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Energiemanagement

Energieaudit versus ISO 50001:2018 – was eignet sich für wen?

| Autor/ Redakteur: Julian König / Melanie Krauß

In diesem Jahr steht für viele Unternehmen die Wiederholung des Energieaudits an – ein guter Zeitpunkt, über eine mögliche Neuorientierung in Richtung ISO 50001 nachzudenken.

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DQS-Auditor Altan Dayankac im Zertifizierungsaudit.
DQS-Auditor Altan Dayankac im Zertifizierungsaudit.
(Bild: Martin Joppen / DQS GmbH)

Das EDL-G wurde in Umsetzung der europäischen Energieeffizienzrichtlinie (2012/27/EU, Artikel 8 der EED) vom deutschen Gesetzgeber im April 2015 verabschiedet. Die Absicht hinter dem Gesetz: den Energieverbrauch reduzieren, um die Klimaziele zu erreichen, die von der EU angestrebt werden. Davon betroffen sind alle Unternehmen, die nach Definition nicht zu den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gehören (siehe Kasten weiter unten).

Was mussten Betroffene tun?

Zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen mussten die betroffenen Unternehmen

  • entweder ein vier Jahre gültiges Energieaudit gemäß EN 16247-1 durchführen (lassen), damals mit Frist 5. Dezember 2015, später verlängert bis 31.12.2016,
  • oder ein vollumfängliches Energiemanagementsystem (EnMS) einführen, damals noch gemäß ISO 50001:2011.

In diesem Fall musste zum Ablauf der Frist lediglich der Beginn der Einführung des EnMS nachgewiesen werden. Bei Nichteinhaltung der Fristen drohte ein Bußgeld bis zu 50.000 Euro. Unternehmen, die bereits über ein EnMS nach ISO 50001 (oder EMAS) verfügten, und dies auch nachweisen konnten, waren von der Erfüllung der EDL-G-Anforderungen wegen bereits vorhandener Strukturen befreit.

Schnelle Lösung Energieaudit

Für viele Unternehmen war damals das Energieaudit die schnellere, einfachere und schlicht auch die billigere Lösung. Denn die europaweit anerkannte Norm EN 16247-1 ist eigentlich „nur“ ein Leitfaden für die Durchführung einer energetischen Bewertung – als Einstieg in das Thema und zur Erfüllung der EDL-G-Vorgaben durchaus geeignet. Unternehmen können damit Einsparpotenziale aufdecken und gegebenenfalls die Rentabilität möglicher Verbesserungsmaßnahmen ermitteln. Die Durchführung des Energieaudits kann durch einen zugelassenen externen Prüfdienstleister oder auch von einem internen Auditor mit der nötigen Qualifikation erfolgen (siehe BAFA-Merkblatt). Das Energieaudit schließt mit einem Bericht, ein Zertifikat wird nicht erteilt.

Was wird bei einem Energieaudit geprüft?

  • die Betriebsdaten zum Energieverbrauch und zu den Lastenprofilen für Strom; die gemessenen Daten müssen aktuell und belegbar sein
  • das Energieverbrauchsprofil von Gebäuden/Gebäudegruppen, Betriebsabläufen und Anlagen
  • die Lebenszyklus-Kostenanalyse
  • aus der Abbildung der Gesamtenergieeffizienz müssen sich wesentliche Verbesserungsmöglichkeiten ableiten lassen.

Das Energieaudit zielt also vor allem auf die Erfüllung der Grundanforderungen des EDL-G. Allerdings hat ein solches Audit eher den Charakter einer Momentaufnahme, die Einführung nutzbringender Managementstrukturen ist nicht vorgesehen. Es gibt keinen PDCA-Zyklus, weshalb auch kein Prozess zur fortlaufenden Verbesserung angelegt ist. Es stellt sich deshalb die Frage, ob ein Energieaudit gemäß EN 16247-1 für eine langfristig wirksame Senkung des Energieverbrauchs respektive eine deutliche Erhöhung der Energieeffizienz und damit auch zur effektiven Senkung der Energiekosten in jedem Fall eine angemessene Lösung darstellt.

Das bedeutet allerdings nicht, dass ein Energieaudit nach EN 16247-1 grundsätzlich die schlechtere Wahl wäre. Vor allem für Unternehmen,

  • deren Energiekosten nur einen überschaubaren Anteil an deren Gesamtkosten ausmachen,
  • die wenig komplexe Verbrauchsstrukturen aufweisen
  • und mit einer geringen Anzahl von Standorten auskommen,

kann das Energieaudit auch weiterhin die bessere Lösung sein. Wenn jetzt nach vier Jahren die Energieaudits zur Wiederholung anstehen, sollten jedoch Unternehmen, bei denen das Gegenteil der Fall ist, und die dazu Wert auf eine ausgereifte Managementstruktur legen, möglichst bald über einen Umstieg auf ISO 50001:2018 nachdenken.

