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Nachwuchskräfte

Fit für die Ausbildung der Zukunft

| Autor: Melanie Krauß

Von zertifizierten Zusatzqualifikationen über den Einsatz von Lernplattformen, moderner Technik und neuen Methoden bis hin zur gezielten Weiterbildung der Ausbilder können Unternehmen viele Möglichkeiten nutzen.
Von zertifizierten Zusatzqualifikationen über den Einsatz von Lernplattformen, moderner Technik und neuen Methoden bis hin zur gezielten Weiterbildung der Ausbilder können Unternehmen viele Möglichkeiten nutzen. (Bild: ©industrieblick - stock.adobe.com)

Spätestens mit der Teilnovellierung der Metall- und Elektroberufe im vergangenen Jahr hat das Thema Digitalisierung Einzug in die Ausbildung gehalten. Nun ist es an den Unternehmen, diese Inhalte zu vermitteln. Dabei gibt es zahlreiche verschiedene Ansätze.

Wissen hat eine immer geringere Halbwertszeit. Das, was ein Mitarbeiter heute lernt, kann in einigen Jahren schon wieder überflüssig sein, da sich die Technik entsprechend weiterentwickelt hat. Transformation ist ein Prozess, der immer neue Fähigkeiten und Fertigkeiten erfordert. Auch wenn Unternehmen sich nicht perfekt auf die Zukunft einstellen können, ist es enorm wichtig, bereits frühzeitig die Weichen zu stellen. Das gilt insbesondere in der Ausbildung.

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Um dem digitalen Wandel gerecht zu werden, wurden im vergangenen Jahr die Ausbildungsberufe in der Metall- und Elektroindustrie überarbeitet. Neu hinzugekommen ist unter anderem die integrative Berufsbildposition 5, die die Themen Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit zum Teil der Ausbildung macht. Die Inhalte sind für alle Auszubildenden verpflichtend und gehören zu den Minimal­anforderungen, die von jedem Unternehmen vermittelt werden müssen.

Speziell für den Bereich Industrie 4.0 gibt es darüber hinaus seit dem 1. August 2018 noch sogenannte Zusatzqualifikationen, die ebenfalls von der IHK geprüft werden. Sie umfassen die Themen:

  • Systemintegration
  • Prozessintegration
  • additive Fertigungsverfahren
  • IT-gestützte Anlagenänderung
  • digitale Vernetzung
  • Programmierung
  • IT-Sicherheit

Zusätzliche Qualifikation, zusätzlicher Aufwand

Die Zusatzqualifikationen sind optional und können von den Auszubildenden, wie der Name bereits sagt, zusätzlich zum grundlegenden Stoff erworben werden. Insgesamt wird dafür ein Zeitraum von acht Wochen veranschlagt, der jedoch innerhalb der regulären Ausbildungszeit untergebracht werden muss.

Für Unternehmen bedeutet das zunächst zusätzlichen Aufwand. „Es lohnt sich immer“, ist jedoch Sven-Uwe Räß, Abteilungsleiter Berufsbildung bei Gesamtmetall, überzeugt. „Es lohnt sich schon allein in dem Moment, in dem ich das Signal aus den Fachabteilungen kriege: Das ist für uns ein Thema.“ Denn was man in der Ausbildung qualifiziert, muss man später nicht mehr nachqualifizieren. „Während der späteren Facharbeitertätigkeit nachzuqualifizieren, kostet das Unternehmen am Ende wesentlich mehr Geld“, so Räß.

Wichtig bei der Frage, ob Zusatzqualifikationen für ein Unternehmen infrage kommen, ist also in jedem Fall die Abstimmung mit den jeweiligen Fachabteilungen. Dort sollte analysiert werden, welche Qualifikationsanforderungen in den nächsten Jahren und Monaten bestehen und ob und wie sich die Produktionsverfahren im Unternehmen gegebenenfalls verändern. Darauf basierend kann dann eine Entscheidung getroffen werden, ob Zusatzqualifikationen in der Ausbildung für das Unternehmen sinnvoll sind oder nicht.

„Wenn es jetzt natürlich darum geht, dass ich eine materielle beziehungsweise technische Investition machen muss für diese Zusatzqualifikation, dann muss ich natürlich überlegen, ob ich das mache“, schränkt Räß jedoch ein. Allerdings gebe es ja auch viele Themen, wie beispielsweise IT-Sicherheit, die zunächst gar keine große finanzielle Investition voraussetzen.

