Erneuerbare Energien Energie vom eigenen Hallendach rechnet sich

Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Weniger Abhängigkeit von Energiepreisen und Stromkonzernen, selbst gesicherte Energieversorgung und deutlich sichtbares Hightech auf dem eigenen Unternehmen – viele Gründe sprechen für eine Solaranlage auf dem eigenen Hallendach. Beispiele zeigen, dass es öfter möglich ist als gedacht.

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Und es geht doch: Der Stahlrohrspezialist Schierle produziert seinen Strom selbst mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. (Bild: Schierle)
Und es geht doch: Der Stahlrohrspezialist Schierle produziert seinen Strom selbst mit einer Photovoltaikanlage auf dem Dach. (Bild: Schierle)

Kolbenstangen und Zylinderrohre für Hydraulik und Pneumatik sind die Spezialität der Schierle Stahlrohre KG mit Standorten in Neuss und Schkeuditz-Dölzig bei Leipzig. Sägen, Schleifen, Drehen, Fräsen, Honen, Richten und Polieren von Stahl und Edelstahl sind die Hauptverfahren zum Konfektionieren der Produkte mit Durchmessern bis 500 mm und Längen bis 10 m.

Photovoltaikanlagen versorgen Rohranbieter mit eigenem Strom

Doch jetzt wagt das Unternehmen etwas Neues: Solaranlagen erzeugen auf den Dächern der beiden Werke so viel Strom, wie das Unternehmen verbraucht – nicht nur für den Betrieb der Gebäude, sondern auch für die Produktion. In Neuss sind 1364 Module mit einer Gesamtleistung von 327,36 kWp installiert, in Schkeuditz sind es 222 Module mit einer Gesamtleistung von 54,39 kWp. Die Photovoltaikanlagen erzeugen pro Jahr circa 350.000 kWh Strom und sparen etwa 250 t CO2 ein.

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Nach sechs Monaten sieht sich der Fertigungsbetrieb weitgehend von Öl und Gas unabhängig. „Ich wollte auch mal ein Zeichen setzen, dass wir endlich mal versuchen, in der Energiepolitik auf eigenen Füßen zu stehen“, sagt Geschäftsführer Erwin Schierle. „Deutschland hat da ja einen herrlichen Tiefschlaf genossen.“

Photovoltaikanlagen trotz baulicher Probleme installiert

Von baulichen Herausforderungen ließ sich Schierle dabei nicht schrecken: Die Betriebsgebäude in Neuss sowie in Schkeuditz verfügen über ein Foliendach, das eine Befestigung der Photovoltaikanlage durch Bohren oder Dübeln nicht zulässt. Deshalb war eine Konstruktion gefragt, die durch Ballastieren der Windlast auf den 8 m hohen und freistehenden Gebäuden standhält. Durch die Wärmedämmung und große freitragende Spannweiten stand aber gleichzeitig nur eine Lastenreserve von 23 kg/m² zur Verfügung.

Gelöst wurde diese Herausforderung von der Firma Knubix: Ein mit Edelstahl verkleidetes Halterungssystem leitet die Windströme bestmöglich ab und verstärkt den Anpressdruck des Solarsystems auf das Hallendach. Das Schienensystem verteilt zudem die Kräfte auf die gesamte Installationsfläche. Eine geringe Ballastierung genügt dann, die Wind- und Schneelasten bei optimaler Standsicherheit einzuhalten.

Aufgebaut wurden bei den Photovoltaikanlagen monokristalline Solarmodule von IBC Monosol 240 TT aus deutscher Fertigung. Die 34 Mini-Central-Wechselrichter stammen vom deutschen Weltmarktführer SMA Solar.

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