Die Commerzbank etwa mit der Kreditplattform Iwoca, über die Selbstständige und kleine Unternehmen Geld leihen können. Die Sparda Bank Berlin kooperiert mit dem Online-Kreditmarktplatz Funding Circle. 500.000 Kunden erhalten Zugang zu regionalen Projekten und können in diese investieren. Von solchen Kooperationen erhoffen sich beiden Seiten Dynamik: Die Crowdfinanzierer schätzen die Sicherheit der klassischen Kreditinstitute. Die Banken wollen von der Innovationskraft der Fintechs profitieren. Darüber hinaus geht es im Geldgeschäft um Rating und Regulatorien.
Können Banken zusätzlichen, kleineren Kreditbedarf (bis zu einer halben Million Euro) quasi auslagern, bleibt für künftige, größere Projekte mehr Luft. Ein anderer Aspekt sind Mischfinanzierungen. Die sogenannten Mezzanine mixen Eigen- und Fremdkapital. Ein Vorteil: Diese Finanzform verbessert das Rating, weil der Eigenkapitalanteil steigt. Der Bankkredit wird billiger – oder zumindest nicht teuer.
Ein Hersteller aus Hessen hat das verstanden: Die 1985 gegründete Firma Stehr Baumaschinen produziert und vertreibt Spezialgeräte für den Straßenbau. Für eines der Firmen-Patente ist die Auftragslage besonders gut. Allerdings fehlen Mittel, um Produktionskosten für den neuen Plattenverdichter aus dem Cashflow zu stemmen. Statt einer dreiviertel Million Euro streckt die Bank nur eine halbe vor. Um die restlichen 250.000 Euro zusammen zu bekommen, setzt Stehr ebenfalls auf private Investoren.
Über gesponserte Posts bei Google, Facebook & Co. sehen potentielle Geldgeber, dass Stehr mit dem Geld einen patentierten Plattenverdichter produzieren will. Was genau die Maschine kann, finden Anleger online. Binnen drei Tagen greifen sie zu. Die Produktion kann starten. Ob der Kredit nebst 5,25 % Zinsen bis in vier Jahren vollständig zurückbezahlt sind, ist offen. Kapilendo-Gründer Grätz hat bei mehr als 30 Projekten bisher einen Ausfall. Glück im Unglück: Nur die letzten zwei Raten sind ausgefallen. Die Anleger haben die Hälfte ihres Investments zurückbekommen. Deshalb dürfen nur maximal 10.000 Euro pro Investor und Projekt über den Tisch gehen.
KPMG-Beraterin Pitter vermutet, dass die Bafin genau zuschaut, wie das alternativ kreditierte Volumen wächst. Es werde demnächst Vorgaben geben, urteilt die Fachfrau. So wie in China. Dort haben Behörden Regeln definiert und bei Nichteinhaltung kurzerhand Fintechs geschlossen. 500 von etwa 4000 Plattformen hat es erwischt. Pitter sieht es für Europa nicht ganz so dramatisch. Die EU wolle ein funktionierendes Spielfeld erhalten, sagt sie. Der online Kreditmarkt soll weiter wachsen. Beschleunigt werde er womöglich von einer dritten Seite. Blockchain ist das Stichwort. Die neue Transfertechnologie bietet sichere Abwicklungswege für Geldströme, die bislang über Bankenrechner laufen – soweit die Idee. Springen die Kredit-Fintechs auf den Technologie-Trend auf, könne das katalytisch wirken. Eine sichere Bank bräuchte dann keiner mehr.
* Michael Sudahl ist Journalist aus 73614 Schondorf