Möglichkeiten zur Kooperation nutzen

Eine weitere Alternative wäre die Kooperation mit anderen Unternehmen. Plant ein Betrieb beispielsweise die Anschaffung einer teuren 3D-Druck-Anlage, könnte diese gegen einen Vergütungssatz ebenfalls von Auszubildenden anderer Unternehmen in der Region im Rahmen einer Verbundausbildung genutzt werden, schlägt Räß vor.

Die Zusatzqualifikationen spielen auch bei Festo schon seit Längerem eine Rolle. Im Jahr 2016 – und damit vor der Teilnovellierung der Metall- und Elektroberufe – hat das Unternehmen in Zusammenarbeit mit der IHK Saarland zum ersten Mal zusätzlich das Thema Industrie 4.0 in die Ausbildung zum Mechatroniker aufgenommen. Stefan Dietl, Leiter der Berufsausbildung, hält die Themen sogar für so relevant, dass sie seiner Meinung nach ins Berufsbild gehören und nicht nur als Zusatzqualifikation angeboten werden sollten.

Bei Festo haben die Auszubildenden teilweise von Beginn an eigene Notebooks und in der Ausbildung selbst wird regelmäßig in neues Equipment investiert. Zudem befasst sich das Unternehmen derzeit mit neuen Ausbildungszeitmodellen, beispielsweise in Form von Onlinekursen, die unabhängig vom Standort angeboten werden können.

„Das Thema digitale Transformation in der Ausbildung ist mehr als der Einsatz von Smartphone und Apps“, sagt Dietl. „Technik ist wichtig, aber nach wie vor steht der Mensch im Mittelpunkt.“ Der Ausbildungsleiter möchte daher Themen anstoßen, die künftig nicht von Künstlicher Intelligenz übernommen werden können. Dazu gehören Kreativität, aber auch Werte und ein guter Umgang miteinander.

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Das Handy ist der neue Taschenrechner

Auch bei Arburg macht man sich Gedanken über das Zusammenspiel von Mensch und Technik und nutzt dabei kreative Ansätze. Für Ausbildungsleiter Michael Vieth ist es entscheidend, die Welt, in der die Auszubildenden unterwegs sind, mit in die Ausbildung zu holen.

So ist es im Unternehmen nichts Ungewöhnliches, die Auszubildenden mit dem Smartphone in der Hand anzutreffen. „Das ist nichts Negatives, dass er schon wieder mit dem Handy dort herumsteht“, erklärt Vieth. „Die Auszubildenden haben keinen Taschenrechner mehr, sie tun das mit dem Handy, also dürfen sie das auch an der Maschine benutzen. Daran müssen wir uns gewöhnen.“

Allerdings benutzen die Auszubildenden bei Arburg ihre Smartphones nicht nur als Taschenrechner. Im letzten Jahr hat das Unternehmen damit begonnen, auf selbst gedrehte Lehrvideos statt Werkstücke zu setzen – und gute Erfahrungen damit gemacht. „Das Ganze hilft dabei, dass die jungen Leute ihre eigenen Tätigkeiten selbst überprüfen. Dadurch lernen sie unheimlich viel“, so Vieth. „Das heißt, es geht nicht so sehr um das Filmen oder darum, dem Ausbilder etwas vorzuzeigen, sondern es geht tatsächlich darum zu reflektieren.“

Ein weiterer Vorteil dieser Lehrvideos ist, dass sie auch für nachkommende Jahrgänge genutzt werden können. „Wenn da verwendbare und gute Dinge dabei sind, ist das genau das, womit der nächste seine Einführung in das Thema bekommt“, berichtet der Ausbildungsleiter. Voraussetzung ist, dass die Auszubildenden, die den Film gedreht haben, dem auch zustimmen. Andernfalls werden die Videos, nachdem sie mit dem Ausbilder besprochen wurden, wieder gelöscht.

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Die Ausbilder fit machen

Doch auch hier müssen zunächst einige Hemmschwellen überwunden werden. Während die Auszubildenden sich vor allem Gedanken darüber machen, dass in den Videos ihre Stimme zu hören ist, haben die Ausbilder laut Vieth „ganz viele andere Wenns und Abers im Kopf“. Sie sind nicht nicht mit derselben Medienkompetenz aufgewachsen. Wichtig sei es dennoch, sie dazu zu bringen, der richtige Partner für die Jugendlichen zu sein, diese Themen aktiv anzusprechen, aktiv zu betreiben und auch einzufordern.

