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Handling Europas größte Drogerie setzt auf robuste Saugnäpfe

Autor / Redakteur: Guido Bredlau / Mag. Victoria Sonnenberg

Bei Europas größtem Drogeriehändler werden pro Tag durchschnittlich 3500 Paletten angeliefert und kommissioniert. Ein großer Teil der Paletten wird mit Saugnäpfen aus einem speziellen Materialmix depalettiert und der Kommissionierungskette zugeführt.

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Bis zu 150 kg können auf einmal aufgenommen werden.
Bis zu 150 kg können auf einmal aufgenommen werden.
(Bild: Piab)

Dm ist aktuell der größte Drogeriehändler Europas. Im Jahr 2009 ging das Verteilzentrum in Weilerswist in Betrieb. Damit Produkte schnellstmöglich in die Filialen kommen, hat dm eine perfekt geplante, hocheffiziente Logistikkette aufgebaut. Diese stellt sicher, dass zwischen dem Eingang der Bestellung eines Produktes im Verteilzentrum und seiner Ankunft in der Filiale nur 96 Stunden liegen.

Eine zentrale Drehscheibe ist das 44.000 m² große Verteilzentrum in Weilerswist bei Bonn. Hier stellen mehr als 2000 Mitarbeiter Tag und Nacht die 12.500 verschiedenen Produkte, die auf bis zu durchschnittlich 3500 Paletten pro Tag angeliefert werden, für die Filialen zusammen. Die Paletten, die per Lkw geliefert werden, sind sortenrein mit umverpackten Waren beladen. Nach der elektronischen Eingangserfassung per Barcode und Gewichtsprüfung kommen sie in die Einlagerungsvorbereitung. Im ersten Schritt werden zunächst die obere Palettenabdeckung und die Transportfolie am Folienentfernungsplatz manuell entfernt.

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Ansaugroboter entladen Paletten und legen Produkte auf das Abtransportband

Anschließend entladen drei Ansaugroboter die Paletten und legen die Produkte auf das Abtransportband, wo sie Plätzen zugeführt werden, an denen Mitarbeiter die VPE-Deckel aufschneiden und entfernen. Anschließend werden die aufgeschnittenen VPE verbehältert und der weiteren Kommissionierung zugeführt. Die Einlagerungsvorbereitung ist ein zentrales Nadelöhr in der Logistikkette. Über das Warenwirtschaftssystem haben die Depalettierroboter alle Informationen über die Palette vorliegen und entladen die Umkartons mit hoher Taktfrequenz lagenweise. Dazu arbeiten sie mit einem Greifkopf, der mit 350 Piab-BX-52-Saugnäpfen bestückt ist. Dieser wird auf die Palette gesetzt und drückt die mit einem Mehrfachbalg ausgestatteten Saugnäpfe auf die Palette. Gleichzeitig saugt ein neben dem Roboter platziertes elektromechanisches Gebläse die Luft mit einem Saugdruck von 300 mbar durch ein Strömungsbegrenzungsventil aus den Saugnäpfen. Mit einer Leistung von 14,5 m3/min hält das Vakuum die Umverpackungen sicher und ermöglicht das Umsetzen auf das Abtransportband.

Saugnäpfe müssen schnell und sicher ein Vakuum ermöglichen

Die eingesetzten Saugnäpfe müssen höchste Anforderungen erfüllen. Sie müssen einerseits möglichst weich sein, um auf unterschiedlichen, unebenen und porösen Kartonoberflächen schnell und sicher ein Vakuum zu ermöglichen. Andererseits müssen sie äußerst robust gegenüber mechanischen Einflüssen und der abrasiven Wirkung von Tausenden Taktzyklen sein. Da Silikon-Saugnäpfe innerhalb kürzester Zeit verschleißen würden, arbeitet dm mit BX-52-Duraflex-Saugnäpfen von Piab. Diese bestehen aus zwei verschiedenen Komponenten aus einem speziellen Materialmix. Der Balg der Saugnäpfe ist aus einem festeren Polyurethan PU60 mit einem Härtegrad von 60 Shore A, die Dichtlippe aus weicherem, dennoch aber sehr verschleißarmem PU30 mit einem Härtegrad von 30 Shore A gefertigt. Die vielfach erprobten Standard-Saugnäpfe sind überdies mit einem feinmaschigen Filtersieb im Balg ausgestattet. Dieses verhindert, dass Staub und Kartonreste in das Vakuumsystem gezogen werden und dessen Wirkungsgrad reduzieren oder es beschädigen.

