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Auslandsmärkte Fachkräftemangel bremst Tschechien aus

Autor / Redakteur: Stéphane Itasse / Stéphane Itasse

Märkte Tschechiens Vorteile schwinden dahin. Die Unternehmen beklagen in einer Umfrage der Deutsch-Tschechischen Handelskammer vor allem fehlende Fachkräfte und die Berufsausbildung, auch die steigenden Lohnkosten belasten. Noch bekommt das Land gute Noten.

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Die niedrigen Lohnkosten sind immer weniger eine tragende Säule der tschechischen Wirtschaft.
Die niedrigen Lohnkosten sind immer weniger eine tragende Säule der tschechischen Wirtschaft.
(Bild: Siemens)

Weitere Kritikpunkte in der jüngsten Konjunkturumfrage der Deutsch-Tschechischen Handelskammer (DTIHK) waren steigende Arbeitskosten, mangelnde Transparenz in der öffentlichen Auftragsvergabe sowie Korruption.

Abkühlung für 2019 erwartet

Obwohl die Wirtschaftslage als sehr gut bewertet wird, erwarten die Unternehmen eine Eintrübung für 2019. Im Nachgang des Spitzenjahres 2018 betrachten 70 % von ihnen die aktuelle Lage der tschechischen Wirtschaft als „gut“ und nur 1 % als „schlecht“. Doch erwartet in der Umfrage jedes dritte Unternehmen, dass sich der Wirtschaftsausblick 2019 verschlechtert. Bei den Industrieunternehmen sind es sogar 42 %. Vor einem Jahr gingen nicht einmal 10 % von einer Verschlechterung aus. „Internationale wirtschaftspolitische Entwicklungen, sei es der Brexit oder Handelskonflikte, sowie teilweise hausgemachte Barrieren sorgen für Verunsicherung, die sich auch in den Erwartungen der Unternehmen abzeichnet“, sagt DTIHK-Geschäftsführer Bernard Bauer.

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Auch beim eigenen Geschäft sind die Investoren weniger optimistisch. Nur noch 29 % erwarten eine weitere Steigerung ihrer Exporte, vor einem Jahr war es noch mehr als jedes zweite Unternehmen. „Sorgen bereitet der Rückgang der Auslandsnachfrage, insbesondere beim tschechischen Exportmotor, der Automobilbranche“, erläutert Bauer. Außerdem rechnet fast jedes dritte Unternehmen für die Zeit nach dem Brexit mit einem Rückgang der Exporte nach Großbritannien.

Die Hürde für Wachstum heißt weiter Fachkräftemangel. Aufgrund der personellen Engpässe muss jede sechste Firma Aufträge ablehnen. Zum ersten Mal liegt zudem das „Berufsbildungssystem“, das Dauerkritik für seine praxisferne Ausrichtung kassiert, auf dem vorletzten Platz im Ranking der 21 Standortfaktoren. Die Firmen ergreifen daher selbst die Initiative: Jedes zweite Unternehmen arbeitet mit Schulen zusammen, jedes vierte bildet im praktischen Teil selbst aus.

Automation statt Fachkräften

Größere Unabhängigkeit vom Arbeitsmarkt erhoffen sich die Firmen von entsprechenden Investitionen. Drei von fünf Unternehmen gaben an, zuletzt in die Digitalisierung und Automatisierung investiert zu haben, um den Mangel an Fachkräften abzufedern. Im Schnitt fließen in die Automatisierung der Prozesse 20 % aller Investitionen eines Unternehmens, bei manchen sogar bis zu 90 %.

Am häufigsten greifen die Unternehmen bisher jedoch zu Lohnerhöhungen und Sonderzahlungen („attraktivere Arbeitsbedingungen“), um im Konkurrenzkampf um Arbeitskräfte zu bestehen. Jede zweite Firma rechnet mit einer Steigerung der Lohnkosten zwischen 3 und 8 %. Auf einen noch stärkeren Anstieg stellt sich jede fünfte Firma ein. Das sind zwar weniger als vor einem Jahr (38 %), dennoch schlägt sich diese Entwicklung negativ in der Standortbewertung der Investoren nieder. Die Investoren lassen den Faktor „Arbeitskosten“ im Ranking weiter absacken.

Im internationalen Vergleich rutscht Tschechien damit nach drei Jahren als Spitzenreiter von 15 mittel- und osteuropäischen Ländern auf Platz 2 hinter Estland. Polen folgt an dritter Stelle.

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