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Enflammbare Gase machen Schweißsprays zum Risiko

29.09.2006 | Redakteur: MM

Bei Schweißarbeiten müssen Schweißsicherheit, Korrosionsschutz und Arbeitssicherheit gewährleistet sein. Dazu gehört auch der sorgfältige Umgang mit schweißtechnischen Hilfsmitteln. Schweißsprays,...

Bei Schweißarbeiten müssen Schweißsicherheit, Korrosionsschutz und Arbeitssicherheit gewährleistet sein. Dazu gehört auch der sorgfältige Umgang mit schweißtechnischen Hilfsmitteln. Schweißsprays, die das Anheften von Schweißspritzern verhindern sollen, enthalten jedoch oft brennbare Propan-Butan-Gemische. Ein beispielhafter Unfall zeigt, was beim Umgang mit brennbaren Sprays passieren kann.Der Werkstoffübergang beim Schweißen mit abschmelzendem Zusatzwerkstoff ist auch dadurch gekennzeichnet, dass abhängig vom Verfahren in mehr oder weniger starker Form Schweißspritzer entstehen (Bilder 1 und 2). Aufgrund der Eigenart des Tropfenbergangs wird diese Erscheinung besonders beim MAG-Schweißen auffällig. Mit der Entwicklung von Mischgasen und speziellen Lichtbogenstreuerungen konnten zwar der Werkstoffübergang verändert und die Spritzerbildung verringert werden, das Problem Schwißsprziter ist aber weiterhin bekannt: Die Aufgabe, das Anhaften von Schweißspritzern zu verhindern, ist mit dem Einsatz spezieller Trennmittel verbunden; die Beseitugung fest sitzender Spritzer verursacht zusätzliche Arbeitskosten. Darüber hinaus sind umherfliegende Scheißsprizer eine bekannte Gefahr für die Arbeitssicherheit in der sSchwißtechnik. Schweißspritzer , die sich beim MAG-Schweißen in der Brennerdüse festsetzen, behindern bei zu großer Anhäufung den Scheißprozess - Schweißspritzer, die auf dem Grundwerkstoff festbrennen, stören das Bild einer ordentlichen Schweißverbindung und können Ansatzpunkte für Korrosion sein. Trennmittel, die das Anhaften von Schweißspritzern verhindern sollen, werden der Schweißtechnik in verschiedenen Formen angeboten: als wässrige Lösungen, die aus handlichen Druckflaschen oder Handpumpflaschen versprüht werden oder als das in der Praxis bekannte ,,Schweißspray". Welche Art oder welche Produkte verwendet werden, kann von den persönlichen Erfahrungen des Schweißers abhängen, der sich mit der Spritzerbildung und -beseitigung auseinander setzen muss; oft fällt die Entscheidung aber auch aufgrund eines ,,günstigen" Einkaufspreises, ohne darauf zu achten, wie arbeitssicher das Produkt ist.Sparsame Anwendung muss gewährleistet sein Bei der Auswahl eines Trennmittels müssen drei Besonderheiten der schweißtechnischen Praxis berücksichtigt werden. Sie betreffen die Forderungen der Schweißsicherheit, des Korrosionsschutzes und der Arbeitssicherheit.Die Forderung der Schweißsicherheit besteht darin, dass die Wirkung des Trennmittels bei sparsamer Anwendung erreicht werden muss. Darauf ist besonders beim Schweißen von Kehlnähten zu achten. Es muss ausgeschlossen werden, dass sich im Schweißgut Poren bilden oder zum Beispiel beim Schweißen von Feinkornstählen unter kritischer Beanspruchung wasserstoffinduzierte Risse entstehen.Das Trennmittel darf nachfolgende Korrosionsschutzarbeiten durch verringerte Haftfestigkeit der Beschichtung nicht beeinträchtigen. Aus Feuerverzinkungsbetrieben ist bekannt, dass bestimmte Trennmittel auch nach gründlicher Reinigung der Oberflächen mit alkalischen Lösungen und Beizsäuren nicht restlos beseitigt werden können und zu Fehlstellen in der Verzinkung führen. Die Feststellung, ob ein Trennmittel ,,verzinkungssicher" ist, muss sorgfältig und möglichst in Abstimmung mit einem Feuerverzinkungsbetrieb erfolgen.Das Trennmittel muss den typischen Arbeitsbedingungen in der Schweißtechnik angepasst sein. Es darf keine brennbaren oder explosiven Gemische bilden, und es darf keine gesundheitsgefährdenden