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... geht's auch konkreter?
(...denkt länger nach…) Das klassische Dilemma der Beraterbranche. Man weiß so viel, könnte so viel erzählen, muss sich aber ständig fragen, wie viel man preisgeben darf. Oliver Kelkar ist ein gewandter Formulierer, verbalisiert sehr visuell: Er kleidet seine Aussagen immer in anschauliche Beispiele – wenn nicht gerade die Interna-Bremse kreischt. Wohl auch deshalb hat er die noch junge, aber schon erstaunlich erfahren wirkende Pressekollegin Katharina Krumbholz mitgebracht. Besser noch jemand, der gegebenenfalls auf die Bremse treten kann. (Kurzer Blickkontakt der beiden…)
... hm, Beispiele, über die ich auch reden darf? Porsche arbeitet mit RFID, also sicht- und berührungslosen Transpondern zur Identifikation von Bauteilen. In Erprobungsfahrzeugen kann der Verbauzustand mit über 1000 Bauteilen beim Durchfahren eines RFID-Gates identifiziert, dokumentiert und den Messwerten der anschließenden Erprobungsfahrt eindeutig zugeordnet werden. Das spart enorm Zeit und gibt Sicherheit. Auch im Service kann RFID eingesetzt werden, um Bauteile und deren Versionsstand sicher zu identifizieren, um das richtige Ersatzteil zu ermitteln.
Vorausschauende Wartung, bessere Bündelung, mehr Termintreue, höhere Produktqualität, weniger Lagerbestand, kürzere Rüst- und Durchlaufzeiten, weniger Ausschuss – auf 5 bis 6 % beziffern Unternehmensberater die Kostenersparnisse durch Industrie-4.0-Prozesse. Aus Ihrer Sicht realistisch?
Ja, das sehen wir bei MHP ähnlich, aber das ist doch nur einer der beiden wesentlichen Ansätze für die Industrie! Die Suche nach noch mehr EFFIZIENZ, die klassische Frage nach der Optimierung, nach dem ROI: Lohnt sich das – möglichst schon nach zwölf Monaten? Das sind wir in unserer Industrie gewohnt. Aber für die zweite wesentliche Aufgabe: den WANDEL, für neue Denkansätze, haben die meisten Unternehmer unter dem Druck des operativen Geschäfts weder die Zeit noch den Kopf.
Aber braucht es dafür nicht auch neues Denken? Wenn die Produktion Teil des Internets der Dinge ist, dann ist die Kunst des Datenhandlings, der Dateninterpretation sowie der Kommunikation entscheidend, nicht mehr das Produkt, die Maschine?
„Die Software dominiert meine schöne Maschine“ – ja, da kommen viele im Mittelstand, spätestens ab Tier3 noch nicht klar. Dabei bieten die Daten enorme Möglichkeiten. Noch ein Beispiel aus der Landwirtschaft: Claas. Deren Maschinen haben viele Sensoren. Die wissen genau, wie viel Nitrat in den Boden kommt, die messen den Abstand der Setzlinge, die wissen, mit welchem Reifendruck bei welcher Feuchtigkeit über den Acker gefahren wurde – und diese Daten sammeln die nicht nur bei einem Landwirt, sondern bei Hunderten. Wenn ich deren Ertrag vergleiche, dann kann ich das Säen optimieren, kann ich die Beratungsfunktion übernehmen und daraus ganz neue Geschäftsmodelle entwickeln. Viele Maschinenbauer haben Tausende Maschinen beim Kunden im Einsatz – aber das Bewusstsein um den Wert von empirischem, datengetriebenem Wissen ist noch nicht ausgeprägt genug.
Dem Herrscher der Daten winken also neue Geschäftsmodelle: der Bohrmaschinenanbieter, der keine Bohrer mehr verkauft, sondern Löcher. Kompressorenhersteller, die nicht Maschinen handeln, sondern Druckluft, kubikmeterweise abgerechnet über den Verbrauch – sind diese Modelle in der Automobilindustrie wirklich schon Alltag?
Ja, aber das sind noch wenige Beispiele. Das muss noch mehr über die Anbieter kommen. Wie gesagt, die OEM kaufen heute schon 80, 90 % ein. Wenn die Zulieferer solche neuen Modelle anbieten, dann wird die Automobilindustrie diese auch ernsthaft prüfen. Das Beispiel Vendor-managed Inventory hat doch gezeigt, wie gerne diese Industrie Prozesse auslagert. Alles, um was ich mich nicht selbst kümmern muss, ist gut.
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