Spezielle Be- und Entlüftung sichert hohe Taktfrequenz

Die Duraflex-Saugnäpfe verfügen über eine Haltekraft von 5,5 kg und arbeiten mit einem speziellen Vakuumier-/Devakuumierverfahren. Beim Aufsetzen der Bälge auf die Palette werden diese leicht zusammengepresst. Anschließend wird die Luft durch ein sehr kleines Ventil abgesaugt und das Vakuum erzeugt. Die geringe Ventilgröße verhindert Probleme bei der Vakuumerzeugung, wenn ein Balg zwischen zwei Kartons sitzt oder ein Karton beschädigt ist. Nach dem Absetzen der Kartons wird das Drosselrückschlagventil geöffnet und die Luft gelangt über mehrere Löcher extrem schnell wieder in den Balg. Die Anlage depalettiert Kartons mit unterschiedlichsten Oberflächen und Abmessungen von 150 mm × 150 mm × 100 mm bis zu 600 mm × 400 mm × 300 mm. Dabei ist die maximale Höhe über einen nachgelagerten Prozess begrenzt. Die Maximallast pro Lage liegt bei 150 kg.

Die Saugnäpfe überzeugen durch Langlebigkeit

Nach knapp zehn Jahren Dauerbetrieb haben sich die eingesetzten Saugnäpfe bewährt. José Luis Costa Blanco ist Gruppenleiter Technik Kombi-Verteilzentrum bei dm und zeigt sich sehr zufrieden: „Nach Festlegung des Anforderungsprofils empfahl der von uns beauftragte Generalunternehmer die Saugnäpfe von Piab. Wir sind äußerst zufrieden mit dieser Wahl. Die Saugnäpfe haben uns mit ihrer Zuverlässigkeit, ihren langen Standzeiten und durch ihr absolut problemloses Handling überzeugt.“

Im Wartungsplan hat dm festgelegt, dass die Saugnäpfe alle zwei Jahre getauscht werden. Diese Maßnahme geschieht prophylaktisch, um jederzeit die maximale Betriebssicherheit zu gewährleisten. Nennenswerte Schäden oder Ausfälle der Saugnäpfe waren bisher nicht zu verzeichnen. Dabei ist das Handling der Saugnäpfe äußerst einfach, schnell und bedienerfreundlich. Einmal wöchentlich werden sie am Roboter gereinigt, alle vier Wochen werden sie für eine Grundreinigung demontiert. Dazu werden sie in einer handelsüblichen Waschmaschine bei 60 °C gewaschen, getrocknet und anschließend wieder montiert.

Dezentral erzeugtes Vakuum

Neben den BX-52-Saugnäpfen sind am Arbeitskopf der Roboter weitere Piab-Produkte eingesetzt. Beim Entfernen von Zwischenlagen haben sich die patentierten Piab-Coax-Ejektoren bewährt. Diese arbeiten durch das dezentral erzeugte Vakuum schnell und leistungsstark. Dabei fährt der Arbeitskopf nach jeder umgesetzten Lage zunächst über die Palette und prüft, ob eine Zwischenlage vorhanden ist. Sofern das der Fall ist, wird diese auf ein Abfalltransportband gesetzt bevor die nächste Produktlage umgesetzt wird.

* Guido Bredlau ist Gebietsverkaufsleiter bei der Piab Vakuum GmbH in 35510 Butzbach, Tel. (0 60 33) 79 60-0, info-germany@piab.com

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