Wer ist vom EDL-G betroffen? Alle Nicht-KMU, unabhängig von ihrer Energie-Intensität, also auch Dienstleister. Nach der offiziellen KMU-Definition müssen folgende Kriterien erfüllt sein, damit das EDL-G greift:
  • Mitarbeiteranzahl ab 250 Personen und Jahresumsatz über 50 Mio. Euro;
  • Mitarbeiteranzahl ab 250 Personen und Jahresbilanzsumme über 43 Mio. Euro;
  • öffentlich kontrollierte Organisationen, deren Unternehmensanteile oder Stimmrechte zu mindestens 25 % von einer staatlichen Stelle oder Körperschaft des öffentlichen Rechts kontrolliert werden, unabhängig von der Anzahl der Mitarbeiter und/oder der Höhe des Jahresumsatzes oder der Jahresbilanzsumme.
  • ISO 50001:2018 – die effektive Managementsystemlösung

    ISO 50001 wurde erstmals im Jahr 2011 herausgegeben, mit deutlicher Nähe zur Umweltnorm ISO 14001. Seit dem Abschluss der großen Revision von ISO 9001:2015 und ISO 14001:2015 im September 2015 stand jedoch fest, dass auch die Energiemanagementnorm (als letzte der großen ISO-Normen) an die neuen Strukturen angepasst werden musste, was zur Neuveröffentlichung im August 2018 führte.

    Diese Überarbeitung hat ISO 50001 noch einmal deutlich attraktiver gemacht, sodass vor allem energieintensiv wirtschaftende Unternehmen mit gehobenem Managementanspruch profitieren. Was die Erfüllung des EDL-G anbelangt: Mit der Implementierung von ISO 50001:2018 und einem gültigen Nachweis darüber (zum Beispiel ein DQS-Zertifikat) ist den rechtlichen Anforderungen nach wie vor genüge getan.

    Was macht ISO 50001:2018 interessant?

    ISO 50001:2018 bringt ihren Anwendern viele Vorteile, gerade auch aus Managementsicht. Die Norm basiert auf dem PDCA-Zyklus und liefert damit die Voraussetzung für fortlaufende Verbesserung im Sinn eines lernenden Managementsystems. Sie verfügt seit ihrer Revision über die gemeinsame Grundstruktur aller ISO-Managementsystemnormen (High Level Structure), was die Integration in bestehende ISO-Managementsysteme wesentlich erleichtert.

    ISO 50001:2018 betrachtet ausdrücklich interne und externe Themen, die sich auf die energiebezogene Leistung beziehungsweise das EnMS auswirken können. Die Norm ist prozessorientiert und risiken- beziehungsweise chancenbasiert. Die Verantwortung der obersten Leitung für das EnMS wird besonders hervorgehoben. Die Absicht dahinter:

    • Unterstützung bei der Einführung von (energiebezogenen) Verbesserungsprojekten,
    • Erhöhung der Akzeptanz und der Effektivität des EnMS,
    • Bereitstellung von Ressourcen (zum Beispiel für effizientere Maschinen/Anlagen),
    • Verteilung von Rollen und Befugnissen et cetera.

    Anspruchsvolle Anforderungen

    Als Energiemanagementnorm stellt ISO 50001:2018 einen Pool von anspruchsvollen Anforderungen, deren Umsetzung/Erfüllung jedoch die Erhöhung der Energieeffizienz, die Senkung des Energieverbrauchs und entsprechende Kosteneinsparungen ermöglicht – Fachtermini sind zum Beispiel:

    • energetische Ausgangsbasen (EnBs),
    • energetische Bewertung,
    • energiebezogene Leistung,
    • Energieleistungskennzahlen (EnPIs),
    • relevante Variablen und statische Faktoren

    Der Aufwand für die Implementierung und Zertifizierung eines EnMS gemäß ISO 50001:2018 hängt naturgemäß vor allem von der Komplexität der energetischen Situation im Unternehmen und der Anzahl der Standorte ab, aber auch von den allgemeinen Voraussetzungen, die ein Unternehmen mitbringt. Existiert bereits ein aktuelles, möglicherweise zertifiziertes Managementsystem nach einer ISO-Managementsystemnorm (z. B. ISO 9001:2015 und/oder ISO 14001:2015), ist die gemeinsame Grundstruktur bereits vorhanden, so dass „nur noch“ die energiespezifischen Anforderungen integriert werden müssen. Beim Umstieg zum Beispiel von der Lösung „Energieaudit gemäß EN 16247-1“ kann gegebenenfalls auf vorhandene Maßnahmen aufgebaut werden.

    Fazit

    Unternehmen, die unter das EDL-G fallen, aber eine eher einfache Energiestruktur mit vergleichsweise geringem Energieverbrauch haben, fahren mit der ersten Wiederholung des Energieaudits nach EN 16247-1 durchaus gut. Alle anderen sollten jetzt einen Umstieg auf ISO 50001:2018 ins Auge fassen und die genannten Vorteile der Energiemanagementnorm mitnehmen. Gerade Unternehmen, die bereits über ein (zertifiziertes) Managementsystem nach ISO 9001:2015 und/oder ISO 14001:2015 verfügen, können dabei gut auf bereits vorhandene Strukturen aufbauen.

    * Julian König ist Experte für ISO 50001 bei der DQS GmbH Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen in 60433 Frankfurt am Main, Tel. (0 69) 9 54 27-0, info@dqs.de, www.dqs.de

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