Online-Kreditmarktplätze

Fintechs für die Industrie

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Emotionen statt Sicherheiten

Hier unterscheiden sich Kapitalmarktplätze dann auch im Kern zur klassischen Bankfinanzierung. Wo Banker Grundschulden, Sicherungsübereignungen und persönliche Bürgschaften verlangen, reicht der Summe der privaten Anleger Geld dafür eine glaubhafte Story. „Statt Sicherheiten zu kassieren, wollen die Leute an das Projekt glauben“, verdeutlicht Christopher Grätz, CEO von Kapilendo. Daher sind Kreditalternativen über die Crowd vor allem geeignet, um Betriebsmittel für Wachstum zu finanzieren oder um Digitalvorhaben anzuschieben. „Dafür geben Banken ungern Geld“, weiß auch DFT-Vorstand Haller. Wenn Investitionen nicht Ratio getrieben sind, tun sich Geldhäuser schwer mit dem Verleihen – „Emotionen sind den Banken nicht erlaubt“, betont Pitter.

Die Krux: Diese Denke hat sich in den zurückliegenden Jahrzehnten dermaßen manifestiert, dass sich gestandene Mittelständler bis heute daran klammern. Dabei ist der Markt in Bewegung wie nie: „Online Alternativen zur Hausbank sind da, jetzt beginnt die Lernphase“, vermutet Pitter. Die Rechnung ist einfach: Wenn Firmeninhaber erkennen, dass Finanzierung nichts mehr sein muss, was hinter verschlossenen Türen geschieht, sondern über die Öffentlichkeit zur Marketingmaschine mutieren kann, werden Kreditalternativen gefragter sein.

Das haben inzwischen sogar alt eingesessene Bankhäuser verstanden. Laut GFT-Studie kooperieren mehr als die Hälfte von ihnen (57 %) mit Fintechs oder sorgen im eigenen Laden dafür, dass digitale Projekte entstehen. Eine Umfrage der TU Darmstadt bestätigt zudem einen Vorstoß der Fintechs in den Mittelstand. Dreiviertel der befragten Finanzentscheider aus mittelständischen Industriefirmengaben an, dass sie für kurzfristige Kredite digitale Anbieter in Betracht ziehen. Nicht nur deshalb arbeiten immer mehr Banken mit Fintechs zusammen.

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