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Kunststoffverarbeitung Gigant beim Blasformen entpuppt sich als „Zwerg“ im Energieverbrauch

| Autor/ Redakteur: Jacqueline Lachwa / Peter Königsreuther

Für die Entwicklung einer Großblasanlage für Kunststoffteile an seinem Standort in den USA nutzte Roth seine hausinternen Kompetenzen aus Hydraulik und Kunststoffverarbeitung mit viel Erfolg.

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Diese Blasformanlage für Kunststoffteile mit Zusatzaggregat hat Roth entwickelt. Sie gehört zu den größten ihrer Art und steht am Roth-Standort Watertown in den USA. Sie erreicht eine Schließkraft von 300 t.
Diese Blasformanlage für Kunststoffteile mit Zusatzaggregat hat Roth entwickelt. Sie gehört zu den größten ihrer Art und steht am Roth-Standort Watertown in den USA. Sie erreicht eine Schließkraft von 300 t.
(Bild: Roth)

Für die Entwicklung einer neuen Großblasanlage für Kunststoffprodukte an seinem Produktionsstandort in Watertown, USA, nutzte das Familienunternehmen Roth seine spartenübergreifenden Synergien. Denn Roth verfügt einerseits über jahrzehntelange Erfahrung bei der Fertigung von Produkten im Blasformverfahren und lässt dieses Know-how in die Maschinenentwicklung einfließen. Die Blasanlage mit einem Gewicht von rund 125 t und einer Schließkraft von rund 300 t (über 2940 kN) arbeitet mit drei Extrudern. Für verschiedene Hydraulikanwendungen im Produktionsprozess ist die Anlage außerdem mit drei sensorgesteuerten Kolbenspeicheranlagen von Roth Hydraulics, dem zweiten Kompetenzträger, ausgestattet.

Hydraulische Energie gewährleistet das Öffnen und Schließen der Düsen im System, sichert die Extrusion des Kunststoffschlauchs, der später aufgeblasen wird und sorgt für alle Bewegungen der Blasformanlage. Die Hydraulik erlaubt die Bewegungen der Platten, der zweiteiligen Form, der Blasdorne und -nadeln für den Lufteinlass, verschließt die Form während des Blasformens und steuert die Wanddicke des Kunststoffteils. Die Bewegung jeder Formhälfte ist separat regelbar. Dies ermöglicht sowohl synchrone als auch asynchrone Bewegungsabläufe in unterschiedlichen Geschwindigkeiten.

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Hydraulik beim Blasformen verbessert Umweltbilanz

Zylinder mit Verriegelungsvorrichtungen an den vier Ecken der jeweiligen Formhälfte steuern dabei die Schließkraft. Und Klemmzylinder unterstützen das finale sowie passgenaue Schließen der Form. Dabei halten sie dem herrschenden Blasdruck bis 6 bar stand. Die 15 t wiegende Form (7,5 t je Hälfte) kann sich mit einer Höchstgeschwindigkeit von 300 mm/s maximal um 3 m öffnen. Der Arbeitsdruck der Kolbenspeicheranlage erreicht 180 bar, der Maximaldruck liegt bei 210 bar. Den Schließvorgang der beiden Formhälften sowie die Ausgabe des Kunststoffschlauchs in die Blasform steuern integrierte Proportionalventile.

John Pezzi, Betriebsleiter bei Roth USA, resümiert: „Aufgrund der Kolbenspeicheranlagen konnten wir die hydraulisch-elektrische Anschlussleistung um rund 75 % reduzieren. Das betrifft die Pumpen-, Motoren- und Wärmetauscherleistungen. Der minimierte Energieverbrauch schlägt sich in einer besseren Umweltbilanz nieder und hilft uns beim Ressourcensparen.“

Die Kolbenspeicher von Roth Hydraulics für den Einsatz in Maschinen und Anlagen sind in den Größen 0,1 bis 1500 l erhältlich. Standardanlagen halten einen maximalen Betriebsdruck von 350 bar aus. Sonderausführungen können bis 1200 bar belastet werden, wobei der Vorspanndruck variierbar ist. Diese Speicher kommen etwa zur Anwendung, wenn hohe Entnahmevolumen und Entnahmeleistungen nötig sind. Je nach Einsatzgebiet sind deutliche Kapazitätssteigerungen durch nachgeschaltete Gasbehälter erreichbar. Selbst kompakte, anschlussfertige Großanlagen mit einem Gesamtvolumen von weit über 100 m³ sind durch die Kopplung von Kolbenspeichern und nachgeschalteten Gasbehältern in beliebiger Zahl konzipierbar.

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