An dieser Stelle setzt die Nachwuchsstiftung Maschinenbau an. Auch sie hat die Erfahrung gemacht, dass man beim Thema “wie können digitale Medien in der Ausbildung eingesetzt werden?“ offene Türen einrennt. Mit ihrer Lernplattform Mobile Learning System (MLS) kann der Ausbildungsalltag in den Unternehmen digital abgebildet werden. Der Ausbilder hat nicht nur die Möglichkeit, Aufgaben über die Plattform zuzuweisen, sondern auch der Lernfortschritt über die gesamte Ausbildungszeit wird digital dargestellt.

Interdisziplinarität und Zusatzqualifikationen spielen in der Ausbildung in Vorbereitung auf die neuen Arbeitswelten die größte Rolle.
Interdisziplinarität und Zusatzqualifikationen spielen in der Ausbildung in Vorbereitung auf die neuen Arbeitswelten die größte Rolle. (Bild: MM Maschinenmarkt)

„Ältere Ausbilder, die ja nicht zu den Digital Natives gehören, stehen in der besonderen Herausforderung, sich mit aktuellen Technologien auseinanderzusetzen“, sagt Andre Wilms, Leiter des Standorts Nord bei der Nachwuchsstiftung Maschinenbau. „Jedoch merken wir, dass sie gerade beim Thema digitale Medien aufgeschlossen und interessiert sind.“

Neben der Plattform MLS bietet die Nachwuchsstiftung unter anderem persönliche Coachings für Ausbilder an. Besonders gefragt sind hier laut Wilms Themen, die im engeren Sinne auf Digitalisierung beziehungsweise Industrie 4.0 abzielen. Während die Stiftung gemeinsam mit ihren Netzwerkpartnern die Kursgebühr für Berufsschullehrer übernimmt, fällt bei Ausbildern eine Kostenbeteiligung an, die sich nach Bedarf und Anzahl der zu qualifizierenden Ausbilder richtet.

Ein ähnliches Projekt ist das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt Empa, kurz für Experte/Expertin für Medienpädagogik in der Ausbildung. Der Onlinekurs soll Ausbildende in gewerblich-­technischen Berufen befähigen, digitale Medien effizient und sachgerecht einzusetzen. Die Kosten für einen einzelnen Ausbilder liegen bei 975 Euro, es gibt jedoch auch Gruppenangebote für Unternehmen, die mehrere Ausbilder gleichzeitig schulen wollen.

Auch Arburg hat diesen Kurs beispielsweise bereits mit der Hälfte seiner Ausbildungsmannschaft belegt, weitere sollen folgen. „Ein paar Ausbilder, die wir haben, sind relativ jung“, berichtet Ausbildungsleiter Vieth. „Die haben sich nicht noch zusätzlich dessen angenommen, aber die fahren jetzt in dem Wasser mit.“

Dass die Qualifizierung der Ausbilder eine der wichtigsten Herausforderungen ist, darüber sind sich die Unternehmen, Gesamtmetall, die Nachwuchsstiftung Maschinenbau und auch die IHK einig. Fest steht jedoch: Das Thema Digitalisierung wird kommen und die Unternehmen brauchen eine Strategie, um damit umzugehen. Ob das nun über Lernplattformen, das Einbinden jüngerer Kollegen oder Workshops für Ausbilder geschieht, ist zweitrangig. Die Hauptsache ist, dass sie damit anfangen.

Kommentar Locker bleiben
Der Generation Z wird ja vieles nachgesagt, aber wenn sie eines kann, dann ist es Digitalisierung. Eine Zeit ohne Internet kennen diese jungen Leute nicht. Wenn es in der Azubiwerkstatt noch nicht mal einen WLAN-Zugang gibt, werden sie verständnislos reagieren – und das zu Recht. Sie sind der schrillende Wecker, der den Unternehmen klarmacht, dass es Zeit wird, in der Digitalisierung anzukommen. Nämlich dort, wo sich schon längst ein Großteil der Welt dieser Generation abspielt.
Doch statt auf die Fähigkeiten und Medienkompetenz der Auszubildenden zu vertrauen, wird ihnen viel zu oft noch misstraut. Die Unternehmen machen sich Sorgen, was die jungen Leute alles anstellen könnten, sobald sie „am Netz“ sind, und werden so zum Bremsklotz. Dabei ist die kommende Generation an Auszubildenden gar nicht die große Herausforderung, für die sie gehalten wird. Ganz im Gegenteil: Wenn man sie nur lässt, ist sie die ultimative Geheimwaffe in der Digitalisierung.

Wie gehen Sie mit dem Thema Digitalisierung in der Ausbildung um? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht und wo sehen Sie persönlich die größten Herausforderungen? Teilen Sie gerne Ihre Meinung mit uns!

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