter Digitalisierung beim Kunststoffzentrum SKZ, behandelt Entstehung und Inhalt der VDI/VDE 3714, die sich aktuell in der Freigabe befindet. Die ersten Blätter (1-3) liegen bereits als Weißdruck vor.

Der digitale Zwilling ist die Basis von allen

Vom digitalen Zwilling war auch schon in den vergangenen Jahren auf dem Smart Process Manufacturing Kongress viel die Rede, aber mittlerweile ist das Verständnis dafür gewachsen, was Entscheider tatsächlich mit dem Konzept anfangen können. Vollständig umgesetzt, kann daraus eine Digitalisierungsstrategie für eine neue Fabrik entstehen. Das zeigt Michael Graf, Director Consulting der Schubert Packaging Systems.

Schubert-Consulting analysierte im Kundenauftrag in einem mehrstufigen Prozess alle Produkt-, Prozess- und Verpackungsanforderungen, formte optimierte Prozessflüsse und entwickelte daraus Konzepte und Digitalisierungsstrategien für eine neue Fabrik. Auf der Plattform eines digitalen Zwillings entsteht die Konstruktion der Maschine im 3D-Format. Simultaneous Engineering ermöglicht die virtuelle Programmierung und Inbetriebnahme. Die Simulation der Verpackungsprozesse erfolgt in Echtzeit und schlägt im VR-Center die Brücke zur Realität.

Aber der digitale Zwilling kann noch weitaus mehr. Wenn er nämlich, wie im Vortrag von Evosoft-Spezialist Dr. Tobias Kufner, den digitalen Agenten trifft. Damit, so Kufner, lasse sich eine der größten Herausforderungen in der modernen Produktion bewältigen: schwankende Auftragsmengen, die Echtzeit-Verfolgung von Materialströmen und wie Verantwortliche Verzögerungen so rechtzeitig erkennen, das Reaktionen möglich sind.

Neue Geschäftsmodelle entlasten Betreiber

Digitalisierung eröffnet die Chance für neue Geschäftsmodelle, von denen auch Betreiber profitieren. ABB sammelt, vernetzt und analysiert Asset- und Betriebs­informationen rund um die Uhr in Collaborative Operations Centern und bietet auf dieser Basis digitalisierte Zustandsüberwachung für Rotating Equipment an, was Christian Kohlmeyer in seinem Vortrag ausführt. Pumpenhersteller Seepex geht das Thema Anlagenstillstände ganzheitlich an. Ein effizienter Prozess sei mehr als die Summe optimal betriebener Feldgeräte, sagt Referent Dr. Christian Brehm. In seinem Beitrag zeigt er an konkreten Kundenbeispielen, welche Möglichkeiten Condition Monitoring bietet und wo sich im Produktionsprozess Optimierungen heben lassen.

Und was gibt es noch? Dauerbrenner KI ist ein Kongressthema und auch zum modularen Anlagenbau sowie zu Sicherheit und Security gibt es allerhand Neues. Lassen Sie sich inspirieren, wenn es am 27. und 28. Oktober auf dem Smart Process Manufacturing Kongress heißt: „Die Digitalisierung entmystifizieren."

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