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Perspektiven

Dr. Karl-Ulrich Köhler von Rittal im Interview

| Autor: M. A. Benedikt Hofmann

In unserer Serie „Perspektiven“ kommen führende Köpfe aus Industrie, Forschung, Verbänden und Politik zu Wort. In dieser Ausgabe der Serie stellt sich Dr. Karl-Ulrich Köhler, Vorsitzender der Geschäftsführung von Rittal, unseren Fragen.

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Dr. Karl-Ulrich Koehler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rittal GmbH.
Dr. Karl-Ulrich Koehler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Rittal GmbH.
(Bild: Rittal)

Wie werden Vernetzung und Künstliche Intelligenz die Arbeitswelt in der Industrie verändern?

Wir befassen uns verstärkt mit dem Anlernen von Maschinen sowie der Steuerung und Optimierung von Prozessen. Der Anteil manueller Tätigkeiten verringert sich also auf Sicht erheblich – sowohl durch Automation als auch durch digitale Integration. Gerade in der digitalen Transformation kommt dem Wissen und Können der Mitarbeiter eine tragende Rolle zu. Erst ihre Kompetenzen machen die Fabrik wirklich „smart“. Sie stellen die Maschinen ein, überwachen die Produktionsprozesse, steuern die Auftragsabwicklung. Sie greifen ein bei Störungen und sorgen für Durchgängigkeit. Das sind spannende Aufgaben, die vor allem eines für den Mitarbeiter bedeuten: mehr Verantwortung.

Welche Herausforderungen entstehen daraus für unsere Gesellschaft?

Technologien ändern sich heute schneller als jeder Lehrplan. Das müssen Unternehmen und Mitarbeiter, aber auch die Politik auf der Agenda haben. Technologien entwickeln sich rasend schnell weiter, die Veränderungen müssen ganz klar Einzug halten ins Bildungssystem.

Nur wer versteht, was sich verändert, kann Neugier auf das Neue entwickeln – und will dann auch mitgestalten. Das ist gemeint, wenn wir heute von „lebenslangem Lernen“ sprechen. Die Idee dahinter ist aktueller denn je.

Sind das auch für Ihr Unternehmen die wichtigsten Veränderungen?

Rittal hat die Anforderungen einer digitalisierten Industrie in einer frühen Phase aufgegriffen. Wir haben in kurzer Zeit unser gesamtes Kernportfolio erneuert und als System auf Industrie 4.0 ausgerichtet. Damit steigern wir die Wertschöpfung unserer Kunden im Steuerungs- und Schaltanlagenbau und tragen damit zur Industrialisierung einer Schlüsselbranche bei. Darüber hinaus leisten wir mit unserem Portfolio an Edge-Rechenzentren, Cloud-Services, IIoT und Methodenerprobung, wie zum Beispiel Industrial Analytics, Pionierarbeit für intelligente Vernetzung und die Beherrschung komplexer Systeme.

In Mittelhessen fährt Rittal mit einem 250-Mio.-Euro-Invest gerade die weltweit modernste Produktion von Kompakt-Schaltschränken hoch, vollständig automatisiert und vor allem digital integriert – ein herausragendes Beispiel für Industrie 4.0. Das Werk setzt Maßstäbe und wird als Vorbild für die Rittal-Werke weltweit dienen. Gleichzeitig ist es Testfeld und Referenz für das Potenzial unserer eigenen Produkte und Services rund um das Industrial Internet of Things (IIoT) und cloudbasierte Industrial Analytics mit Edge Computing.

Dies ist nur möglich, weil unsere Mitarbeiter mitziehen und die Veränderung mitgestalten wollen. Wir investieren jedes Jahr rund zehn Millionen Euro in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Wir kooperieren mit Universitäten und Berufsschulen, um Nachwuchs zu fördern. Aus- und Weiterbildung ist die Grundvoraussetzung für Erfolg im Wandel – und die beste Sozialleistung, die ein Unternehmen bieten kann. Die digitale Transformation ist der Treiber unserer Unternehmensstrategie. Wir wollen ein Innovator der Branche sein. Das verspricht Erfolg in der Zukunft – für unsere Mitarbeiter, Kunden und Partner.

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Über den Autor

M. A. Benedikt Hofmann

M. A. Benedikt Hofmann

Chefredakteur, MM MaschinenMarkt