Neue EU-Normungsverordnung

Der Maschinenbau braucht ein starkes Normungssystem!

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Normen sind nicht nur für den Maschinenbau essentielle Unterstützer

Harmonisierte Normen übersetzen gesetzliche Anforderungen in konkrete technische Lösungen. Wer sie anwendet, kann davon ausgehen, dass seine Produkte die gesetzlichen Vorgaben erfüllen – ohne zusätzliche nationale Nachweise oder Einzelprüfungen. Für den deutschen Maschinenbau mit einer Exportquote von gut 83 Prozent ist das ein entscheidender Vorteil. Denn Normen ermöglichen so den freien Warenverkehr im europäischen Binnenmarkt, reduzieren Kosten, beschleunigen Markteinführungen und sorgen so für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Gelten weltweit identische Anforderungen, erleichtert das den Zugang zu globalen Märkten zusätzlich, weil Produkte nicht mehr länderspezifisch angepasst werden müssen. Ein zentraler Erfolgsfaktor der Normung liegt dabei in ihrem Prinzip: Eine Norm entsteht im Konsens derjenigen, die sie anwenden – also Hersteller, Betreiber, Wissenschaft, Behörden, Arbeitsschutz und weitere Stakeholder.

Deutschlands Stärke in Sachen Normen darf nicht aufs Spiel gesetzt werden

Dieser offene und praxisnahe Ansatz sorgt dafür, dass Normen technisch fundiert, akzeptiert, marktrelevant und international anschlussfähig sind. Deutschland spielt in der europäischen und internationalen Normung außerdem traditionell eine führende Rolle, was vor allem im Maschinen- und Anlagenbau der Fall ist. Das ist der tatkräftigen Arbeit zahlreicher Expertinnen und Experten zu verdanken – unter anderem aus den VDMA-Mitgliedsunternehmen und dem VDMA selbst. Dieses Engagement trägt maßgeblich dazu bei, dass praxisnahe und weltweit anschlussfähige Standards entstehen können. Und diese starke Position gilt es nun, auch im Zuge der Reform zu sichern. Sie darf nicht durch zusätzliche bürokratische Hürden oder ineffiziente Strukturen geschwächt werden.

Damit aus dem „HASS“-System wieder ein „HAS-System“ werden kann

Die Herausforderungen liegen aber weniger in der Normung selbst als in den Prozessen rund um ihre Umsetzung. Ein zentrales Beispiel ist das sogenannte „Harmonised European Standards System“, kurz „HAS-System“. Hier prüfen und bewerten von der EU beauftragte Fachleute (HAS-Consultants), ob eine Norm den Anforderungen der jeweiligen EU-Richtlinie oder EU-Verordnung entspricht. Erst auf Basis dieser Bewertung entscheidet die EU-Kommission, ob die Fundstelle einer Norm im Amtsblatt der EU veröffentlicht wird, um dadurch ihre volle Wirkung entfalten zu können. In der Praxis gibt es aber Verzögerungen: Die Bewertungskriterien sind nicht immer transparent, Entscheidungen können unterschiedlich ausfallen, abgeschlossene Diskussionen müssen erneut geführt werden. Auch erfolgt die finale Prüfung erst am Ende des Prozesses – nach Fertigstellung der Norm durch die Experten in den Normungsgremien. Außerdem sind Nachbesserungen kurz vor der Veröffentlichung nicht selten. Für Unternehmen hat das direkte Konsequenzen: Wenn Normen nicht rechtzeitig verfügbar sind, geraten Entwicklungsprozesse ins Stocken, Zertifizierungsaufwände steigen, Markteinführungen verschieben sich. Normung verliert damit ihre zentrale Funktion, die Verlässlichkeit im richtigen Moment heißt. So wurde aus dem HAS-System immer mehr ein „HASS“-System. Eine Neuausrichtung der Zusammenarbeit der Europäischen Kommission mit den Normungsgremien ist daher dringend notwendig. Die Reform bietet deshalb die ideale Chance, aus einem Bremsfaktor einen Beschleuniger zu machen.

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