Pandemieauswirkungen Frachtpreise bleiben bis nach Weihnachten hoch

Redakteur: Peter Königsreuther

In puncto Frachtkapazität auf Containerschiffen sieht immer noch es eng aus. Die Containerpreise nehmen deshalb die 20.000-US-Dollar-Hürde auf längere Sicht, sagen Kenner der Szene.

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Prall! Auch die Preise! Denn der Handel zwischen China und Europa wird seit einiger Zeit durch Kapazitätsprobleme in Sachen Containerschiffe behindert. Experten von Setlog befürchten deshalb ein preistechnisches Dauerhoch bis ins neue Jahr hinein.
Prall! Auch die Preise! Denn der Handel zwischen China und Europa wird seit einiger Zeit durch Kapazitätsprobleme in Sachen Containerschiffe behindert. Experten von Setlog befürchten deshalb ein preistechnisches Dauerhoch bis ins neue Jahr hinein.
(Bild: D. Fernandez / unsplash)

Das Fest der Freude werde Importeuren von Konsumgütern aus Asien in diesem Jahr vermiest, sagen die Experten des Bochumer Softwarehauses Setlog. Denn es fehle zwar an Frachtkapazitäten, aber nicht an explodierenden Transportkosten für Waren aus Fernost. Analysen legten den Schluss nahe, dass sich an der Situation bis weit nach Weihnachten nichts ändern werde. Die Experten für Supply Chain Management prognostizieren deshalb Lieferverzögerungen, Kapazitätsengpässe und Frachtraten auf sehr hohem Niveau – mindestens zum chinesischen Neujahrsfest (Ende Januar). Diese Prognosen untermauert Setlog nicht zuletzt mit Zahlen. Und für die Analyse wertete man von Juli 2019 bis Juli 2021 die Daten von rund 100 Marken aus, die Setlogs SCM-Software OSCA nutzen. Es könnte immerhin sein, dass wenigstens die „Ostereier“ mit weniger finanziellem Aufwand unterwegs sein werden.

Fatales Problemgemisch zündet Frachtpreisexplosion

Ein Mix aus verschiedenen Umständen, heißt es weiter, führte dazu, dass der weltweite Güterverkehr seit Monaten an seiner Belastungsgrenze steht. Zum einen wirbelte die Coronapandemie die weltweiten Lieferketten durcheinander und brachte dabei Lager wegen geschlossener Läden zum Überlaufen. Dann gab es von einigen Branchen und Importeuren erhöhte Nachfragen. Reeder hatten aber ihre Kapazitäten schon heruntergefahren, um die Preise auf hohem Niveau zu halten, erklärt Setlog. „Zwar sind neue Schiffe und Container bestellt, doch deren Indienststellung dauert Monate“, so Ralf Düster, Vorstandsmitglied von Setlog. Ein Export-Boom in Asien verschärfe die Lage momentan. Denn er treibt Nachfrage nach freien Transportkapazitäten zusätzlich in die Höhe. Und unvorhersehbare Ereignisse wie die Havarie der Ever Given im Suezkanal, die Schließung des Hafens Yantian oder vor Kurzem die Teilschließung des Hafens in Ningbo verschlimmern die Situation noch weiter. Bisheriger Höhepunkt der Preisexplosion im Bereich Seefracht von China nach Europa war deshalb ein 20.000 US-Dollar teurer Transport für einen 40 Fuß großen High-Cube-Container, merkt Düster zu den monetären Folgen dieser Aneinanderreihung von Transporthindernissen an.

Krasse Preise und dennoch keine Liefersicherheit

Im Juli diesen Jahres pendelten die Preise für Container aus dem Reich der Mitte nach Westeuropa zwischen 14.000 und 16.000 US-Dollar, führt der Experte weiter aus. Das entspreche je nach Relation, Reederei und Loop dem Sechs- bis Achtfachen, verglichen mit den Preisen vor der Pandemie. Für den seemännischen Transport von Weihnachtsartikeln aus Asien prognostiziert Setlog, je nach Produktionsland, auch den sechs- bis achtfachen Preis verglichen mit dem Niveau von 2019.

Trotz der hohe Raten garantiere aber keiner eine pünktliche Lieferung. Und im Schnitt ist die Ware acht Tage länger unterwegs als vor der Coronakrise. Setlog hat herausgefunden, dass der Seecontainertransport bis zu 42 Tage dauert. Die Ursachen dafür sind unter anderem abgesagte Fahrten (Blank Sailings), langsame Schiffe und verzögerte Löschungen an den Bestimmungshäfen. Die Daten zeigen auch, dass Importeure aus der Bekleidungsindustrie im Vergleich zum letzten Jahr das übliche Volumen aufgrund der Pandemie und je nach Artikel zwischen 25 und 35 Prozent verringert haben.

Engpässe lauern auch bei den Transportalternativen

Zu Volumenrückgängen kam es auch in der Luftfracht: So betrug der Anteil dieses Transportsegments bei den untersuchten Unternehmen nur 7 Prozent (im Vergleich zu 23 Prozent in 2019). Schuld ist einmal mehr Corona! Denn Textilien und leichte Konsumgüter, die geflogen werden können, kamen aus übervollen Lagern, wobei die Mengen nur langsam abzubauen waren.

Weil auch der Bahnverkehr an seine Leistungsgrenzen kam, wie Setlog resümiert, kam es auch auf der Schiene zu Kapazitätsengpässen. Und die Waren werden derzeit in China und bei den verschiedenen Zollübergängen zum Teil extrem verzögert abgefertigt, weiß Setlog zu berichten. Mit Verspätungen von bis zu zwei Wochen kann man deshalb durchaus rechnen. Setlog fand auch heraus, dass derzeit Buchungen vier bis sechs Wochen vor dem Abfahrttermin des Zugs vorgenommen werden.

Handelsvorteile durch digitale Unterstützung

Der Softwarespezialist verweist deshalb auf mögliche Abhilfen, wie zeitige Reservierungen, schnelle Umbuchungen oder Stornierungen, die im Rahmen der Supply Chain digital steuerbar sind, wobei die SCM-Software Osca des Unternehmens besonders effizient sein soll. Dr. Christian Freckem, stellvertretender Vorstand des Fashion-Dienstleisters Katag, berichtet aus der Praxis: „Globale Lieferketten können jederzeit gestört werden. Wer bei Zwischenfällen über eine zentrale SCM-Software mit allen Partnern in der Supply Chain kommunizieren kann, hat einen großen Vorteil gegenüber jenen, die alle Veränderungen per E-Mail oder telefonisch klären.“

Auf die angespannte Lage im weltweiten Güterverkehr hätten bereits einige Unternehmen entsprechend reagiert. Dazu gehören laut Setlog die Entscheider von KiK und Rossmann, die Anfang Juli vermuteten, dass Preiserhöhungen im Handel kommen werden. Und Wirtschaftsexperten schließen derzeit nicht mehr aus, dass die Inflationsrate hierzulande vorübergehend auf 4 Prozent steigen könnte,

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