Automobilindustrie

Effizienz? Das können wir. Wandel müssen wir lernen!

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... die aber zumindest in China durch die Börsenkrise einbrechen: VW hat im Juni 22 % weniger Autos verkauft als im Vorjahresmonat. Wie eine Zukunftslösung wirkt das nicht!

Deswegen sagen ja manche OEM schon lange, sie sind Mobilitätsanbieter. Das wird aber erst noch kommen: dass ein OEM dafür sorgt, dass ich von A nach B komme, und es kann sein, dass da zwischendrin ein Auto ist oder ein Flugzeug oder ein Segway oder ein E-Bike oder alles kombiniert. Von einem Mobilitätsanbieter würde ich mir aber auch erwarten, dass er mir immer genau das richtige Fahrzeug hinstellt: Am Wochenende will ich vielleicht den schicken Sportwagen, zum Skifahren brauche ich etwas Großes. Sixt fängt schon an, so etwas anzubieten.

Definieren wir klassische Anforderungen: BMW arbeitet an mehreren Antriebstechnologien, die Automobile zukunftsfähiger machen sollen: vom Plug-in-Hybrid über das reine Elektrofahrzeug bis hin zum Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb. Die Vielfalt ist strategisch begründet. Für welches dieser Konzepte sehen Sie – heute – die beste Zukunft?

Jeder Hersteller ist gut beraten, mehrgliedrig zu fahren: Daimler zum Beispiel hat die Wasserstoff-Technologie längst produktionsreif – sie ist nur noch zu teuer. Dennoch sehe ich hier die besten Chancen, Wasserstoff ist leicht zu transportieren – auf der Hannover-Messe waren wieder interessante Ansätze zu sehen: Man kann Autos heute über Wasserstoff-Kartuschen betreiben: Große Autos fahren mit acht, kleinere eben nur mit fünf Kartuschen. Die batteriebetriebene Elektromobilität sehe ich eher als Übergangstechnologie: Lithium ist ein endlicher Rohstoff, die Salzseen in Chile gehen zur Neige. Und der Energiebedarf ist enorm: Wenn hier in Ludwigsburg zehn Elektrofahrzeuge mit Hypercharge-Funktion während eines Einkaufsbummels von vier Stunden zeitgleich aufgeladen werden würden, entspräche das dem Energiebedarf von 1100 Haushalten.

VDA-Präsident Wissmann verkündete Mitte Juni auf der Nationalen Konferenz Elektromobilität: „Das Auto der Zukunft fährt elektrisch, vernetzt und automatisiert.“ Würden Sie das nach den ersten I-Erfahrungen unterschreiben?

Na, ja – nur weil jetzt Hybridfahrzeuge zu den Elektrofahrzeugen gerechnet werden, haben wir ja nicht wirklich eine Million E-Einheiten auf der Straße. Bis zum Jahr 2020 möchte die Bundesregierung diese Zahl zwar erreicht haben, Stand heute ist der Markt allerdings noch nicht da. Technologisch ist das alles kein Problem, aber solange es sich nicht rechnet, werden die OEM nicht übermäßig in diese Technologien investieren. Der Vertrieb ist der limitierende Faktor. Bis 2017 werden die Batteriepreise weiter fallen, sodass es wirtschaftlicher wird, Elektroautos zu fahren als konventionelle Verbrenner.

Und zum Stichwort „vernetztes und automatisiertes Fahren“. Hat Wissmann damit Recht?

Ja – er sagt ja nicht wann. Wir glauben definitiv, dass das automatisierte Fahren auf Autobahnen kommen wird, bei Nutzfahrzeugen wie Lkw wird das schon ab 2020 technisch funktionsfähig sein. MHP berät auch Unternehmen der Landtechnik. Die zeigen Filme, da fahren neun Traktoren in einer Reihe über das Feld, von denen nur das mittlere Fahrzeug gesteuert wird. Die anderen acht fahren sensorgesteuert mit. Das ist natürlich enorm effizient. Und das Wendemanöver ist jedes Mal ein Erlebnis für Ingenieure. Bei der Privatnutzung wird es wohl noch länger brauchen, bis die Rechtsprechung zulässt, dass man sich beim Fahren auf etwas anderes konzentrieren darf.

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