Automobilindustrie

Effizienz? Das können wir. Wandel müssen wir lernen!

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Wesentliche Werte der deutschen Industrie – Fleiß, Disziplin, Standardisierung, hohe Qualität in der Massenfertigung – passen demnach nicht mehr zu den Werten einer Wissensgesellschaft mit ihren Möglichkeiten der Flexibilisierung von Produkten? Wie bewältigen Sie diesen Clash of Culture im Berateralltag?

Die, die MHP beauftragen, haben ja schon verstanden, dass sich etwas ändern muss. Wir versuchen, das Unternehmen aufzurütteln. In der Regel motivieren wir den Veränderungsprozess wieder über das Thema Effizienz, über die Optimierung. Dann beginnen wir mit einer kleinen Gruppe, den kreativen Leuten in der Führungsebene und mit den Querdenkern im Unternehmen, die Geschäftsmodelle komplett neu zu denken ...

Da ist es wieder, leicht abgewandelt: „Ich denke, dann habe ich eine Zukunft.“ MHP lebt gut vom Denken. Umsatz und Mitarbeiterzahl haben sich in den letzten vier Jahren mehr als verdreifacht. Die Berater profitieren vom Shareholder-Value-Streben: Ihre Hauptdienstleistungen werden von den OEM aus Kostengründen zunehmend outgesourct. Personal vorzuhalten, das man nur bei großen Veränderungen braucht, macht sich nicht gut bei Analysten. Beratung bei Produktentstehung,
Logistik, Produktion und Vertrieb – kann sich das ein kleiner Mittelständler überhaupt leisten?

... und das kostet? Nennen Sie doch mal eine Hausnummer!

... ach, mit einem ersten Projektschritt, mit einer Landkarte der Handlungsfelder und Workshops, ist man mit einem niedrigen fünfstelligen Betrag dabei! Wichtig ist dann aber, dass das Projekt nicht auf der Führungsebene versandet. Es geht darum, die neuen Botschaften in das gesamte Unternehmen zu senden.

Industrie 4.0 ist ja kein Produkt, sondern ein Prozess. Was bedeutet das für den Mitarbeiter? Die Erfahrung zeigt, was automatisiert werden kann, wird auch automatisiert – wie stellt er sich dem Verdrängungskampf? Das duale System, das Praxis aus Erfahrung schult, macht das für Zukunftstechnologien wirklich fit?

Wir müssen jedem Mitarbeiter klarmachen, dass die Wertschöpfung nicht nur aus der Ventilsteuerung oder aus der super gefrästen Nut kommt. Dafür müssen Maschinenbau und Informatik zusammenwachsen. In der Automobilindustrie gibt es ja nicht mehr den Mechaniker, sondern den Mechatroniker, wahrscheinlich brauchen wir im nächsten Schritt den Mechanik-Informatiker. Und in den Ingenieurwissenschaften müssen wir vom hypothese-geleiteten Ansatz zum Daten-Scientisten kommen, der in der Datenanalyse die Zusammenhänge erkennt, die vorher nicht zu sehen waren.

Sie sind Geschäftsführer eines Unternehmens, das Maschinen für die Automobilindustrie anbietet. Wie würden Sie dieses ausrichten, damit es für den Automobilbau interessant bleibt?

Ach, die „Großen“ wie Bosch oder Trumpf, die sind längst fit. Schwieriger wird es für die Kleineren, die immer noch alles darauf setzen, die Produkte, die Hardware besser zu engineeren. Die Hardware wird schneller Beiwerk werden, als Sie denken. Bald wird nicht mehr allein zählen, wie effizient man das Blech biegt, sondern die Bytes werden zählen. Ich würde neue Menschen, neues Gedankengut und neue Ideen in mein Unternehmen bringen – ein Meeresbiologe, der sieht die Dinge anders. Und ich würde mir überlegen, was meine Markenwerte sind und wie ich diese auf neue Produkte und Geschäftsmodelle übertragen kann. Warum soll ein Experte für Auto-Abgassysteme wie Eberspächer nicht auch Auto-Soundsysteme bauen können?

Das Interview führte Hans-Jürgen Kuntze, Publisher MM MaschinenMarkt.

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