Oberflächentechnik Eine der größten Lackierereien in China für SAIC Volkswagen

Redakteur: Mag. Victoria Sonnenberg

Trotz Pandemie übergab Dürr zum geplanten Termin eine der größten Lackierereien in China an SAIC Volkswagen. Mit 120 Karosserien pro Stunde ist das neue Werk in Anting eine Fabrik der Superlative.

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Via Tablets werden Qualitätsergebnisse digital erfasst. Die Analysesoftware DXQ Plant Analytics korreliert diese mit einer breiten Datenbasis, um Fehlermuster zu erkennen.
Via Tablets werden Qualitätsergebnisse digital erfasst. Die Analysesoftware DXQ Plant Analytics korreliert diese mit einer breiten Datenbasis, um Fehlermuster zu erkennen.
(Bild: Dürr Sytems AG)

Rund 3500 digitale Datenpunkte zeichnet eine smarte Lackierlinie allein für jede einzelne Karosserie auf. Daneben liefern Sensoren viele Gigabyte, etwa mit Prozesswerten zu Temperatur, Druck und Feuchtigkeit. Diese Informationen sind das Rohmaterial, um die Overall Equipment Effectiveness (OEE) einer Lackiererei zu steigern. Ein Beispiel aus der Praxis ist das neue Werk von SAIC Volkswagen Joint Ventures (SVW) in der Nähe von Shanghai, in dem diverse Elektro-Modelle und konventionell angetriebene Fahrzeuge gefertigt werden. Für die hochdigitalisierte Fabrik lieferte Dürr sowohl den kompletten Anlagenbau als auch das bislang umfangreichste Portfolio seiner eigenentwickelten Softwareprodukte aus der DXQ-Linie.

Die Digitallösungen wurden parallel zu Planung und Engineering des umfangreichen Anlagenbaus – von der Tauchlackierung Ro Dip über Lackierkabinen mit Trockenabscheidung Eco Dry Scrubber bis hin zum Trockner und der Abluftreinigung – entwickelt. Die digitale Anforderung von SVW deckte sich größtenteils mit dem Angebot der Digital Factory von Dürr, sodass viele neue DXQ-Produkte Einzug in das Werk fanden.

Alle Software-Funktionalitäten wurden zuerst in einer Testumgebung geprüft

Während der 1,5-jährigen Projektdauer arbeiteten sechs internationale Produktentwicklungsteams von Dürr mit jeweils bis zu zehn Entwicklern an den neuen Technologien. Um eine reibungslose IT-Installation in China zu gewährleisten, wurden alle Funktionalitäten der Software zuerst im Dürr-Headquarter in Bietigheim-Bissingen in einer Testumgebung geprüft, die 1:1 den Bedingungen in Anting entsprach.

Lebenszyklus jeder Karosserie nahtlos verfolgen

Für die übergeordnete Steuerung des Werkes setzt SVW nahezu alle Bausteine der Softwarelösung DXQ Control ein. Mit dieser lässt sich der Lebenszyklus jeder Karosserie nahtlos verfolgen. Das beginnt beim Eintreffen eines Fertigungsauftrags, wobei die Bestellinformation in konkrete Produktionsschritte übersetzt wird. Neben dem Auftragsdatenmanagement kommt auch das Modul DXQ Business Intelligence der Produktfamilie DXQ Control in einer neuen Ausprägung zum Einsatz. Erstmalig können Verbrauchsdaten, zum Beispiel Energie-, Wasser- oder Luftmengen, über lange Zeiträume historisch ausgewertet werden. So wird die Basis für nachhaltigen Anlagenbetrieb geschaffen. Ein weiteres Novum ist der Einsatz mobiler Apps diverser DXQ-Produkte. Beispielsweise können Mitarbeiter Alarmfunktionen direkt am Entstehungsort in der Anlage mit Tablets verwalten und filtern, etwa wenn eine Linie stillsteht.

Mobile Versionen haben für SVW auch den Vorteil, dass die Mitarbeiter über Tablets auf Wartungsdaten zugreifen können, indem sie QR-Codes an Komponenten der Anlage scannen. Informationen können so direkt am Entstehungsort abgerufen werden. So können die Mitarbeiter flexibler arbeiten, als dies mit stationären PCs möglich ist. Bei SVW in Anting wird zum ersten Mal die Wartungssoftware DXQ Equipment Maintenance für eine komplette Lackiererei eingesetzt und zwar ebenfalls als mobile Version. Die Software besitzt Schnittstellen zu den knapp 130 Steuerungen des Anlagenequipments und ermittelt darüber den jeweiligen Wartungsbedarf anhand aktueller Informationen wie Betriebsstunden oder Zählerwerten. Auch Anlagenteile anderer Lieferanten kann SVW dabei einbinden.

Via KI Muster erkennen

Mehrere Terabyte an digitalen Daten werden in der neuen Lackiererei pro Jahr gesammelt, gespeichert und von den intelligenten Algorithmen der Applikation DXQ Plant Analytics ausgewertet. Erkennt beispielsweise ein Mitarbeiter bei der Qualitätskontrolle eine Unregelmäßigkeit auf der Lackoberfläche, gibt er diese ins Tablet ein. DXQ Plant Analytics korreliert erfasste Qualitätsergebnisse mit Auftragsdaten (Produktionsnummer, Derivat, Farbe et cetera) und Prozessdaten auf Basis künstlicher Intelligenz, um Muster zu erkennen. Auf einer breiten Datenbasis lassen sich die Fehlerursachen zielgerichtet nachverfolgen und Maßnahmen ableiten. So lässt sich das System permanent optimieren. Erstmalig werden bei SVW in Anting auch Prozessdaten von Gewerken anderer Lieferanten in DXQ Plant Analytics ausgewertet, beispielsweise in der Applikationstechnik.