Stoffe enthalten.Von Schweißsprays ist bekannt, dass mit ihnen ein sehr feines Versprühen und ein gleichmäßiges Benetzen der zu schützenden Oberfläche erreicht werden kann. Leider enthalten eine Vielzahl von Schweißsprays brennbare Propan-Butan-Gemische. Dass damit ein gefährliches Arbeiten verbunden ist, machen Hinweise zum Gebrauch dieser Produkte deutlich:- hochentzündlich, - von Zündquellen fernhalten, - für ausreichende Belüftung zur Vermeidung von brennbaren Dampf-Luft-Gemischen sorgen, - Spraydose nicht in Reichweite von Schweißspritzern aufbewahren, - Inhalt kann mit Luft explosive Gemische bilden.Produkte mit diesen Gebrauchsanweisungen sind den Bedingungen der schweißtechnischen Praxis nicht angepasst. Dass die Hinweise aber ernst genommen werden müssen, zeigen immer wieder Ereignisse mit Verpuffungen und Bränden und ein besonders schwerer und zu bedenkender Unfall.Austretendes Gemisch entzündete sich sofort Der Unfall wurde von einem Schweißspritzer verursacht, der auf eine Schweißspraydose fiel und sie durchschmolz. Die Dose war etwa 1 m von der Schweißstelle entfernt. Das austretende Gemisch aus Trennmittel und Treibgas entzündete sich sofort und es entstand ein 2 m langer Flammenstrahl. Der Flammenstrahl traf den Schweißer am ungeschützten Kopf, als er in diesem Augenblick seinen Schweißprozess beendete. Die schweren Verbrennungen machten einen längeren Aufenthalt im Krankenhaus erforderlich. Nachträgliche Versuche mit Schweißspraydosen, die ein brennbares Treibgas-Trennmittel-Gemisch enthalten, haben zu einem erstaunlichen Ergebnis geführt. Länge und Wirkungsdauer des Flammenstrahls sind von der Art der Beschädigung abhängig, sie können dazu führen, dass die Spraydose aufgrund der Druckentlastung mit dem Flammenstrahl unkontrollierbar wird.Der Unfall zeigt, dass besonders bei Schweißarbeiten Forderungen der Arbeitssicherheit beachtet werden müssen. Brände, Explosionen und Unfälle mit großen Schäden in Verbindung mit Schweißarbeiten sind in jüngster Zeit ausreichend bekannt geworden. Oft genug wurden sie durch Schweißspritzer oder glühende Teilchen aus Brennschneidprozessen ausgelöst.Zur Sicherheit am Arbeitsplatz des Schweißers gehört auch der Gesundheitsschutz. Bei Trennmitteln, die als Schweißspray angeboten werden, ist in letzter Zeit zunehmend zu beobachten, dass sie das gesundheitsgefährdende Dichlormethan (Methylenchlorid) enthalten. Die klein gedruckten Hinweise auf den Dosen ,,erzeugt irreversiblen Schaden" oder ,,kann irreversiblen Schaden erzeugen" werden entweder nicht gelesen oder nicht ernst genommen. Dichlormethan steht im Verdacht, ein krebserzeugender Stoff zu sein.Gebrauchshinweise wie ,,Spraydosen dürfen nicht in der Reichweite von Schweißspritzern aufbewahrt werden" oder ,,Die Spraydosen sind außerhalb der Schweißkabine in verschlossenen Behältern aufzubewahren" sind wenig hilfreich. Weil aus der Erfahrung diese Maßnahmen die Arbeitskosten erhöhen, werden sie in der Regel auch nicht eingehalten. Der Arbeitgeber, der für die Arbeitssicherheit und den Gesundheitsschutz in seinem Unternehmen die Verantwortung trägt, hat nach § 16 Absatz 2 der Gefahrstoffverordnung zu prüfen, ob Arbeitsstoffe mit einem geringeren gesundheitlichen Risiko als die von ihm in Aussicht genommenen erhältlich sind. Ist ihm die Verwendung dieser Stoffe zumutbar, und ist die Ersetzung zum Schutz von Leben und Gesundheit der Arbeitnehmer erforderlich, so darf er nur diese verwenden. Er hat es damit auch in der Hand, die Herstellung und den Vertrieb geeigneter Produkte zu erzwingen. Schweißsprays, die brennbar sind und explosive Gas-Trennmittel-Gemische bilden können oder Dichlormethan enthalten, sind gefährlich und für die Anwendung in der schweißtechnischen Praxis nicht geeignet.

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